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Klasse: Schmarler Grundschule holt Integrationspreis

Schmarl Klasse: Schmarler Grundschule holt Integrationspreis

Schuhkette belohnt Projekte, die Gemeinschaft fördern und Defizite abbauen

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Schüler der Grundschule Schmarl mit ihrem Preis. Vorn: Sarah und Noah (beide 9) mit ihrer Klasse 3a.

Quelle: Foto: Frank Söllner

Schmarl. Ihre Startschwierigkeiten merkt man Elisabet (10) heute nicht mehr an: Mit Freunden in der Pause auf dem Schulhof quatschen, ist für sie kein Problem. Vor vier Jahren, als sie eingeschult wurde, war das anders. „Damals konnte ich nicht gut Deutsch sprechen“, erinnert sich die Viertklässlerin. Ihr Vater stammt aus Weißrussland, ihre Mutter aus Kasachstan.

So wie Elisabet geht es fast jedem vierten der 300 Kinder, die die Grundschule Schmarl besuchen. Mädchen und Jungs aus mehr als 20 Nationen werden hier unterrichtet. Viele von ihnen bringen über mangelnde Deutschkenntnisse hinaus weitere Hypotheken mit: Sie stammen aus problematischen Elternhäusern oder Hartz-IV-Familien, sind verhaltensauffällig oder haben mit Lernschwächen zu kämpfen. Die Bildungseinrichtung gilt als Brennpunktschule. Ein Wort, das sie nicht gern höre, sagt Direktorin Martina Kelsch. Es werde ihrer Schule nicht gerecht. Die will Mutmacher sein und Wegbereiter für Kinder, die sonst kaum Chancen auf eine gute Zukunft hätten. Dass ihr das gelingt, hat die Grundschule jetzt schwarz auf weiß: Sie ist gestern als Landessieger mit dem Deichmann-Förderpreis für Integration ausgezeichnet worden.

Mit der Ehrung rückt die Schuhkette Deichmann Vereine, Unternehmen und Schulen in den Blickpunkt, die benachteiligten Kindern den Weg ins Berufsleben ebnen. 19 Anwärter aus Mecklenburg-Vorpommern hatten sich um den Preis bemüht. Die Schmarler haben sich durchgesetzt. Zu Recht, meint Landessozialministerin Stefanie Drese (SPD). Die Grundschule sei ein „Leuchtturmprojekt“ und beweise, dass ein lebenswertes Miteinander verschiedener Nationalitäten trotz individueller Defizite und Sprachbarrieren gelingen kann. Erfolgsgaranten seien die Lehrer. „Man merkt, dass Sie ihren Beruf mit Liebe ausfüllen“, lobte sie bei der gestrigen Preisverleihung. „Was wir für und mit unseren Kindern tun, das tun meine Kollegen und ich aus vollem Herzen“, betonte Martina Kelsch.

Die Schule bietet Hilfen in allen Lebenslagen. Sogenannte Fairplay-Tage setzten ein Zeichen gegen Mobbing und Diskriminierung. Lesepaten sind den Mädchen und Jungs eine Stütze, die sich mit Texten schwertun. Hausaufgabenbetreuer helfen, wenn’s beim Rechnen hapert. In Förderklassen profitieren lernschwache Kinder von der Hilfe leistungsstarker Mitschüler. Bei Streitschlichterkursen lernen Drittklässler, Konflikte selbst und friedlich zu lösen. Ausflüge ermöglichen jenen Schülern, ihre Heimat zu entdecken, deren Eltern sich das nicht leisten könnten. Nach dem Unterricht werden zudem Sport- und Musikkurse angeboten. Wöchentlich stattfindende Kochkurse fördern den Zusammenhalt. Das alles sei nur möglich, weil die Schule viele Partner wie etwa Vereine habe, betonte Martina Kelsch.

„In einer Gesellschaft, die wie unsere immer nach Perfektion strebt, fallen Kinder mit Defiziten schnell durchs Raster“, sagte Silke Janssen vom Deichmann-Förderpreis. Die Schmarler Grundschule setze ein „Zeichen gegen Hoffnungslosigkeit“. Die 17 Lehrer würden den Schülern „mit viel Liebe und Kreativität“ eine echte Perspektive geben und ihnen einen guten Start ins Leben geben. „Sie sehen, was in den Kindern steckt.“

Der mit insgesamt 100000 Euro dotierte Deichmann-Förderpreis wird dieses Jahr zum 13. Mal verliehen. Bereits 2016 konnte Rostock abräumen: Die Staatliche Grundschule am Mühlenteich setzte sich auf Landesebene durch und holte später im Bundesfinale den ersten Preis in der Kategorie „Schulische Präventivmaßnahmen“. Den Sieg und 15000 Euro Prämie brachte den Evershägern ihr spezielles Integrationskonzept für Kinder mit Migrationshintergrund ein. Ob die Schmarler Grundschule ebenso erfolgreich ist, entscheidet sich im November. Dann kürt Deichmann Deutschlands beste Schulen. Dass der Titel abermals nach Rostock geht, daran hat Elisabet keinen Zweifel. Ihre Schule habe ihr nicht nur dabei geholfen, fließend Deutsch zu lernen. „Hier hab’ ich viele Freunde gefunden.“

Schuhhändler fördert vorbildliche Projekte

100 000

Euro – auf diese Summe ist der Deichmann-Förderpreis insgesamt dotiert. Die Auszeichnung wird sowohl auf auf Regional- als auch auf Bundesebene vergeben. Prämiert werden Initiativen, die auf unterschiedliche Weise helfen, Kinder und Jugendliche in Beruf und Gesellschaft zu integrieren. Jeder Landessieger erhält 1000 Euro.

Das Bundesfinale 2017 findet im November statt. Hier wird der Preis in drei Kategorien vergeben. Der Beste jeder Sparte bekommt 15000 Euro.

Mit dem Preis will die Schuhhandelskette Deichmann Arbeitgeber, Schulen, Vereine und öffentliche Initiativen unterstützen, die mit ungewöhnlichen Projekten Arbeitsplätze und Ausbildungsmöglichkeiten für benachteiligte Jugendliche schaffen bzw. Jugendarbeitslosigkeit vorbeugen. Die Auszeichnung wird in diesem Jahr zum 13. Mal vergeben.

Antje Bernstein

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