Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Interesse an Elektroautos steigt

Stadtmitte Interesse an Elektroautos steigt

Noch sind reine Strom-Autos selten auf Rostocker Straßen / Aber das ändert sich, sagen Händler

Voriger Artikel
Elf Millionen für Kinder in Not
Nächster Artikel
Keine einheitlichen Regeln für Studierende zur Anwesenheit

Neuer Strom für die nächste Dienstfahrt: Marie-Louise Albrecht vom Windrad-Hersteller Eno Energy stöpselt das firmeneigene E-Auto an die Ladestation an. Laut „GoingEletric.de“ gibt es zurzeit 21 öffentlich zugängliche Ladestationen in Rostock.

Quelle: Foto: Ove Arscholl

Stadtmitte. Aller Anfang ist schwer. Gerade einmal 33 Elektroautos sind in Rostock zugelassen. Diese Zahl aus dem Flensburger Kfz-Register stammt von Jahresbeginn und dürfte seitdem noch etwas gestiegen sein. Aber das Auto ohne Auspuff bleibt vorerst ein Exot. Gerade einmal 0,04 Prozent beträgt sein Anteil unter allen Pkw in Rostock. Angesichts der gefühlten Bedeutung, mit der das Thema E-Mobililität zurzeit diskutiert wird, erscheint das wie ein Witz. Viel Wind um nichts?

Rostocker Autohändler widersprechen. „In einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern ist es schwieriger als in der Großstadt“, sagt Jens Neubauer von BMW Wigger. Aber das Interesse nimmt zu. Erst kürzlich gab ein Ehepaar seinen PS-starken Familienwagen in Zahlung – und fuhr im Elektroauto „I3“ des bayerischen Herstellers nach Hause. So etwas sei selten, aber es komme vor, so Verkaufsleiter Neubauer. Langfristig werde der Elektroantrieb stark zulegen, ist er überzeugt.

„Die Nachfrage zieht langsam an“, meint auch Marcel Müller, Geschäftsführer beim Renault-Händler Autowelt Rostock. Gut ein Dutzend Transporter mit Elektroantrieb hat er in den vergangenen zwei Jahren verkauft, vor allem an Gewerbetreibende. Ein wichtiges Kriterium, was oft noch gegen den Kauf spricht, ist die geringe Reichweite. „Die Leute möchte mit dem Auto auch nach Berlin und Hamburg kommen“, sagt Müller. Mit den neueren Modellen sei das durchaus möglich.

„Die Preise müssen sinken“, meint Ulrich Ladwig, Seniorchef im Autoshaus Evershagen, das unter anderen Nissan verkauft. Der japanische Hersteller gilt neben neben Renault als Vorreiter bei Elektroautos. Der große Preisunterschied im Vergleich zu Fahrzeugen mit konventionellem Antrieb mache es neben der begrenzten Reichweite schwierig, reine E-Mobile zu verkaufen. Grundsätzlich seien viele Kunden offen für einen Wagen mit sauberem Antrieb. „Aber wenn es ans eigene Portemonnaie geht, werden viele dann doch zögerlich“, berichtet Ladwig. 30000 Euro für ein Elektroauto oder die Hälfte davon für einen guten Wagen mit Benzin- oder Dieselmotor, das sei nun mal ein starkes Argument.

„Das Kfz-Gewerbe verfolgt die Diskussionen um alternative Antriebe aufmerksam“, teilt Renée Werner, Geschäftsführerin beim Kfz-Verband des Landes mit. Inzwischen gebe es viele Modelle am Markt, „auch zu nicht völlig abwegigen Einstiegspreisen“, so die Verbandschefin. Aber nach wie vor bremsen fehlende Ladesäulen und knappe Reichweite das Interesse möglicher Käufer.

Bislang setzen in der Hansestadt vor allem Unternehmen auf die Strom-Autos. Beim Rostocker Windrad-Hersteller Eno Energy gehört ein Elektro-BMW zum Fuhrpark – neben 56 weiteren Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Der Stromer wird vor allem für Fahrten zur Filiale in Rerik genutzt. „Wenn die Reichweite steigt, würden wir auf mehr Elektroautos umstellen“, sagt Eno-Sprecherin Marie-Louise Albrecht. Aber Dienstfahrten führen zum Beispiel oft nach Berlin oder Hamburg. Und das mit den Akkus, wie sie zurzeit eingebaut werden, einfach nicht stressfrei zu schaffen.

Die Tourismuszentrale Warnemünde setzt bereits seit 2014 bei der Reinigung der Promenade auf einen E-Transporter. Der habe sich „sehr bewährt“, vor allem wegen seines geräuschlosen Antriebs. Die RSAG testet seit dem Sommer in Warnemünde auf der Linie 37 einen E-Bus und würde gerne noch mehr einsetzen. Allerdings sind Busse mit Elektroantrieb doppelt so teuer. Auch im Landkreis tut sich etwas:

Rebus könnte sich vorstellen, den Stadtverkehr in Güstrow und Bad Doberan künftig elektrisch zu bestreiten, heißt es auf Anfrage. Noch sei aber nichts Konkretes geplant. Immerhin: Ein erster Elektro-Pkw für Dienstfahrten wurde kürzlich bestellt.

Prämie wirkt nicht

33 Elektroautos waren Anfang des Jahres in Rostock zugelassen, sowie 378 Pkw mit Hybridantrieb. Ihr Anteil steigt, wenn auch langsam. Unter den von Januar bis Ende August erstmals zugelassenen Autos in MV betrug ihr Anteil bereits drei Prozent. Der Staat zahlt eine Prämie von 4000 Euro für E-Mobile und von 3000 Euro für Modelle mit Plug-In-Hybrid. Das habe kaum Anreiz für einen Neukauf geschaffen, stellt der Kfz-Verband MV fest. Landesweit waren Anfang des Jahres 252 Elektroautos zugelassen. Von der viel diskutierten US-Marke Tesla sind 27 Autos in MV angemeldet.

Gerald Kleine Wördemann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Analyse

Heimat - damit plagen sich die Deutschen schon seit mehr als 200 Jahren. Warum wird das ausgerechnet jetzt wieder wichtig? Und können die etablierten Parteien das Thema aus der „rechten Ecke“ holen?

mehr
Mehr aus Rostock

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

DCX-Bild
Fingierter Brandanschlag in der KTV: Beziehungstat?

In einer Wohnung in der Rostocker KTV hat es am Samstagabend gebrannt. Die Polizei wurde wegen eines möglichen Brandanschlages alarmiert. Doch an der Darstellung der Bewohner hat die Kripo erhebliche Zweifel.