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Karteikarten-Omi: 5000 Akten und eine alte Schreibmaschine

Südstadt/Hansaviertel Karteikarten-Omi: 5000 Akten und eine alte Schreibmaschine

Vera Harms (88) führte jahrzehntelang die Handkartei der Kardiologie in der Unimedizin — ehrenamtlich / Wichtiges Arbeitswerkzeug dabei: ihre alte Erika-Schreibmaschine

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Arbeitsplatz Küchentisch: An ihrer schweren Schreibmaschine hat Vera Harms 5000 Kartei-Kärtchen aktuell gehalten.

Quelle: Unimedizin

Südstadt/Hansaviertel. Jahrzehntelang ist sie eine Hüterin der Daten in der Kardiologie der Rostocker Universitätsmedizin gewesen. Vera Harms pflegte ehrenamtlich die Handkartei der Patienten mit Herzschrittmachern und Defibrillatoren, kleinen Pulsgebern fürs Herz.

Kartei füllt zwei Fächer in gesichertem Schrank

2 Fächer in einem gesicherten Schrank füllt die von Vera Harms gepflegte Kartei heute. Rund 5000 Patienten-Kärtchen enthält sie.

Längst ist die alte Datensammlung durch die digitale Archivierung abgelöst worden.

1961 fing sie in der Uniklinik an, damals in der Privatsprechstunde eines Professors für Innere Medizin. Mit der Wende wurde der Stellenplan enger — und die umtriebige Dame als Altersrentnerin entlassen. „Dabei hatte ich noch Lust zu arbeiten“, sagt die heute 88-Jährige in ihrer Wohnung in der Rostocker Südstadt. Die Gelegenheit ergab sich in der Kardiologie: „Niemand konnte sich intensiv der Herzschrittmacher- und Defibrillatoren-Kartei widmen“, erzählt Dr. Wolfgang Voß, der heute noch die Schrittmacher-Sprechstunde bestreitet. So übernahm das Vera Harms. „Gut für die grauen Zellen“, sagt sie lächelnd.

Aus ihrem unentgeltlichen Engagement wurden unzählige Jahre. Einmal die Woche kam sie vorbei und holte sich die neuesten Implantationsdaten nach Hause. Unter sorgfältiger Einhaltung der Schweigepflicht, versteht sich. Dann trug sie ihre alte Erika-Schreibmaschine vom Flur in die Küche, legte das Karteikärtchen ein und tippte los. Harms ergänzte die hinzugekommenen Informationen und ordnete die Kärtchen alphabetisch in die Handkartei der Klinik ein.

Zwei ganze Fächer in einem gesicherten Schrank füllt die schwere Kartei im Design vergangener Tage heute. Jüngst ist die alte Datensammlung durch die digitale Archivierung abgelöst worden. Aber die analoge Handkartei hat ihren Nutzen bei Weitem nicht eingebüßt: „Wenn eine Anfrage kommt, welches Gerät ein Patient vor mehr als zehn Jahren eingesetzt bekommen hat, schauen wir einfach in den Unterlagen nach“, sagt Wolfgang Voß. Der Datenschatz ist von 1963 an geführt worden. „Ein unglaublicher Fundus an Informationen, der auch für die Doktoranden heutzutage noch sehr wertvoll ist“, so der Mediziner. Auch wenn Patienten bestohlen wurden oder ihren Schrittmacherausweis auf anderen Wegen verloren hätten, seien die technischen Informationen für den neuen Ausweis in der Handkartei zuverlässig auffindbar; ein neues Dokument könne problemlos ausgestellt werden.

5000 Kärtchen, so hat Wolfgang Voß errechnet, hat die betagte Dame in all der Zeit gepflegt. „Jahraus, jahrein. Fleißig und zuverlässig.“ Sie ist der Unimedizin auch weiterhin eng verbunden. Ein früherer Kardiologie-Professor besucht sie zu jedem Weihnachtsfest in ihrer Wohnung. Fast wäre sie mal in ihrer eigenen Kartei gelandet — als Herzschrittmacher-Patientin. Doch am Ende konnte ihr Arzt Entwarnung geben. „Wäre auch zu lustig gewesen“, sagt Vera Harms.

OZ

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