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Groß-Biestow: Politik drängt auf Wachstum

Biestow/Stadtmitte Groß-Biestow: Politik drängt auf Wachstum

Im Süden Rostocks soll ein neuer Stadtteil entstehen / Die Bürgerschaft will die Chancen des Werften-Booms nutzen

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Biestow/Stadtmitte. Einmal haben Rostocks Planer gepennt – und die einmalige Chance, die sich ihnen und der Hansestadt bot, nicht erkannt. 2011 war das, als in Berlin die Entscheidung getroffen wurde, das Oberkommando der Deutschen Marine an die Warnow zu verlegen. Binnen weniger Monate schuf die Bundeswehr in der Hansestadt Hunderte hoch bezahlte Dienstposten. Doch den Bediensteten des Marinekommandos konnte die Hansestadt wenig bieten – jedenfalls kaum Bauland. Viele Familien zogen deshalb ins Umland, bauten dort ihre Häuser, zahlen jetzt dort ihre Steuern. Ein Fehler, der sich nicht wiederholen soll. Denn wieder steht Rostock vor einem großen Wachstumsschub – durch die MV-Werften, die Genting-Gruppe. Dieses Mal will die Stadt die Chance nutzen.

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Im Süden Rostocks soll ein neuer Stadtteil entstehen / Die Bürgerschaft will die Chancen des Werften-Booms nutzen

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„Die Genting-Gruppe will auf der ehemaligen Warnow-Werft bis zu 700 neue Jobs schaffen. Viele davon für gut bezahlte Fachkräfte“, sagt Daniel Peters, Vorsitzender der Rostocker CDU. Damit die nicht wieder ins Umland abwandern, sondern in Rostock nicht nur arbeiten, sondern auch leben und wohnen, soll die Stadt sich auf mehr Wachstum einstellen. Wichtigster Punkt: „Wir brauchen schnell mehr Wohnraum.“ Damit aber nicht genug: Denn, wenn die Werft wächst, profitieren auch die Zulieferer. „Auch die Hafen-Entwicklung muss deshalb wieder mehr in unseren Fokus rücken. Rostock muss Raum für Expansion und neue Firmen-Ansiedlungen schaffen.“ Die Linken hat Peters auf seiner Seite – aber Fraktionschefin Eva-Maria Kröger will angesichts der neuen Chancen nicht nur an die Wirtschaft denken.

„Wir brauchen für den Wohnungsbau eine Gesamtstrategie: Wo schaffen wir wie viel Raum für welche Zielgruppe? Wie viele Grundstücke für Einfamilienhäuser braucht Rostock und wo müssen bezahlbare Mietwohnungen entstehen?“ Und außerdem sei es mit Wohnungen nicht getan: „Wir müssen den Neu-Bürgern auch einen guten Nahverkehr, ausreichend Kita- und Schulplätze, Grünanlagen und Kultur bieten. Die sogenannten ,weichen Standortfaktoren’ sind ebenso entscheidend.“ Schließlich wollen auch gut bezahlte Fachkräfte nicht nur in Rostock arbeiten – „sie wollen auch angenehm leben“.

Die SPD macht ebenfalls Druck in Sachen Stadtentwicklung: „Wir wachsen schneller, als die Stadtplanung hinterherkommt. Das muss sich ändern“, sagt Fraktionschef Steffen Wandschneider. „Rostock ist attraktiv genug. Wir dürfen nur nichts falsch machen.“ Er fordert deshalb, in Bestehendes zu investieren: „Wir müssen Sportstätten und Kultureinrichtungen ausbauen. Aber vor allem müssen wir Wohnraum schaffen.“

In Biestow plant das Rathaus deshalb ein neues Mega-Wohngebiet – mit Platz für bis zu 13000 Menschen, mit neuen Schulen und einer eigenen Straßenbahnlinie und Grünanlagen. Arbeitstitel: Groß- Biestow. Entlang den Grenzen des neuen Stadtteils sind die Menschen aber gespalten, was diese Pläne angeht. Am westlichen Ende befürchtet man vor allem mehr Verkehr an der Satower Straße. „Da könnten wir Probleme bekommen“, sagt Birgit Dinse. Was passiere, wenn dort noch mehr Autos durchmüssen, habe man gesehen, als die Abfahrt Südstadt gesperrt war und die Satower Straße als Umgehung diente.

Selbst wenn nur ein Viertel der neuen Anwohner da lang müsse, „ist um acht Uhr alles dicht“, sagt Dinse. Gegen ein Wohngebiet an sich habe sie nichts. Frank Lange (44), der eine Straße weiter wohnt, sagt: „Wir werden nicht mehr wissen, wie wir auf die Satower Straße kommen sollen. Die Pläne sind nicht durchdacht.“ Außer Frage aber sei, dass die Stadt Bauland brauche.

Ein paar Einfamilienhäuser seien kein Problem. Aber es sollte „eine gesunde Entwicklung sein“, sagt Christiane Müller (50), die in Biestow wohnt. Mehr als tausend Wohneinheiten oder gar „hoch verdichtet“ – dazu ein klares Nein. Die Gründe liegen vor allem im Umweltschutz. Es lebten dort geschützte Tier- und Pflanzenarten. Und: Das Gebiet sei eine Frischluftschneise für die Innenstadt und KTV. Udo Hilmer und die Mitglieder des Gartenvereins „Am Dorfteich“, dem er vorsteht, haben statt Feldern bald eine Straße und Wohnhäuser als Panorama. Er sieht das sogar als Chance: „Wir als Gartenanlage könnten die grüne Oase sein.“ Außerdem sei sie ein Teil der Stadt, da müsste sie mit den Entwicklungen leben. „Wir wollen hier eine Gemeinschaft.“ Aber: „Wir haben hier auch diskutiert.“

Seiner Meinung seien nicht alle Mitglieder des kleinen Vereins.

Rostocks Bevölkerung nimmt wieder zu

13000 Einwohner sollen nach den Plänen der Stadtplanung maximal in den neuen Stadtteil rund um Biestow ziehen.

1400 neue Wohnungen muss Rostock künftig jedes Jahr bauen. Dieses ehrgeizige Ziel hat Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) vorgegeben.

235000 Bürger werden nach neuesten Prognosen des Rathauses im Jahr 2030 in Rostock leben. 1988 waren es schon mal 254000 Einwohner.

Philip Schülermann und Andreas Meyer

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