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Kein Geld, kein Personal: Hilferuf aus Suchtberatung

Stadtmitte Kein Geld, kein Personal: Hilferuf aus Suchtberatung

Über die aktuelle Situation und die finanzielle Belastungsgrenze wurden jetzt Rostocks Politiker informiert / Prävention immer schwieriger

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Alkohol, Tabletten, Internet, illegale Drogen: Vieles kann zu Abhängigkeiten führen.

Quelle: Ove Arscholl

Stadtmitte. Kein Personal und kein Geld, dafür neue Aufgaben: Die Mitarbeiter der Rostocker Suchtberatungsstellen sind ratlos und fordern dringend Hilfe. Da weniger Geld vom Land fließt, würden sie deshalb jetzt mehr Zeit benötigen, um Eigenmittel einzuwerben. „Dafür müssen wir viel Zeit aufbringen. Zeit, die aber für andere Aufgaben fehlen, etwa die Präventionsarbeit“, sagt Jan-Tjark Schimanski, Leiter des Fachdienstes Suchthilfe der Caritas. Mit einem Hilferuf wendet er sich jetzt an die Bürgerschaft und hofft auf Hilfe von der Stadt.

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Über die aktuelle Situation und die finanzielle Belastungsgrenze wurden jetzt Rostocks Politiker informiert / Prävention immer schwieriger

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Rostock ist für drei Suchtberatungsstellen zuständig: Caritas, Volkssolidarität und Evangelische Suchtberatung, jeweils mit drei Stellen besetzt. „Laut Leistungsvereinbarung gab es für alle drei Einrichtungen bis zu 80 Prozent Unterstützung. Land und Stadt haben sich die Summe geteilt. Nur vom Land kommt jetzt anteilig immer weniger Geld“, sagt Schimanski. Vor allem leide darunter die Präventionsarbeit. „Die läuft dementsprechend am schlechtesten, obwohl es einer der wichtigsten Bereiche ist.“ Der Grund: Die Zahl der Süchte steigt. „Zum einen steigt die Zahl der Medienabhängigkeit. Zudem nehmen immer mehr Menschen leistungssteigernde Substanzen. Und es sind erst kürzlich viele neue Drogen auf dem Markt hinzugekommen, obwohl der Trend jahrelang abwärts war“, erklärt der Caritas-Experte.

Er berichtet von Leuten, die schon nach kurzer Zeit gravierende Schäden nach der Einnahme von sogenannten „Legal Highs“ haben und die Beratungsstelle aufsuchen. Sehr bekannt seien dabei Räuchermischungen, die legal verkauft werden. Das bestätigt auch Psychologe Alexander Groppler von der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen. Viele der „Kräutermischungen“ enthalten synthetische Cannabinoide. „Die Wirkungen und Nebenwirkungen sind für Konsumenten oft schwer abzuschätzen“, berichtet der Fachmann. Einzige positive Nachricht: Das seit Jahren vermehrt in Sachsen und Bayern angebotene Methamphetamin „Cristal Meth“ sei bislang in MV nur in sehr geringem Maße aufgetaucht. „Die Fallzahlen in MV liegen bislang noch weit hinter denen der südlichen Bundesländer“, so Groppler.

In den Rostocker Beratungsstellen steige deshalb mit den zunehmenden Beratungsgesprächen auch das Arbeitspensum der Mitarbeiter. Pro Jahr würden sie 600 bis 800 Klienten aufsuchen. Bei den Kontakten zu betroffenen Personen seien es sogar 12 000. „Wir müssen aufpassen, dass auch unsere Mitarbeiter gesund bleiben“, sagt Jan-Tjark Schimanski. Deshalb sein Wunsch: Finanzierungssicherheit und mehr Personal.

Über die aktuelle Situation und die finanzielle Belastungsgrenze hat er bereits die Mitglieder des Gesundheitsausschusses informiert. „Die 80-prozentige Finanzierungshilfe muss bestehen bleiben“, sagt die Ausschussvorsitzende Margit Glasow (Linke). Schwerpunkt hat für sie die Suchtprävention. „Die ist langfristig notwendig. Die Prävention würde uns sonst in den kommenden Jahren auf die Füße fallen“, meint sie. Wenn die Verwaltung den nächsten städtischen Haushalt vorbereitet, werde sie dieses Thema wieder aufgreifen.

Die Stadt bestätigt, dass sie sich stärker als das Land engagiert. Der kommunale Anteil für alle drei Träger beträgt aktuell 272 749 Euro. Da die Suchtprävention ämterübergreifend organisiert sei, sehe das Gesundheitsamt keinen personellen Engpass. Seit 2013 konnte die Stelle der Fachberaterin für Suchtprävention für Kinder und Jugendliche am Gesundheitsamt wieder besetzt werden. Zudem sei das bestehende Personal der drei Suchtberatungsstellen gut ausgebildet. Vor vier Jahren wurden die Mitarbeiter speziell geschult.

Mit gezielten Aktionen — eine findet am 7. April im Audimax unter dem Motto „Was man über Drogen wissen muss“ statt — sollen vor allem Eltern über Designerdrogen, Strafbarkeit und Komasaufen aufgeklärt werden. Vom 30. Mai bis 3. Juni veranstaltet die Stadt zudem die Aktionstage gegen Suchtgefahren.

Zunehmend Frauen suchen Unterstützung

Mitarbeiter in allen Beratungsstellen des Landes sind laut Landesstelle für Suchtthemen MV wurden zum Thema Mediensucht geschult. „Weiterhin gibt es einen anhaltenden Hilfebedarf in diesem Bereich“, sagt Psychologe Alexander Groppler.

Während sich vor knapp zehn Jahren fast nur männliche Betroffene gemeldet haben, suchten in den vergangenen Jahren zunehmend auch Mädchen und Frauen professionelle Unterstützung in den Suchtberatungsstellen.

Von Mathias Otto

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