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Kaum Zinsen: Stiftungen fehlt Geld für den guten Zweck

Stadtmitte Kaum Zinsen: Stiftungen fehlt Geld für den guten Zweck

Stadt will in diesem Jahr Erträge der Otto-und-Clara-Gütschow-Stiftung nicht auszahlen / Andere versuchen, sinkende Kapitalerträge durch Spenden und Sponsoren auszugleichen

Stadtmitte. Das Prinzip von Stiftungen ist einfach: Eine Geldsumme wird fest angelegt — und die Zinserträge werden für Soziales, Bildung, Sport, Kultur oder einen bestimmten Zweck ausgeschüttet. Doch niedrige Zinsen bereiten Probleme. Die städtische Otto-und-Clara-Gütschow-Stiftung soll deshalb für 2017 keine Auszahlungen für „mildtätige Zwecke“ vornehmen, schlägt Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) vor.

 

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Die Förderpreise können seit Jahren nicht mehr von den Erträgen aus dem Stiftungskapital bezahlt werden.“Jochen Bruhn, Richard-Siegmann-Stiftung

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„Wir dürfen das Stiftungskapital nicht anfassen“, erläutert Bockhahn — rund 230000 Euro aktuell. Das Problem: „2017 müssen wir das Geld neu anlegen.“ Angesichts der Zinssituation rechnet der Sozialsenator mit „spürbar weniger Erlösen“. Das merken dann die Sozialvereine. Einige tausend Euro hätten in den vergangenen Jahren beispielsweise die Straßenzeitschrift Strohhalm, die Suppenküche von Wohltat oder die Rostocker Tafel bekommen. Keine großen Summen, räumt Steffen Bockhahn ein, aber für die Vereine wichtig. „Wir werden uns Gedanken machen müssen, wie wir das auffangen.“ Er kann sich gut vorstellen, dass wohlhabende Rostocker oder Unternehmen sich stärker engagieren.

Die Stiftungen seien auf Kapitalerträge angewiesen, sagt auch Katrin Kowark vom Bundesverband Deutscher Stiftungen. Diesem gehören 7000 Stiftungen an, die rund drei Viertel des deutschen Stiftungsvermögens in Höhe von mehr als 100 Milliarden Euro besitzen. Niedrige Zinsen bereiteten schon Probleme, so Kowark. Größere Stiftungen mit mehr Kapital hätten bessere Möglichkeiten, ihr Vermögen zu streuen und auch Risiken einzugehen, um Erträge zu steigern. Andere müssten durch Veranstaltungen und Spenden zusätzliches Geld einnehmen.

Diesen Weg beschreitet in Rostock die Hanseatische Bürgerstiftung, berichtet Schatzmeisterin Silke Grieger. Einnahmen bringe hier der jährliche Bürgerbrunch, dessen Erlös an Projekte in Grundschulen geht. Zwischen 12000 und 18000 Euro verteilt die Bürgerstiftung laut Silke Grieger in jedem Jahr für gute Zwecke. „Die Förderung mit 10000 Euro ist für mindestens zwei Jahre gesichert.“

Neben Spenden fließen derzeit noch Zinserträge. Ob das so bleibt, kann Silke Grieger nicht sagen. „2018 müssen wir das Geld auf dem freien Markt neu anlegen.“ Rund 350000 Euro beträgt das Stiftungskapital der Hanseatischen Bürgerstiftung.

Bei der Richard-Siegmann-Stiftung stand der Vorsitzende Jochen Bruhn bereits 2014 vor dem Problem, das Geld neu anlegen zu müssen. Auch da waren die Zinsen schon niedrig. „Die Förderpreise können seit Jahren nicht mehr von den Erträgen aus dem Stiftungskapital bezahlt werden.“ Mit 3000 Euro ist die Siegmann-Medaille dotiert, und die kommen als Spende von der Rostocker Straßenbahn AG. Das sei bis 2020 vertraglich geregelt, erläutert Bruhn. Dennoch muss die Stiftung sparen — und so falle die Veranstaltung zur Verleihung der Medaille kleiner aus.

Als Verbrauchsstiftung ist die jüngst gegründete Orchesterakademie der Norddeutschen Philharmonie angelegt, mit der junge Musiker gefördert werden sollen. Der Grundstock von 100 000 Euro wird ausgegeben, erklärt Bruhn. Die ersten Akademisten werden bald ausgewählt. Seine Aufgabe sei es nun, so Bruhn, neues Geld für die Stiftung einzuwerben.

Grundschulen können sich noch bewerben

Am 12. Juni um 11 Uhr lädt die Hanseatische Bürgerstiftung zum großen Picknicken in die Innenstadt. Rostocker können mit Familien, Freunden, Arbeitskollegen oder Geschäftspartnern dabei sein. Der Gastgeber mietet einen Tisch für zehn Euro und spendet 75 Euro an die Bürgerstiftung zur Unterstützung kreativer Projekte an Grundschulen. Bewerbungen können Schulen noch einreichen.

• www.buergerstiftung-rostock.de

Von Thomas Niebuhr

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