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Jäger begegnen der Wildschweinerei

Sanitz Jäger begegnen der Wildschweinerei

Bestände nehmen zu / Verstärkte Jagd nach Maisernte / Vorbereitung auf möglichen Ausbruch afrikanischer Schweinepest / Fuchs und Co. geht es demnächst ans Fell

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Die Wildschweinbestände in Mecklenburg-Vorpommern nehmen seit Jahren zu.

Quelle: Foto: Oz-Archiv

Sanitz. Die Maisernte steht vor der Tür. Dann vertreiben die Häcksler wieder die Wildschweine aus ihren Verstecken und Futterparadiesen, die hierzulande immense Ausdehnungen haben. Auf zwölf Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Mecklenburg-Vorpommern wird Mais angebaut.

„Das Schwarzwild kann sich ungesehen vermehren und richtet in der Landwirtschaft immense Schäden an“, sagt Gerhard Kusch, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Rostock/Hansestadt Rostock. Rund 90 Prozent der Wildschäden würden von Wildschweinen verursacht. „Die Zuwachsraten bei Schwarzwild liegen jährlich bei 350 Prozent“, erklärt Kusch. Nach Angaben des Landes kommen je nach Witterungs- und Ernährungsbedingungen bis zu 75000 Frischlinge in MV hinzu. Etwa 59000 Tiere wurden im Jagdjahr 2016/17 landesweit erlegt.

„Die Bestände müssen reguliert werden“, betont der Verbandschef. Auch vor dem Hintergrund der Afrikanischen Schweinepest, die schon bis an die tschechische Grenze vorgerückt ist. In Osteuropa breitet sich die Tierseuche immer weiter aus, hat schon vielerorts Ställe mit Hausschweinen erreicht. „Die Sterberate infizierter Tiere liegt bei fast 100 Prozent“, sagt Kusch. Menschen könnten sich nicht infizieren. „Aber sie sollten verendete Schweine im Wald nicht anfassen und der Polizei, den Jägern oder Veterinärbehörden melden“, erklärt Kusch. Über Vögel oder Ratten gelange der Erreger schnell in die Nutztierställe.

„Bislang gibt es keine Hinweise auf Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest nach Mecklenburg-Vorpommern“, unterstreicht Landwirtschaftsminister Till Backhaus. „Doch auch hierzulande gibt es wegen optimaler Lebensraumbedingungen einen hohen Wildschweinbestand, der durch eine Einschleppung dieser hochansteckenden Tierseuche in besonderem Maße bedroht wäre.“

Das Land sei auf einen Ausbruch der hochansteckenden Virusinfektion vorbereitet. Verbraucher sind aufgefordert, keine Fleisch- oder Wurstwaren aus dem Ausland mitzubringen. Speisereste sollen in verschließbare Tonnen entsorgt werden, das Füttern von Wildschweinen unterbleiben. Für Landwirte und Hobby-Schweinehalter sind Aufklärungskampagnen und strikte Kontrollen der Hygienestandards in den Ställen vorgesehen. Zudem wurden Maßnahmen zur Reduzierung des stetig anwachsenden Schwarzwildbestandes festgelegt, wozu verstärkte Jagden nach Ende der Erntearbeiten gehören.

Auch Fuchs, Marderhund, Nutria, Waschbär , Nilgans, Rabenkrähe breiten sich aus und werden zur Plage. „Füchse haben in diesem Jahr vielerorts auf Hühnerhöfen geräubert“, berichtet Kusch. Nun geht es dem Räuber ans Fell: Auf dem Bundesjägertag im Juni in Rostock wurde das Projekt „Fellwechsel“ beschlossen. Der Pelz geschossener Raubsäuger wie Füchse, Waschbären oder Marder soll künftig nachhaltig genutzt werden. Bisher wurden die Bälge weggeworfen, nun werden daraus ökologisch hochwertige Pelzprodukte. Im baden-württembergischen Raststatt wird auf Initiative des Deutschen Jagdverbandes eine Abbalgstation in der Wintersaison ihren Betrieb aufnehmen und Felle verarbeiten. „Die Hegeringe, wir haben 18 im Kreisverband, sollen erlegte Tiere sammeln und einfrieren, bis sie abgeholt werden“, erklärt Kusch.

Auch der Wolf sorgt zunehmend für Unruhe in MV, die Zahl der Wolfsattacken auf Nutztiere nimmt zu. Die Population ebenfalls. „Alle drei Jahre verdoppeln sich die Wolfsbestände“, erklärt Kusch.

Derzeit soll es 30 bis 40 Wölfe in MV geben. Die Dunkelziffer sei auf alle Fälle höher. „Wir Jäger sind dagegen, Wölfe zu schießen“, betont der Kreisvorsitzende, „wir schlagen vor, eine Höchstgrenze festzulegen und große Gebiete wie Nationalparks oder ehemalige Schießplätze zu geschützten Wolfslebensräumen zu erklären.“ Jeder Wolf außerhalb solle vertrieben oder „entnommen“ werden.

Ab 4. November nächster Kurs an Kreisjagdschule

Der Kreisjagdverband Rostock/Hansestadt Rostock mit 650 Mitgliedern ist für die Hege, den Erhalt eines artenreichen, gesunden, dem jeweiligen Biotop angepassten Wildbestandes in den Altkreisen Bad Doberan und Rostock-Land und der Hansestadt zuständig. Zur Ausbildung des dringend benötigten Nachwuchses betreibt der Verband eine Jagdschule. Der nächste Lehrgang startet am 4. November in Sanitz. Die praxisnahe Ausbildung erfolgt an etwa 15 Wochenenden.

Anmeldung: frank-sonnenschein@t-online.de

Doris Deutsch

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