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Archäologen präsentieren einmalige Funde auf der Ausgrabungsstätte in Dierkow / Hinweise auf Hafenareal

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Gestern nutzten zahlreiche Rostocker die einmalige Möglichkeit, die Ausgrabungsstätte in Dierkow zu besichtigen.

Quelle: Fotos: Lisa Fritsche

Dierkow. Wo heute Schilf und Torf die Landschaft bestimmen, herrschte früher reges Treiben: In Dierkow haben Archäologen außergewöhnlich gut erhaltene Siedlungs- und Hafenreste aus dem frühen Mittelalter (500 bis 1050) gefunden. „Die bei den Untersuchungen erzielten Ergebnisse belegen ein hohes Potenzial des Platzes“, erklärt Stadtarchäologe Ralf Mulsow. Auf dem Areal am östlichen Warnowufer, unweit des Primelberges, seien Nachweise gefunden worden für gewerbliche Produktion, Bauaktivitäten und Landerschließungen sowie für weitreichende Handelskontakte im 8. und 9.

OZ-Bild

Archäologen präsentieren einmalige Funde auf der Ausgrabungsstätte in Dierkow / Hinweise auf Hafenareal

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Jahrhundert. „In dieser slawisch-skandinavischen Siedlung könnten auch andere Gruppen, wie Sachsen, Friesen und Franken, präsent gewesen sein“, ergänzt Ausgrabungsleiter Sebastian Messal vom Deutschen Archäologischen Institut.

Neben Bronzeschmuck oder Perlen aus Skandinavien stießen die Forscher auf Webgewichte oder Handspindel – Zeichen für eine Besiedlung des Ortes. In den vergangenen Tagen wurden außerdem Halbfabrikate aus der Kammherstellung entdeckt. „Diese Stücke waren noch im Fertigungsprozess. Das ist ein Hinweis, dass hier Handwerk betrieben wurde“, erläutert Grabungsleiter Messal.

Er und sein Team aus ehrenamtlichen Mitarbeitern und Studenten gruben auf rund 125 Quadratmetern in den vergangenen drei Jahren nach Relikten früherer Zeiten. Die Grabungen gehören zu einem sechsjährigen Projekt des Deutschen Archäologischen Instituts, bei dem mehrere Ostseehäfen untersucht werden. „Rostock hat dabei das größte Potenzial“, betont der 39-Jährige. Im Gegensatz zu fast allen anderen Orten entlang der Küste sei diese historische Siedlung nie überbaut worden.

Bei den Ausgrabungen wurde unter anderem ein Grundstück mit Feuerstelle und kleineren Parzellen entdeckt. „Im südlichen Ostseeraum ist das ein einmaliger Fund“, betont Messal. Durch die feuchte Bodenbeschaffenheit seien Holz, Leder oder Knochen hervorragend erhalten geblieben. Wissenschaftlich interessante Hölzer werden nun herausgenommen und konserviert. Andere werden zur Holzartenbestimmung genutzt.„Ich habe hier intakte Hämmer aus Holz und einen der schönsten nordischen Schwertknaufe gefunden, die ich je gesehen habe“, sagt Messal. Das Interesse der Forschung an dem Platz bestehe schon seit langer Zeit. Vor rund 200 Jahren wurden bereits erste Oberflächenfunde auf dem ehemaligen Siedlungsplatz gemacht.

Archäologische Entdeckungen gab es außerdem während Leitungsarbeiten in den 1980er Jahren. „Da zeigte sich bereits, dass der Platz eine größere Bedeutung haben musste“, erklärt der Archäologe. In den kommenden drei Wochen werden die Grabungsarbeiten abgeschlossen und die Schnitte zugeschüttet.

Messal würde jedoch gern weitergraben. „Nach der Dokumentation gehen wir in eine neue Antragsphase. Vielleicht können wir dann auch den Hafen erforschen.“ Dieser Bereich blieb den Wissenschaftlern bislang aus Naturschutzgründen verwehrt. Doch bereits jetzt gibt es Hinweise auf ein Hafenareal und einen Seehandelsplatz von mehr als drei Hektar Größe.

„Die Funde werden dafür sorgen, dass wir Rostocks Geschichte um ganz neue Facetten ergänzen können“, sagt Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) im Hinblick auf das Doppeljubiläum 800 Jahre Rostock 2018 und 600 Jahre Universität Rostock 2019. Doch obwohl die Funde deutlich älter als die erste urkundliche Erwähnung der Stadt 1161 sind, könne die Geschichte nicht völlig neu geschrieben werden.

„Es handelt sich um eine Vorläufersiedlung der Stadt“, betont Messal. Eine eindeutige Entwicklungslinie zu Rostock könne jedoch nicht belegt werden.

Archäologie in MV

9 Häfen werden im Projekt „Ostseehäfen“ des Deutschen Archäologischen Instituts zwischen Lübeck und der Danziger Bucht untersucht. Alle haben große Bedeutung für den Handel zwischen Skandinavien und dem Fränkischen Reich.

8433 Unterschriften hat die Initiative Pro Archäologisches Landesmuseum für die Präsentation historischer Funde am Standort Rostock, wie jenen vom Primelberg, bisher gesammelt.

• Informationen zur Aktion gibt es im Internet unter www.ipal-mv.de

Lisa Fritsche

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