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Rostock Glanzparade für Vielfalt und Liebe

Hass auf Schwule und Lesben nimmt zu / Beim Christopher Street Day zeigt Rostock Flagge für mehr Toleranz

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Nick Scherzberg (l.) und Andreas Bösener aus Magdeburg wollen im September heiraten. Vorher feiern sie ihre Liebe beim CSD.

Quelle: Thomas Ulrich

Rostock. Politiker, Promis und Spitzensportler bekennen sich offen zu ihrer gleichgeschlechtlichen Liebe. Männer-Sex und Frauenküsse sind kein Tabu mehr.

Homosexualität wird allseits akzeptiert. Sollte man meinen. In Rostock sieht der Alltag vieler Schwuler und Lesben anders aus: Sie werden gemobbt, beleidigt, angegriffen. „Homosexuelle werden noch immer diskriminiert“, sagt Eckie Brickenkamp vom Verein Rat+Tat. Der Hass auf Schwule und Lesben in der Gesellschaft habe sogar wieder zugenommen, bedauert Mathias Luther, Vize-Vorsitzender des Vereins CSD Rostock Verantwortlich dafür sei nicht zuletzt die homophobe Hetze seitens NPD und AfD. „Die vergangenen zwölf Monate waren leider ein Rückschritt.“ Umso wichtiger sei es, für die Liebe in all ihren Facetten Farbe zu bekennen.

Genau das macht Rostock. Für Toleranz zeigt die Stadt Flagge. Vor dem Rathaus wehen seit gestern die Regenbogenfahnen als Zeichen gegen Homo- und Transphobie. Richtig bunt wird es am Sonnabend: Beim 14. Christopher Street Day (CSD) ziehen Dutzende Trucks samt Feiermeute durch die Innenstadt. Das Motto: „Echte Liebe – Echte Vielfalt – Echte Akzeptanz – Echt für Alle“. Prominente Showacts, wie die „Weather Girls“ („It’s raining men“), sind gebucht. Mit dabei sein werden auch Andreas Bösener und Nick Scherzberg. Die Magdeburger sind seit zweieinhalb Jahren ein Paar und werden im September heiraten. Angst, ihre Liebe öffentlich zu zeigen, haben sie manchmal trotzdem. „Es gibt Orte, an denen halten wir lieber nicht Händchen“, gesteht Bösener.

Das kann Eckie Brickenkamp gut verstehen. Zwar habe die Community in Sachen rechtlicher Gleichstellung viele Fortschritte gemacht. Doch das sei noch längst nicht in allen Köpfen angekommen. „Deshalb trauen sich viele gar nicht erst, sich zu outen.“ Gerade am Arbeitsplatz müssten jene, die es dennoch wagen, mit Problemen rechnen. Eine Lesbe, die in einer katholischen Kita arbeitet, sei ihren Job los, wenn publik werde, dass sie auf Frauen steht, schildert Brickenkamp.

Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle und Intersexuelle: Mehr als jeder zehnte Rostocker gehört zur sogenannten LSBTTI-Community, schätzt Brickenkamp. Im Vergleich zu anderen Städten stünde Rostock der „queeren“ Lebensweise sehr tolerant gegenüber. Solange Schwule aber als „ekelhafte Schwuchteln“ beschimpft würden, könne man sich nicht zurücklehnen. Die Akzeptanz Homosexueller müsste viel mehr gefördert werden. Doch dieser Wunsch scheitere schon am Personal. Nur eine Sozialarbeiterin ist bei Rat+Tat fest angestellt. Für große Kampagnen reicht das nicht.

Brickenkamp fordert mehr Unterstützung seitens der Stadt. „Damit die uns helfen kann, muss das Land ihr aber erst die finanziellen Mittel geben.“

Mehr Aufklärung hätten auch Staatsbedienstete nötig, meint Brickenkamp. Die Polizei zum Beispiel spreche bei Gewalt gegen Schwule und Lesben von „Straftaten im homosexuellen Milieu“. „Wir wollen aber keine Sonderstellung. Wir wollen behandelt werden wie jeder Heterosexuelle auch.“

Ob Bi, homo oder hetero: Am Sonnabend feiern alle gemeinsam. „Der CSD ist mittlerweile zum Familienfest geworden“, freut sich Eckie Brickenkamp. Die Party muss in diesem Jahr allerdings mit weniger Gästen auskommen. Weil zeitgleich in Hamburg und Berlin ähnliche Veranstaltungen stattfinden, rechnet Brickenkamp mit etwa 4000 Teilnehmern, 2000 weniger als im vergangenen Jahr.

Programm Hansegay Kulturwoche

Heute 19 Uhr: Vortrag „Lesben im Visier der Stasi“; Europäisches Integrationszentrum, Mühlenstraße 9 Morgen 19 Uhr: Buchlesung „Das Glück kam immer zu mir“; Europäisches Integrationszentrum 20 Uhr: CSD Benefiz Bingo; b sieben, Burgwall 7 Donnerstag 21 Uhr: Benefiz-Quiz zugunsten des CSD Rostock; Planbar, Leonhardtstraße 20 Freitag 19 Uhr: Stadtspaziergang mit den Jungs von „Ich weiss was ich tu“ 20 Uhr: CSD Warm up + Vereinsgrillen; Planbar Sonnabend 14 Uhr: 14. Christopher Street Day Rostock; Neuer Markt 15 Uhr: Start des Demonstrationszuges durch die Innenstadt 17 Uhr: Abschlusskundgebung auf dem Neuen Markt mit Showacts (z.B. Weather Girls und Les Bumms Boys) 22 Uhr: Abschlussparty; Kulturkombinat Bunker, Neptunallee 9a täglich bis einschließlich Sonntag: Ausstellung „Walk with pride“; Rathaus

Antje Bernstein

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