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Hebammen geht der Nachwuchs aus

Südstadt Hebammen geht der Nachwuchs aus

Südstadtklinik bildet Schwestern und Geburtshelferinnen aus / Immer weniger Bewerberinnen

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Frances Röpert (21) wird in Rostock zur Hebamme ausgebildet. Die Usedomerin hatte sich in ganz MV beworben.

Quelle: Fotos: Ove Arscholl

Südstadt. Wo andere die Nerven verlieren, schaut Rana Gasim (21) genau hin. Zum Beispiel in eine offene Bauchhöhle mit reichlich Blut und Därmen. So etwas ist für die Auszubildende am Südstadtklinikum nichts Schlimmes, sondern Alltag. „Ich finde das interessant“, sagt die angehende Operationstechnische Assistentin (OTA) im zweiten Lehrjahr. Die junge Rostockerin ist überzeugt, den richtigen Beruf gefunden haben. Schon als kleines Kind träumte sie von einer Medizinausbildung, um ihrer kranken Mutter helfen zu können.

Frauensache

1040 Euro verdient eine

Hebammen-Auszubildende im

ersten Lehrjahr, drei Jahre dauert

die Ausbildung. Theoretisch steht der Beruf auch Männern offen, sie würden dann Entbindungspfleger heißen. Praktisch liegt der Männeranteil allerdings bei Null.

Ihre gleichaltrige Ausbildungskollegin Frances Röpert hatte ebenfalls schon immer einen Traum. Und zwar den, Hebamme zu werden. „Jede Geburt ist etwas Besonderes“, sagt die gebürtige Usedomerin. Auch nach anderthalb Jahren Lehrzeit am Südstadtklinikum freut sich immer wieder neu über dieses kleine Wunder, an dem sie mithelfen darf.

Das kommunale Krankenhaus ist einer größten Ausbildungsbetriebe für medizinische Berufe in der Region. Das wissen auch viele Schulabgänger: Rana Gasim bekam einen der beiden begehrten OTA-Ausbildungsplätze, für die 80 Bewerbungen eingegangen waren. Für die neun Hebammenplätze gab es fast 200 Interessenten. Insgesamt bildet das Südstadtklinikum 46 junge Leute aus, die meisten davon als Gesundheits- und Krankenpfleger.

Allerdings macht der massive Bewerberschwund keinen Bogen mehr um das Krankenhaus: Ende Februar endet die Bewerbungsfrist für das nächste Ausbildungsjahr. Bis jetzt liegen erst 187 Bewerbungen vor.

Jahr für Jahr geht die Zahl zurück, 2008 waren es noch zweieinhalbmal so viele (457).

„Noch sind wir in der Lage, alle Stellen adäquat zu besetzen“, sagt die Pflegedienstdirektorin Sylvia Waterstradt. Ob das auch noch der Fall sein wird, wenn der Bewerberrückgang unvermindert anhält, ist dagegen nicht sicher.

Das Südstadtklinikum steht damit nicht allein. Vor ein paar Wochen startete die Bewerbungssaison für die meisten Ausbildungsplätze. Doch immer weniger junge Leute machen dabei mit. Bei der Rostocker Arbeitsagentur sind bisher für 2172 offene Lehrstellen erst 1252 Bewerber registriert. 2016 fragten noch insgesamt 2200 Schulabgänger um Unterstützung bei der Agentur nach. Auch wenn die Bewerberzahl noch steigen dürfte, droht die Zahl der unbesetzten Lehrstellen erneut auf einen Rekordwert zu steigen. Vergangenes Jahr waren das in der Region 330.

Gleichzeitig schwächelt die Ausbildungsfähigkeit vieler Bewerber. Laut einer Umfrage der IHK Rostock vermissen die Unternehmen bei gut jedem zweiten Auzubi Leistungsbereitschaft, Disziplin, Belastbarkeit und Umgangsformen. „Diese sogenannten Softskills können nicht wie Lerndefizite durch Nachhilfe vermittelt werden“, sagt Angela Budzisch, Fachbereichsleiterin für Ausbildung bei der IHK.

Auch einfaches Rechnen und Schreiben beherrschen viele Neu-Auszubildende oft nicht mehr so, wie es eigentlich nötig wäre. Richtig zufrieden sind die befragten Betriebe gerade einmal mit 15 Prozent ihrer Lehrlinge. Allerdings holen viele während der dreijährigen Ausbildung noch auf. Einen Einbruch bei den Prüfungsergebnissen gebe es bisher jedenfalls nicht, so Angelika Budzisch.

Handwerksbetriebe setzen unterdessen verstärkt auf Studienabbrecher, um doch noch Kandidaten für freie Ausbildungsplätze zu finden. „Aufgrund der demografischen Entwicklung und der damit verbundenen rückgängigen Lehrstellenbewerberzahlen ist es wichtig, weitere Reserven zur Sicherung der Fachkräfte im Handwerk zu erschließen“, sagt Jens-Uwe Hopf, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern.

Gerald Kleine Wördemann

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