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Haftstrafe und Psychiatrie für Friedhofsräuber gefordert

Stadtmitte Haftstrafe und Psychiatrie für Friedhofsräuber gefordert

83-Jährige starb nach Handtaschenraub / Zwei Männer (56 und 20) angeklagt / Plädoyers wurden gestern verlesen

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Die Angeklagten René Z. (20, l.) und Ingolf B. (56, r.) mit ihren Verteidigerinnen im Gerichtssaal.

Quelle: André Wornowski

Stadtmitte. Im Prozess um den tödlichen Raub auf dem Westfriedhof wurden gestern im Landgericht die Plädoyers verlesen. Fünf Jahre und zehn Monate Haft für den 56-jährigen Ingolf B. und die Unterbringung im Maßregelvollzug für den psychisch kranken René Z. (20) – das sind die Strafforderungen der Rostocker Staatsanwaltschaft.

Am 18. Dezember 2015 gegen 14 Uhr wollten die beiden Angeklagten auf dem Westfriedhof älteren Frauen die Handtaschen stehlen, erinnert die Staatsanwältin in ihrem Vortrag. B. habe das potenzielle Opfer ausgesucht und Z. schließlich einer 83-jährigen Frau die Umhängetasche entrissen. Dabei sei das Opfer so schwer gestürzt, dass es sich Schädelverletzungen und Hirnblutungen zuzog, an denen die Frau einen Tag später verstarb. Die klägliche Beute der Räuber waren 35 Euro, ein Behindertenausweis, Herztabletten und Bonbons. Darüber hinaus wird beiden Angeklagten vorgeworfen, in mehreren Fällen Autos aufgebrochen und daraus Gegenstände entwendet zu haben, sowie Betrug mit EC-Karten.

Gutachter attestierten dem 20-jährigen Angeklagten starke Persönlichkeitsstörungen, die seine Steuerungsfähigkeit einschränkten. Diese Gewalttat sei zwar die erste diesen Ausmaßes, wie die Staatsanwältin betonte, doch es bestünden extreme Risiken für weitere Gewalttaten. Daher plädiere sie, den Gutachterempfehlungen zu folgen und Z. in einem psychiatrischen Krankenhaus, einem Maßregelvollzug, unterzubringen.

Dass entspreche auch „dem Wunsch und Willen“ ihres Mandanten, erklärte die Verteidigerin. Bei Z. seien schon von Kindheit an psychische Auffälligkeiten diagnostiziert worden. „Bisher sind alle pädagogischen und therapeutischen Bemühungen gescheitert“, so die Verteidigerin, doch er sei extrem behandlungsbedürftig. Daher gebe es keine Alternative zur Unterbringung im Maßregelvollzug. In der Forensischen Psychiatrie in Ueckermünde, wo sich Z. derzeit befindet, „fühlt er sich zum ersten Mal richtig gut und hat schon eine Phase der Besserung durchlebt“, sagt seine Verteidigerin.

Ihr Mandant sei ein schwacher Mensch, leitet die Anwältin von Ingolf B. ihr Plädoyer ein. Sie schildert den Werdegang des 56-Jährigen, der im Kinderheim aufwuchs und seitdem „aus der staatlichen Fürsorge nicht mehr entlassen wurde“. Mit 19 Jahren wurde er zu seiner ersten Haftstrafe verurteilt – „ohne Gutachter“, und seitdem hat B. insgesamt 24 Jahre im Gefängnis gesessen. Das geforderte Strafmaß der Staatsanwaltschaft bezeichnet sie als „deutlich überzogen“. Ihr Mandant sehe gute Chancen, „auf freien Fuß zu kommen“. Das Urteil wird morgen, 7. Juli, erwartet.

Doris Kesselring

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