Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Im Kalten Krieg brachte er Rostock und Amerika zusammen

Stadtmitte Im Kalten Krieg brachte er Rostock und Amerika zusammen

Prof. Dr. Duncan Smith war zu DDR-Zeiten Initiator eines Austausches zwischen der Rostocker Uni und der Brown-University in den USA / Nach 26 Jahren kehrt er zurück

Stadtmitte. „Als ich in Rostock reingefahren bin, habe ich die Stadt auf dem ersten Blick gar nicht wiedererkannt“, sagt Prof. Dr. Duncan Smith. Kein Wunder: Der Hochschullehrer aus den USA war zuletzt vor der Wende in der Hansestadt – weil er damals ein außergewöhnliches Projekt betreute: Smith war Initiator und Organisator eines Wissenschaftler- und Studentenaustausches zwischen der damaligen Wilhelm-Pieck-Universität Rostock und der Brown-University in Providence in Rhode Island. Die beiden Hochschulen wurden mitten im Kalten Krieg Partner – obwohl in der ehemaligen DDR zu dieser Zeit ein offizieller Anti-Amerikanismus herrschte.

 

OZ-Bild

Nach 26 Jahren kehrt der Amerikaner Duncan Smith an seine alte Wirkungsstätte zurück.

Quelle: Mathias Otto

Anfangs war es ein reiner Bü- cheraustausch. Meine Univer- sität hat Fachliteratur in die DDR geschickt, und umgekehrt.“Prof. Dr. Duncan Smith (75), ehemaliger Hochschullehrer an der Brown-University in Providence (USA)

Der heute 75-Jährige Smith weilt derzeit in Deutschland, weil er Gastredner der historischen Tagung „200 Jahre diplomatische Beziehungen Mecklenburg - USA“ in Schwerin war. Diese Reise nutzte er für eine Fahrt in die Hansestadt. Duncan Smith erinnert sich hier an die Anfänge des Austausches. „Schon als Germanistik-Student wurde ich in den 50er Jahren durch den Forschungsaufenthalt eines Professors auf die wissenschaftlichen Beziehungen zwischen der DDR und den USA aufmerksam gemacht“, sagt er. Es sei für ihn etwas Besonderes gewesen, in Form eines Stipendiums nun selbst einmal in die DDR reisen zu können. Laut seinen Erinnerungen seien die Beziehungen damals auch nur möglich gewesen, da an der Brown-University keine Leute aus dem damaligen Westdeutschland tätig waren.

„Wir haben mit kleinen Schritten angefangen. Anfangs war es ein reiner Bücheraustausch. Meine Universität hat Fachliteratur in die DDR geschickt und umgekehrt“, so Duncan Smith. Die Rostocker hätten zu dieser Zeit einen dringenden Bedarf an Veröffentlichungen zum Gebiet Altphilologie gehabt. Für die Amerikaner sei es indes schwer gewesen, an DDR-Literatur zu gelangen. „Die Bücher, die wir bekommen haben, waren enorm wertvoll“, sagt er. An einen Studentenaustausch habe zu diesem Zeitpunkt niemand gedacht. Und dennoch reisten die ersten sechs Wissenschaftler 1973 aus Providence nach Rostock.

Andersherum war dies ohne Weiteres nicht so einfach möglich. Zu groß war die Angst aus Sicht der Staatssicherheit, dass jemand fliehen könnte. Dies geht aus Stasi-Berichten hervor. „Die Sorge war immer vorhanden, dass keiner der Studenten nach Rostock zurückkehrt. Deshalb wurden nur ausgewählte Leute in die USA geschickt“, erinnert sich Duncan Smith.

Die Amerikaner in Rostock hätten sich in den 70er und 80er Jahren wohlgefühlt, denn sie seien etwas Besonderes gewesen. „Ich kann mich noch an viele Diskussionsrunden erinnern. Neben den wissenschaftlichen Themen wollten die Rostocker vor allem wissen, welche Sportarten wir haben, welche Musik wir hören oder Filme wir schauen“, sagt der 75-Jährige.

Smith nahm auch an einer der Montagsdemonstrationen im Jahr 1989 teil. Kurze Zeit später folgte der Mauerfall, und DDR-Bürger konnten reisen, wohin sie wollten. „Damit war der Austausch beendet. Die Stiftung, die das Programm finanziell getragen hat, zog sich zurück“, berichtet er. Insgesamt sind zwischen 1972 und 1991 fast 100 Rostocker Studenten und 60 bis 70 Wissenschaftler an die Brown-University in den USA gereist.

Austausch wurde vertraglich festgehalten

Der Austausch von Wissenschaftlern und Studenten wurde zwischen der Universität Rostock und der amerikanischen Brown-University 1979 vereinbart und 1980 in einem Vertrag festgehalten.

Inoffiziell gab es diesen Austausch schon seit 1972.

Prof. Dr. Duncan Smith , Initiator und Organisator dieses Austausches auf amerikanischer Seite, hielt kürzlich einen Gastvortrag auf der historischen Tagung „200 Jahre diplomatische Beziehungen Mecklenburg-USA“ in Schwerin.

Mathias Otto

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Greifswald
Kämpfen für die schutzsuchenden Frauen: Christiane Siegler, Dinara Heyer und Mareen Schumann.

Das Frauenhaus Greifswald gibt es seit 25 Jahren / Ein Opfer häuslicher Gewalt fasst sich aus diesem Anlass ein Herz und berichtet über seine Erfahrungen

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Rostock

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

DCX-Bild
Feierliche Immatrikulation an der Universität Rostock

Rund 3100 Studenten wurden am Freitag in Rostock neu immatrikuliert. Die Universität begrüßte die Neulinge in diesem Wintersemester mit einer Feier, bei der Bildungsministerin Birgit Hesse einen Festvortrag zur Bedeutung von Bildung hielt.