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Hornzapfen und Geweih-Axt im Museum

Rerik Hornzapfen und Geweih-Axt im Museum

Neue Artefakte unserer Vorfahren jetzt in Rerik / Einwohner fanden Jahrtausende alte Stücke

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Museumsleiter Thomas Köhler mit einem Geweih als Anschauungsmaterial

Quelle: Fotos: Sabine Hügelland

Rerik. Majestätisch wirkt das Geweih, das Reriks Museumsleiter Thomas Köhler in den Händen hält. Das ist jedoch nur Anschauungsmaterial für die weitaus wertvolleren Funde, die jetzt im Heimatmuseum zu sehen sind: ein Hornzapfen und eine Geweih-Axt, datiert auf ein Alter von 5000 Jahren vor Christus.

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Neue Artefakte unserer Vorfahren jetzt in Rerik / Einwohner fanden Jahrtausende alte Stücke

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Der ehemalige Kreisbodendenkmalpfleger Volker Häußler zeigt auf den knöchernen Hornzapfen eines Urstiers: „Gefunden hat ihn der Kühlungsborner August Wagner am Riedensee, in der Nähe von Kägsdorf“, erzählt Häußler. Das andere Fundstück – eine Geweih-Axt – stammt aus Neu Gaarz. Die Doberanerin Ina Müller hat sie gefunden. Beide Finder übergaben ihre für die Landesarchäologie wichtigen Artefakte jetzt dem Reriker Heimatmuseum.

Für Volker Häußler und Thomas Köhler ein Glücksfall: „Organische Reste, die auf das Leben unserer Vorfahren zurück gehen, sind sehr selten“, sagt Häußler. Ihre Erhaltung sei an besondere Umstände gebunden. Und er erklärt: „An den Ufern des damaligen Ostseestrandes lebten bis vor 4100 v. Chr. unsere jagenden, sammelnden und Fische fangenden Vorfahren der späten Mittelsteinzeit.“ Nahrung und Rohstoffe für Geräte, Waffen, Werkzeuge und für den täglichen Bedarf wurden der Umwelt entnommen: Feuerstein, Holz, Bast, Knochen, Eberwaffen und eben auch Geweih. Letzteres und Knochen sind hart, haltbar, zäh, vielseitig einsetzbar.

Unterwasser-Forschungsarbeiten des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege MV vor der Insel Poel brachten dort bisher zwei Hirschgeweih-Äxte hervor. „Zwischen der Halbinsel Wustrow und Kühlungsborn haben uns Urlauber und Bürger allein 14 Hirschgeweih-Äxte und -hacken gemeldet“, sagt Häußler. Das weist auf Siedlungen hin und zeigt, wie wertvoll die beiden Funde von Ina Müller und August Wagner für die Wissenschaft sind. August Wagner (74) ist seit Jahren ein aufmerksamer Strandspaziergänger. Er konnte schon vieles entdecken, was er nun Stück für Stück Volker Häußler übergeben möchte.

Wagner lernte Häußler 2015 kennen, als der in Kühlungsborn Unterschriften für die „Initiative Pro archäologisches Landesmuseum“ (Ipal) sammelte. „Später besuchte er mich“ , erzählt Wagner, „und machte sich ein Bild von meinen Funden.“ Auch von dem Hornzapfen, den er bereits 2010 entdeckt hatte. „Und weil wir kein Archäologisches Landesmuseum haben, wo wir die Funde der Öffentlichkeit zeigen können, erhalten ausgewählte Museen wie das in Rerik die Fundstücke zur Leihgabe im Auftrag des zuständigen Landesamtes“, erklärt Häußler.

Museumsleiter Köhler zeigt auf das Wappentier der Mecklenburger Fürsten, den Ur (Auerochsen): „Schon deshalb sind das wichtige Stücke für das Heimatmusem.“

Ina Müller war eigentlich auf der Suche nach Treibholz, als sie die Geweihaxt entdeckte: „In Neu Gaarz fand ich drei Stücke, die nebeneinander lagen, das war schon mystisch“, berichtet die 55-Jährige. Später habe der Museumsleiter festgestellt, dass die beiden anderen Fundstücke eine versteinerte Auster und ein großer Kieselschwamm der Kreidezeit waren.

„Viele Fundstücke, die von Spaziergängern entdeckt werden, gehen leider verloren, weil die Nachfahren der Finder nichts mehr damit anzufangen wissen“, bedauert Häußler. Doch nur durch Meldung solcher Funde an die Bodendenkmalplfleger und Museen komme die Geschichtsforschung weiter. Häußler bittet: „Zeigen Sie bitte ihre besonderen Funde der Bodendenkmalpflege an.“ Wichtig seien auch die möglichst genauen Fundstellen. Funde und Fundplätze ermöglichten dann interessante Rückschlüsse unter anderem auf die Siedlungszeiten, -strukturen und -dichte der ur- und frühgeschichtlicher Vorfahren seit dem Ende der letzten Eiszeit.

Museum im Schulhaus

Das Heimatmuseum im alten Schulhaus in der Dünenstraße 4 in Rerik hat im Winter bis zum 14. Mai jeweils dienstags von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr geöffnet. Mittwochs und donnerstags von 14 bis 17 Uhr, freitags von 10 bis 12 Uhr, sonnabends und sonntags von 14 bis 16 Uhr.

Sabine Hügelland

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