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Jugendgewalt: Stadt sagt Hilfe zu

Stadtmitte Jugendgewalt: Stadt sagt Hilfe zu

Erstmals hat sich die Politik mit den Problemen in den Wallanlagen befasst / Senator plant neue Konzepte für Jugendarbeit

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Polizei vor dem Kröpeliner Tor: Seit dem Frühjahr häufen sich diese Szenen. Seit gut zwei Wochen nimmt die Gewalt wieder zu.

Quelle: Fotos: Stefan Tretropp

Stadtmitte. Polizei, Anwohner und auch die Händler in der Innenstadt beschäftigt das Thema schon seit dem Frühjahr. Nun hat sich auch die Stadtpolitik der Sache angenommen: Der Jugendhilfeausschuss der Hansestadt hat am Dienstagabend erstmals über die anhaltenden Probleme mit Jugendlichen in den Wallanlage und rund um das Kröpeliner Tor beraten. Konkrete Ergebnisse gab es aber nicht – nur so viel: „Wir brauchen für dieses Thema ganz neue Ansätze in der Jugendarbeit“, sagte Ausschusschefin Cathleen Kiefer-Demuth (SPD). Rostock will sich unter anderem Rat aus westdeutschen Großstädten holen.

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Erstmals hat sich die Politik mit den Problemen in den Wallanlagen befasst / Senator plant neue Konzepte für Jugendarbeit

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Brennpunkt seit Frühjahr

Seit dem Frühjahr haben sich die Wallanlagen zu dem Brennpunkt der Stadt entwickelt: Jugendgruppen aus der ganzen Stadt kommen dort zusammen. Doch beim Treffen bleibt es nicht: Drogendelikte und Gewalt auf offener Straße sind rund um die Wallanlagen seit Monaten ein Thema. Gleich mehrfach kam es vor den Geschäften an der Kröpeliner Straße zu Schlägereien und sogar Messerattacken. Zuletzt musste die Polizei am vergangenen Freitag einschreiten: Bei einer Schlägerei zwischen jungen Männern wurden insgesamt drei Personen verletzt. Die Täter setzten mitten in der Fußgängerzone, am helllichten Tag sogar Tränengas ein. Schon vor Wochen hatten sich die Händler in den Innenstadt über die Zustände beklagt: Das Auftreten der Jugendlichen und die Auseinandersetzungen seien schädlich für das Image und auch die Wirtschaft der Hansestadt.

Ausschuss sagt Hilfe zu

In der Stadtpolitik wurde die Lage rund um das Kröpeliner Tor über Monate hinweg hingegen gar nicht thematisiert. Erst nach dem Hilfe-Ruf der Händler wurde nun der Jugendhilfe-Ausschuss aktiv – und sicherte seine Hilfe zu. Die Beratung – an der auch Vertreter der Wirtschaft, des Amtsgerichtes und der Polizei teilnahmen – fand allerdings überraschend ohne die Öffentlichkeit statt. Erst danach bezog die Ausschussvorsitzende Cathleen Kiefer-Demuth Stellung: „Wir haben verstanden, vor welchen Problemen die Unternehmen stehen“, sagt sie der OZ. Aber: „Es gibt für dieses Problem keine Patentlösung. Unter den Jugendlichen befinden sich auch solche mit einem besonderen Hintergrund, die anders sozialisiert worden sind.“ Ein Problem sei dabei die „Geschlechter-Komponente“, sagt Kiefer-Demuth: „Das Frauenbild mancher junger Männer erschwert das Ganze zusätzlich. Sie stammen aus einem Kulturkreis, in dem es nicht üblich ist, weibliche Richter oder Polizisten auch als Autorität anzuerkennen.“

Die Jugendlichen zu verdrängen, sei keine Lösung, so Kiefer-Demuth. „Dann suchen sie sich andere Treffpunkte.“ Jugendschützer, Schulsozialarbeiter und auch die freien Träger der Jugendhilfe wollen versuchen, ins Gespräch mit den „Wallanlagen-Kids“ zu kommen. „Wir können uns zum Beispiel Sport- und Musikprojekte für die Jugendlichen vorstellen.“ Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) habe zugesagt, Kontakt mit Großstädten in Westdeutschland aufnehmen zu wollen: „In Köln, Bremen oder auch Düsseldorf gibt es diese Probleme seit Jahren. Für uns in Rostock ist das aber neu. Mit so einer Lage hatten wir noch nie zu tun“, erklärt Kiefer-Demuth. „Wir haben der Verwaltung aber deutlich gesagt, dass sie neue Modelle für die Jugendarbeit entwickeln soll.“

Händler hoffen auf Besserung

Peter Magdanz, Rostocks City- Manager, hat nach der Beratung die Hoffnung, dass sich etwas bewegen wird: „Wir haben den Eindruck, dass die Politik endlich verstanden hat, was uns bewegt.“ Denn bei schlechtem Wetter würden die Problem-Jugendlichen in Richtung Kröpeliner-Tor-Center ziehen. „Wir brauchen darauf eine Antwort der Jugendarbeit. Wenn sich nichts bewegen sollte, werden wir uns wieder zu Wort melden.“

Polizei: Wir bleiben präsent

Sebastian Schütt, Chef der Kripo in der Hansestadt, versicherte gestern, dass die Polizei an der verstärkten Präsenz in der Innenstadt festhalten wolle. Eines habe sich seit dem Frühjahr gebessert:

„Wir stehen jetzt in regelmäßigem Austausch mit der Stadt.“ Die Gruppe der Jugendlichen in den Wallanlagen sei äußerst „heterogen“. Nach OZ-Informationen sind darunter sowohl deutsche Jugendliche, aber auch minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge (die in Obhut der Stadt leben) und Flüchtlingskinder, die bei ihren Familien leben. „Die jungen Menschen kennen sich, verabreden sich zu den Treffen – und auch zu den Auseinandersetzungen“, sagt Kripo- Chef Schütt. Bereits seit Frühjahr gäbe es bei der Kriminalpolizei für diese Fälle eine eigene Ermittlungsgruppe – die EG „Wall“. „Ziel ist es, Täter schnell der Strafverfolgung zuzuführen – damit sie auch die Konsequenzen ihres Handelns spüren.“ Noch in diesem Jahr sollen die ersten Prozesse gegen jugendliche Schläger vor dem Amtsgericht beginnen.

Probleme, dass weibliche Beamte nicht ernst genommen würden, kenne Schütt nicht: „Unsere Kolleginnen haben sich den Respekt der Jugendlichen erarbeitet!“

Andreas Meyer

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