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Jagd zwischen den Dörfern: Der Kompromiss pirscht mit

ROGGENTIN Jagd zwischen den Dörfern: Der Kompromiss pirscht mit

24 Jahre lang war Heinz Schmidt im Revier Roggentin unterwegs / Nach 56 Jahren Jagd setzt er sich zur Ruhe / Mit Anwohnern und Spaziergängern kam er stets gut aus

Roggentin. Den Jagdhut setzt er nicht mehr auf, er nimmt nur noch das Basecap vom Haken: Heinz Schmidt war 24 Jahre lang als Jäger rund um Roggentin, Kösterbeck und Fresendorf — einem dichtbesiedelten Gebiet — auf der Pirsch. Jetzt hat er im Alter von 75 Jahren die Jagd abgegeben und seine Waffen verkauft. Die Jagdgenossen — das sind die Besitzer der Jagdflächen — haben seinen Schritt verstanden und seine Arbeit gewürdigt, zumal er gerade in dem sensiblen Bereich seinem Hobby nachging. Dabei ist Schmidt durchaus seine eigenen Pfade gegangen. „Man muss mit den Spaziergängern reden und ihnen vieles erklären“, sagt Schmidt, „ich habe mich mit niemandem hier überworfen.“ Er habe sich „auf die vielen Leute, die es hier im Revier gibt, einfach eingestellt“.

 

OZ-Bild

Heinz Schmidt hat die Jagd in Roggentin aufgegeben. Mit Jagdhündin Ihra darf er weiter im Revier spazieren gehen.

Quelle: Michael Schißler

Der Jäger muss auch das Gespräch suchen.“Heinz Schmidt,

Jagdpächter

Offenbar haben sich die Bewohner rundherum auch auf Schmidt und seine ruhige Art gern eingelassen. Denn der Jäger hing an seinem Revier. „So ein Jagdrevier habe ich mir immer gewünscht“, sagt der gebürtige Ostpreuße, „aus dem Haus gehen und gleich im Revier sein.“ So kennt er es nämlich — von seinem Vater, der war Förster in Gelbensande und lebte eben auch mitten in seinem Revier. „Meinen Vater habe ich schon als zehnjähriger Junge zur Jagd begleitet.“ Später hatte der frühere Getreidekaufmann ein Jagdrevier in der Rostocker Heide und war dort über 30 Jahre lang auf der Pirsch, bis er 1985 nach Roggentin zog und dort jagte. Das hatte seine Vorteile: „Roggentin ist ein reines Feldrevier, da gibt es Hasen, Fasane und Rehwild — aber kein Schwarzwild.“ Und das ist für einen Jäger gut, „wenn ich mir nicht die Nächte im Revier um die Ohren schlagen will“. Dass die Jagd waidgerecht ist, ist für Heinz Schmidt immer noch Maxime: „Ich bin nie ein Trophäenjäger gewesen.“ Auch das mag zu seinem guten Verhältnis zu den Dorfbewohnern beigetragen haben. Auf die Waidgerechtigkeit hat Schmidt ohnehin seinen eigenen Blickwinkel. „Die Jäger sind ja nicht gut angesehen“, sagt der Roggentiner, „und es gibt auch Jäger, die diesen Namen nicht verdienen.“ Wie jene, die auf Schwäne schießen. „Das ist zwar erlaubt“, sagt Schmidt, „aber da muss man sensibel rangehen und die Leute nicht noch provozieren.“ Und eins gibt der alten Jäger den jungen Waidmännern mit auf den Weg: Es reiche nicht allein, den Jagdschein zu machen, „man muss auch einen Mentoren haben, der einen an die praktischen Dinge im Revier heranführt, sonst wird das alles nichts.“ Zwischen seinen Feldern in Roggentin wohnt Heinz Schmidt weiter, schließlich besitzt er dort ein Haus. Von seinen drei Nachfolgern, die nun die Jagd dort ausüben werden, hat er sich eine Begünstigung erbeten: „Ich will weiter mit meinem Hund hier spazieren gehen können.“ Die Nachfolger hatten damit kein Problem:

Jagdhündin Ihra weiß, wie man sich in der Natur benimmt.

Von Michael Schißler

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