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Kleiner Chip führt zurück in die Welt der Hörenden

Kröpeliner-Tor-Vorstadt Kleiner Chip führt zurück in die Welt der Hörenden

Seit 1995 werden an der Uniklinik Cochlea-Implantate eingesetzt, seit 2012 gibt es eine Selbsthilfegruppe / Für die Verständigung sind weitere technische Hilfsmittel nötig

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Am Außenohr von Jacqueline Prinz befindet sich der Audioprozessor mit Magnet. Fotos (2): Jürgen Falkenberg

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Aus der Welt der absoluten Ruhe, der Taubheit zurückzukehren in die Welt der Hörenden war über Jahrhunderte unmöglich. Die Entwicklung der Medizin in Verbindung mit den Möglichkeiten der Elektronik brachte für viele Hörgeschädigte die Erlösung: die Versorgung mit Cochlea-Implantaten (CI). Schon 1995 wurden an der Universitäts-Hals-, Nasen- und Ohrenklinik (HNO) erste Implantate eingesetzt. Erst 2012 kam eine kleine Selbsthilfegruppe (SHG) mit acht Teilnehmern zusammen.

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Seit 1995 werden an der Uniklinik Cochlea-Implantate eingesetzt, seit 2012 gibt es eine Selbsthilfegruppe / Für die Verständigung sind weitere technische Hilfsmittel nötig

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„Heute hat die Selbsthilfegruppe 30 Teilnehmer zwischen 35 und 84 Jahren, von denen 15 regelmäßig am zweiten Sonnabend im Monat zusammenkommen. Es sind nicht nur Rostocker. Sie kommen auch aus Ribnitz, Schwerin, Neukloster und aus anderen Orten“, sagt Jacqueline Prinz (38). Sie leitet die SHG seit 2014. Seit 2015 kommt die Gruppe in der HNO-Klinik zusammen, wo auch die medizinische Betreuung und individuelle Beratung erfolgt.

Jacqueline Prinz verlor nach einer Operation 2012 von heute auf morgen das Gehör und erhielt nach mehreren Operationen beidseitig ein Implantat. Als bis dahin Normalhörende musste sie sich in die „taube Welt“ hineinarbeiten. Susann Tröger (56), gelernte Konditorin und Altenpflegerin, von Geburt an gehörlos, bekam 2007 im rechten Ohr ein Implantat. Bei Marlis Höster (60) aus Groß Klein wurde 2011 ein erstes CI eingesetzt. 2015 erfolgte eine Reimplantation. Im Dezember wird auch das linke Ohr mit einem CI versorgt. Sie kamen in die „Hörwelt“ zurück und sind aktive Mitglieder der Selbsthilfegruppe. „Es ist bedauerlich, dass keine Angehörigen von Betroffenen zu uns kommen. Ohne die Unterstützung der Familien ist die Rückkehr in die Welt des Hörens schwierig“, haben sie festgestellt.

„Es gibt auch mit CI beim Hören Einschränkungen“, sagt Jacqueline Prinz. Das Verstehen des „technischen“ Wortes ist am Beginn nicht einfach, vor allem bei Gesprächen in der Gruppe. „Wir haben bei unseren Zusammenkünften eine Ringschleife im Raum ausgelegt. Induktiv wurde über eine T-Spule die Verständigung besser“, sagt sie. Nicht immer hilft dieses weitere Hilfsmittel. Mittels eines Schriftdolmetschers wird das gesprochene Wort sichtbar. Das Prinzip: Die Sprache wird über Internet wie bei einer Telefonkonferenz zum Dolmetscher geleitet. Umgehend kommt die schriftliche Umsetzung auf den Bildschirm zurück. Es ist eine gute, aber teure Hilfe. Ein Projekt, über das der SHG 3000 Euro zuflossen, ist ausgelaufen. Die Kassen zahlen diese Erleichterung nicht. Nun werden Sponsoren gesucht, denn eine Zwei-Stunden-Verbindung kostet 110 Euro. „Viele Hilfestellungen gibt die SHG. Was tue ich im Notfall? Möglichkeiten des Telefonierens. Welche Hilfsmittel gibt es? Wie erhöhe ich die Sicherheit im Geräteumgang?“, zählt Jacqueline Prinz auf. Sie hat festgestellt, dass durch den Erfahrungsaustausch und das Ausprobieren der Produkte in der Gruppe bei CI-Trägern die Hemmschwelle abgebaut wird. Auch der enge Kontakt zum Rehazentrum in Güstrow hat sich für die Mitglieder förderlich ausgewirkt.

3500 Patienten jährlich

3500 Patienten in Deutschland bekommen jährlich ein Cochlea-Implantat. Die Nutzung erfolgt in mehr als 90 Ländern bei Kindern und Erwachsenen. 1975 begann die Entwicklung, 1977 erfolgte die erste Implantation in Wien. Bei schwerem bis völligem Hörverlust durch Funktionsunfähigkeit der Ohrschnecke (Cochlea) mit ihren Haarzellen ist bei intaktem Hörnerv eine Implantation möglich. Das Implantat mit Elektronik, Empfangsspule und Elektroden wird hinter dem Ohr eingesetzt. Der äußere Audioprozessor wird hinter dem Ohr getragen.

Jürgen Falkenberg

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