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Heinkel-Mauer: Abriss gleich zum Jahresbeginn

Kröpeliner-Tor-Vorstadt Heinkel-Mauer: Abriss gleich zum Jahresbeginn

Bürgerschaft lehnt Kauf des Denkmals ab / Ortsbeirat scheitert mit Eilantrag

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Nächste Woche rücken die Gerüstbauer an, gleich im neuen Jahr kommt die Wand dann weg: Der Abriss der Heinkel-Mauer ist beschlossene Sache. Der Ortsbeirat der KTV und der Rostocker Bund scheiterten gestern in der Bürgerschaft mit Eilanträgen, die dem historischen Bauwerk zumindest noch eine Gnadenfrist eingeräumt hätten. Die Wiro – Eigentümer der Mauer und der angrenzenden Flächen am Werftdreieck – will nun zeitnah Tatsachen schaffen.

Stadtgesellschaft seit Jahren gespalten

Das städtische Wohnungsunternehmen hatte schon vor Monaten den Abriss der Mauerfragmente an der Hamburger Straße beantragt. Begründung: Die Wand sei einsturzgefährdet und nicht mehr zu halten.

Die Wiro stützt sich dabei auf ein Gutachten des Ingenieur- und Architekturbüros Inros Lackner. „Sechs Prozent der alten Ziegelsteine sind derart beschädigt, dass sie definitiv nicht mehr zu halten.

Weitere 25 Prozent weisen gravierende äußere Schädigungen auf“, so Christian Jentzsch, Prokurist und Investitionsleiter der Wiro. Eine Sanierung würde, so Jentzsch, nicht nur mindestens 1,8

Millionen Euro kosten: „Die Mauer wäre danach eine Replik – und eine Replik hat keinen Denkmalwert.“ Auch das Rathaus plant längst ohne die Heinkel-Mauer: Im benachbarten Neptun-Center will Kulturamtschefin Michaela Selling ein neues Museum zur Industrie- und Gesellschaftsgeschichte eröffnen, an Stelle der Mauer sollen Stelen an die ambivalente Vergangenheit des Standorts Werftdreieck erinnern.

Ortsbeirat fordert Kauf und Erhalt

Doch mit diesen Aussagen gibt sich die Interessengemeinschaft (IG) Bauernhaus, ein Zusammenschluss von ehrenamtlichen Denkmalrettern, nicht zufrieden: Sie zweifeln das Gutachten bis heute an – und konnten davon auch den Ortsbeirat der KTV überzeugen: Mit einem Eilantrag an die Bürgerschaft versuchte die Stadtteil-Vertretung, den Abriss zu verhindern. „Wir fordern, dass die Stadt der Wiro den Abriss untersagt. Und: Die Hansestadt soll die Mauer kaufen und sanieren“, so Linken-Politikerin Julia Richter im Ortsbeirat. Dass die Wiro am Werftdreieck ein neues Viertel mit bis zu 750 Wohnungen schaffen will – das begrüßt auch Ortsbeiratsmitglied Alexander Ludwig (Grüne). Aber: „Hier wird mit Immobilien gutes Geld verdient. Wir sollten uns den Erhalt der Mauer deshalb leisten.“ Ludwig weiter: „Das Matrosendenkmal sanieren wir – und das erinnert an Ereignisse, die nicht mal in Rostock stattgefunden haben. Heinkel aber war hier, Heinkel ist in Rostock passiert.“ Auch Matthias Siems (SPD) plädierte für den Erhalt des „Nazi-Bauwerks“ (O-Ton): „Ich hänge nicht daran, aber wir brauchen die Mauer als Teil der Erinnerungs- und Mahnkultur in unserer Stadt.“ Die Heinkel-Werke stünden nämlich nicht nur für die Industrie-Geschichte und den Rostocker Pioniergeist in der Luftfahrt, sondern auch Rüstung, für das Leid von Zwangsarbeitern im Zweiten Weltkrieg.

Bürgerschaft macht nach Debatte Weg für Abriss frei

Auch in der Bürgerschaft gab es gestern nochmals Kritk an den Abriss-Plänen. Die stimmte zwar einem Änderungsantrag von Sybille Bachmann (Rostocker Bund) zu, bis zum 15. Februar nicht abzureißen, dann fiel aber der Antrag des Ortsbeirats KTV durch: So war der Weg dann doch frei für den Abriss. Eva-Maria Kröger (Linke) und Henning Wüstemann (Grüne) hatten vergeblich dafür geworben, die Kritik der IG Bauerhaus am Gutachten zur Mauer nicht einfach beiseite zu schieben. Wüstemann hätte gern im Kulturausschuss noch einmal darüber gesprochen.

Die Aussagen der Interessengemeinschaft Bauernhaus seien nicht greifbar und es gebe kein zweites Gutachten, erklärt Wiro-Geschäftsführer Ralf Zimlich. Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) vermutet, dass auch eine neuerliche Untersuchung zu dem Ergebnis kommt, dass die Heinkel-Wand in der Form nicht zu erhalten sei. Ralf Zimlich freute sich, dass nach einer Diskussion die Entscheidung pro Abriss fiel. Hätte es eine andere Entscheidung gegeben, wären die Gerüstbauer erst einmal wieder abbestellt worden. Noch sei nicht klar, wie künftig an die Heinkel-Flugzeugproduktion erinnert werden soll. Dies sei ein Prozess, mit dem sich die Öffentlichkeit auseinandersetzen müsse, so Zimlich.

Thomas Niebuhr und Andreas Meyer

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