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Holzflöte bis Ein-Mann-Bunker: Schätze unter dem Asphalt

Stadtmitte Holzflöte bis Ein-Mann-Bunker: Schätze unter dem Asphalt

Bevor das Rosengarten-Center gebaut wird, muss die Fläche am Glatten Aal untersucht werden / Laut Archäologe Jörg Vogt sind hier Mittelalter und Neuzeit eng verknüpft

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Annika Poratz (26) zeichnet die Bodenbeschaffenheiten während der Grabung am Glatten Aal nach.

Quelle: Fotos: Johanna Hegermann (3) / Marten Vorwerk (3)

Stadtmitte. Große Löcher reihen sich am Glatten Aal dicht aneinander. Wenn Rostocker zurzeit einen Blick durch den teils verhüllten Zaun werfen, erkennen sie die lange als Parkplatz genutzte Fläche kaum wieder. Holzreste, alte Brunnen und freigelegte Kellergewölbe: Seit vier Monaten laufen die archäologischen Untersuchungen im Herzen der Innenstadt. Denn bevor hier das Rosengarten-Center entstehen kann, muss gründlich untersucht werden, ob sich Schätze der Geschichte finden lassen.

 

OZ-Bild

Sebastian Diesing aus Groß Klein hilft bei den Grabungsarbeiten.

Quelle:
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Jörg Vogt zeigt die Fasslatrine, darin könnten Schätze liegen.

Quelle:
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Sebastian Diesing aus Groß Klein hilft bei den Grabungsarbeiten.

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Jörg Vogt zeigt die Fasslatrine, darin könnten Schätze liegen.

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„Die faktisch vollständige Zerstörung der archäologischen Substanz, das ist Bauen“, erklärt der Leiter der Arbeiten, Jörg Vogt. Das sei völlig normal. Deshalb ist gesetzlich vorgeschrieben, dass der gesamte Bereich rechtzeitig untersucht, kartiert, abgetragen und gesichert wird. Denn: „Es ist ein sehr interessantes Areal“, schätzt der 54-Jährige. Das Grundstück sei ursprünglich ein abgeschlossenes, mittelalterliches Quartier. „Nach dem Bombenangriff 1942 wurden es planiert und quasi konserviert.“ Dass die Fläche lange brachlag, sei ein Glücksfall, ist sich Vogt sicher.

Zum einen lassen sich zahlreiche Überbleibsel aus dem Leben um 1940 finden. Die Keller wurden nicht geräumt, sondern verlassen. „Die Menschen wurden vom Angriff überrascht, daher liegen hier viele Alltagsgegenstände aus der Neuzeit.“ Funde, wie Fahrräder, Motorräder, Flaschen, Scherben Tintenfässchen oder gestapelte Kohlebriketts, seien spannend, aber archäologisch uninteressant.

Ein Glücksfall auch, da es keine modernen Eingriffe an den Kellermauern gibt, die teilweise aus dem Mittelalter stammen. „Wir können hier rund 800 Jahre Stadtgeschichte in einem geschlossenen System finden“, schwärmt Vogt. Womöglich sogar mehr. Denn noch wisse niemand, was sich unter den Kellerbauten noch befinde. „Wir graben mindestens viereinhalb Meter tief“, sagt er. „Mindestens“, da bei Funden weiter gegraben wird. Die Chancen stehen gut: „Der Boden ist schön feucht und deswegen sind Holzfunde gut konserviert.“

Schon jetzt habe man einige interessante Entdeckungen gemacht, die an das Land MV weitergegeben wurden. „Schön waren eine Holzflöte und ein Holzteller“, so der Untersuchungs-Leiter. Auch eine Gewandnadel, Knopfleisten und Würfel aus Tier-Knochen von einem ansässigen Knopfmacher wurden geborgen. Zudem sei die Latrine aus einem Holzfass vielversprechend. „Sie wird jetzt freigelegt und mittig durchgeschnitten. Dann gucken wir, was da Schönes drin ist“, sagt er schmunzelnd. Insgesamt habe es im Innenhof etwa fünf Brunnen und ebenso viele Latrinen gegeben.

„Es ist interessant, dass nicht ein Keller vollständig aus dem Mittelalter stammt“, sagt Vogt. Das lasse darauf schließen, dass der Bereich durch Feuer zerstört wurde. Hinweise darauf finden sich auch in den Erdschichten. „Alle Arbeiten, die brennen oder stinken, wurden in solchen Gebieten dicht an der Stadtmauer gemacht“, sagt Vogt und vermutet hier eine Ursache.

Auch die Bombenangriffe während des Zweiten Weltkrieges habe Spuren hinterlassen. „Wir haben einen Bombentrichter entdeckt“, erklärt Vogt. Die Mauern wurden durch die Kraft des Einschlags nach außen gedrückt und machen einen Bogen. „Hier kann man die Geschichte ablesen.“ Auch der Ein-Mann-Bunker aus Beton, der hier noch in der Erde liegt, erzählt eine Geschichte. „Er war wahrscheinlich zu Kriegszeiten eine Zuflucht für den dortigen Postbeamten“, so Vogt. Mit Gefahrengut sei wohl nicht mehr zu rechnen. „Der Einsatz des Munitionsbergungsdienstes ist abgeschlossen.“ Die Arbeiten der Archäologen werden hingegen noch etwa fünf Monate andauern.

Johanna Hegermann

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