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Junge Rostocker wollen legal kiffen

Stadtmitte Junge Rostocker wollen legal kiffen

Für die Freigabe von Cannabis sind am Sonnabend rund 200 junge Leute auf die Straße gegangen

Stadtmitte. „Zeiten ändern sich“ steht auf der Plane am Lautsprecherwagen: Ein Polizist hält ein Hanfblatt in die Höhe. Doch noch sind die Zeiten nicht gekommen. Bevor die Kundgebung zur Legalisierung von Cannabis am Sonnabend am Kröpeliner Tor überhaupt beginnt, kontrollieren Polizisten rauchende Teilnehmer. Michael Knodt, Redner aus Berlin und einer von wenigen hundert Cannabis-Patienten in Deutschland, der Marihuana aus der Apotheke rauchen darf, muss seine Ausnahmegenehmigung vorzeigen.

Das „Hanfbündnis Rostock“ hatte im Rahmen des Global Marijuana Marchs zur Demonstration für die Freigabe von Cannabis aufgerufen. In Hunderten Städten welt- und über 30 Orten bundesweit sind am 7.

Mai Tausende für die Legalisierung dieser Droge auf die Straße gegangen. In Rostock waren etwa 200 junge Leute dem Aufruf gefolgt und mit Transparenten durch die Innenstadt gezogen.

„Der vom Bundeskabinett beschlossene Einsatz von Cannabis als Medizin geht uns nicht weit genug“, sagt Jakob Gericke vom Rostocker Hanfbündnis. „Es gibt zu viele Bestimmungen, Cannabis ist so nur eine absolute Notfallmedikation.“ Die Hanf-Aktivisten fordern, Cannabis freizugeben wie Alkohol, der viel größere gesundheitliche Schäden anrichte und jährlich Tausende Menschen töte. „Natürlich müssen Jugendschutzrichtlinien beachtet, die Abgabe an Altersgrenzen geknüpft werden“, sagt Gericke. Immer mehr Länder würden Cannabis legalisieren oder die Strafen für einfache Konsumenten reduzieren. „Zeiten ändern sich“, sei daher das Motto der Demo.

Die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern setzen sich für den straffreien Besitz von bis zu zehn Gramm Cannabis ein. Ein entsprechender Antrag für eine Bagatellgrenze wie in anderen Bundesländern wurde im Landtag von CDU, SPD und auch den Linken nicht unterstützt, berichtet der grüne Landtagsabgeordnete Johannes Saalfeld den Kundgebungsteilnehmern. „Der Schwarzmarkt blüht, junge Leute werden kriminell, um sich das Zeug zu beschaffen“, sagt Saalfeld. Die Polizei ermittle schon bei der Feststellung geringster Mengen mit einem Riesenaufwand. „Und was passiert: Bei der Staatsanwaltschaft werden alle Fälle bis zu sechs Gramm beerdigt. Diese Arbeit können wir uns sparen“, erklärt Saalfeld unter Beifall der jungen Leute.

Eine riesige Entlastung von Polizei und Justiz sieht auch Phillip Bock, Direktkandidat der Linken für den Landtag, in der offenen Zulassung von Cannabis, das seit 1929 in Deutschland verboten ist.

Die Beschaffungskriminalität fiele weg. „Eine Legalisierung würde außerdem 500 Millionen bis eine Milliarde Euro Mehreinnahmen in die Steuerkassen bringen“, sagt Bock, „Geld, das gut angelegt werden könnte für soziale Angebote und Präventionsarbeit.“ Eine Legalisierung müsse jedoch immer auch mit Aufklärung einhergehen.

Michael Knodt, der Cannabis als Schmerzpatient offiziell einnehmen darf, fordert: „Der Freizeitkonsum muss so reguliert werden, dass es nicht zum Missbrauch kommt.“

Etwa 10000 Rostocker konsumieren, Schätzungen des Hanfbündnisses zufolge, Cannabis. Das wirke entspannend, sagen inzwischen auch Mediziner. „Die Legalisierung von Cannabis wird gesellschaftlich keine negativen Auswirkungen haben. Es wäre eine bessere Alternative als die Elendsdroge Alkohol“, meint zum Beispiel Gernot Rücker, Drogenexperte der Rostocker Universitätsmedizin.

Von Doris Kesselring

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