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Jugendgewalt: Vernachlässigt die Stadt ihre Pflichten?

Stadtmitte Jugendgewalt: Vernachlässigt die Stadt ihre Pflichten?

Sozialsenator und Polizei streiten um Umgang mit jungen Flüchtlingen

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Großeinsatz auf dem Doberaner Platz: Vorfälle wie die Massenschlägerei vergangene Woche sollen sich in Rostock nicht mehr wiederholen – darin sind sich die Behörden einig.

Quelle: Foto: Stefan Tretropp

Stadtmitte. Junge Menschen gehen mit Fäusten, Messern und Glasscherben aufeinander los. Mitten in Rostock, unter den Augen von Familien, von Kindern und Senioren: Eine Woche nach dem Gewaltexzess auf dem Doberaner Platz (die OZ berichtete) ist die Debatte um eine neue Welle der Jugendgewalt in der Hansestadt voll entbrannt. Doch zwischen den Behörden droht nun Streit – vor allem um die Frage, ob die Stadt ihre Aufsichts- und Erziehungspflicht für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge ernst genug genommen hat. Der Jugendhilfeausschuss der Bürgerschaft fordert Aufklärung.

24 Minderjährige

waren nach Angaben

der Polizei an den

beiden gewalttätigen

Vorfällen auf dem

Doberaner Platz

und vor dem

Kröpeliner-Tor-

Center beteiligt –

darunter insgesamt

zehn unbegleitete,

minderjährige

Flüchtlinge.

Nach zwei Massenschlägereien vor dem Kröpeliner-Tor-Center und zuletzt auf dem Doberaner Platz hatte Rostocks Polizeichef Michael Ebert bereits vergangene Woche klar Stellung bezogen: Rostock habe es mit einer neuen Form der Jugendgewalt zu tun. Jugendgruppen – darunter auffällig viele Migranten – tragen ihre Konflikte nicht mehr nur mit Worten aus. Und: Einer der Gruppen sollen, so die Polizei, viele Minderjährige angehören, die in Unterkünften und Obhut der Stadt leben. Ebert hatte deshalb mehr Unterstützung seitens der Verwaltung gefordert. Doch dafür gibt es aus Sicht von Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) gar keinen Grund.

„Wenn jemand in diesem Land eine Straftat oder eine Ordnungswidrigkeit begeht, ist das in erster Linie ein Fall für die Justiz – und nicht für die Stadt“, so der Senator. Und außerdem: Bockhahn zweifelt die Aussagen der Polizei an. „Nach unserer Kenntnis war genau ein einziger unbegleiteter minderjähriger Ausländer an den Vorfällen beteiligt. Einer!“ Diese Informationen habe er von den Trägern und auch aus den zuständigen Ämtern erhalten. Die Forderung nach mehr Unterstützung könne er deshalb nicht nachvollziehen: „Offenkundig gibt es keine Probleme mit den minderjährigen Flüchtlingen. Und offensichtlich leisten die Träger der Unterkünfte und Betreuungseinrichtungen gute Arbeit.“

Doch die Zahlen, die Polizei und Staatsanwaltschaft nun vorlegen, sprechen eine andere Sprache: „Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand sieht es definitiv so aus, als wären mehrere Jugendliche an den Taten beteiligt, die in Einrichtungen der Stadt leben oder von der Stadt in Wohnungen betreut werden“, so Harald Nowack, der Sprecher der Rostocker Staatsanwaltschaft. Polizeisprecherin Dörte Lembke nennt sogar konkrete Zahlen: Im Fall der Massenschlägerei vor dem KTC ermitteln die Fahnder gegen insgesamt sechs Personen. „Darunter sind vier Minderjährige, drei davon sind sogenannte unbegleitete minderjährige Ausländer“, so Lembke. Und auch an dem Gewaltexzess auf dem Doberaner Platz stehen junge Flüchtlinge im Fokus: „Wir ermitteln konkret gegen zwei Beschuldigte – beide sind unbegleitete Minderjährige.“ Staatsanwalt Nowack betont aber, dass es sich nicht um einen Konflikt zwischen Deutschen und Migranten handle: „Es geht unserer Ansicht nach um eine Art ,Kräftemessen’ unter Jugendlichen. Die Beteiligten kennen sich allesamt schon länger.“ Es gehe bei den Konflikten unter anderem um junge Frauen. Akzepabel sei die Gewalt deshalb aber nicht.

Die Sicherheitsbehörden haben bereits reagiert: Die Polizei hat ihre Präsenz und ihre Streifen in der Hansestadt verstärkt, bei der Staatsanwaltschaft ist eine Ermittlerin rund um die Uhr für solche Fälle ansprechbar. „Wir wollen die Vorfälle schnell aufklären und ahnden“, sagt Nowack.

Auch der Jugendhilfeausschuss will beraten, was gegen diese neue Welle der Gewalt getan werden kann: „Die Polizei ist ständiges Mitglied im Ausschuss, hat aber seit Jahren nicht mehr an den Sitzungen teilgenommen. Wir wollen helfen, aber dafür brauchen wir konkrete Informationen“, kritisiert Cathleen Kiefert-Demuth (SPD), die Vorsitzende des Gremiums. Ein Weg sei ein verstärkter Einsatz von Streetworkern – Sozialarbeitern, die die Jugendlichen auf der Straße betreuen und ansprechen. „Wir können die jungen Menschen ja nicht einsperren.“ Ausschussmitglied Reinhard Knisch (Grüne) fordert auch von der Verwaltung mehr Auskünfte: „Die Minderjährigen haben Vormünder, die bei der Stadt arbeiten. Die müssen doch auch wissen, was ihre Schützlinge treiben.“

Andreas Meyer

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