Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Kleingärtner zwischen Wut und Entsetzen

Gartenstadt/Südstadt Kleingärtner zwischen Wut und Entsetzen

Tausende Parzellen sollen Rostocks neuem Stadtteil weichen / Die Betroffenen fordern Antworten von der Stadt

Voriger Artikel
Kleingärtner kritisieren Rostocks Pläne
Nächster Artikel
Schlepper „Wega“ öffnet für Besucher

Lohnt sich das überhaupt noch? Dieter Voß (67) brachte seinen Kleingarten am Damerower Weg gestern dennoch auf Vordermann.

Quelle: Ove Arscholl

Gartenstadt/Südstadt. Eigentlich wollten die Mitglieder des Kleingartenvereins „Damerow“ gestern richtig schön feiern. Immerhin feiert ihre Anlage in diesem Jahr 70.

 

OZ-Bild
OZ-Bild

Wir wollen klare Aussagen von der Stadt.“Christian Seifert, Kleingartenverband

Quelle:
OZ-Bild
OZ-Bild

Wir wollen klare Aussagen von der Stadt.“Christian Seifert, Kleingartenverband

Quelle:

Geburtstag. Und viele Gründe zum Klagen gibt es auch nicht: Leerstand gibt es am Damerower Weg kaum, freie Parzellen sind vor allem bei jungen Familien immer begehrter. Doch eine Nachricht vermieste den Kleingärtnern gestern trotzdem die Feierlaune: Die Anlage „Damerow“ soll in einigen Jahren komplett platt gemacht werden. So steht es jedenfalls in den vertraulichen Planungen der Stadtverwaltung, die von der OZ am Mittwoch enthüllt wurden. Laut den Unterlagen sollen die Anlage „Damerow“ und Tausende weitere Gärten dem neuen Stadtteil „Groß-Biestow“ weichen.

„Diese Pläne sind für uns ein Schlag ins Gesicht“, sagt Robert Kröger. Der 40-Jährige ist Vorsitzender des Kleingartenvereins „Damerow“ und zugleich stellvertretender Landeschef der Kleingärtner.

„Dieser Geburtstag hat einen ganz faden Beigeschmack.“ Viele Kleingärtner seien verunsichert: „Unsere älteren Mitglieder fürchten um das, was sie sich hier in Jahrzehnten aufgebaut haben. Ebenso schlimm sind diese Pläne aber für die jungen, die gerade erst angefangen haben und nicht mehr wissen, ob sich ihr Einsatz überhaupt lohnen wird.“

Seine Mitglieder geben sich aber bereits kämpferisch – Herbert Mews (80) zum Beispiel: „Meine Eltern haben ihren Garten hier im Jahr 1947 bekommen. Ich habe den übernommen. Und solange ich noch krabbeln kann, werde ich in meinem Garten bleiben.“ Seine grüne Oase sei ihm heilig: „Hier habe ich Beschäftigung und Erholung.“ Natürlich müsse Rostock sich entwickeln, sagt Holger Kugelberg (70).

Und auch neuer Wohnraum müsse her: „Aber dafür kann die Stadt doch nicht Tausende Kleingärten platt machen. Sollen unsere Enkel in Betonwüsten aufwachsen?“ In zwei Jahren wählt Rostock eine neue Bürgerschaft: „Und die Kleingärtner sollten sich genau überlegen, wen sie dann wählen.“

Christian Seifert, Vorsitzender des Rostocker Dachverbandes der Kleingärtner, ist vor allem über die Art und Weise des Umgangs mit den Kleingärtnern enttäuscht: „Dass auch wir unseren Beitrag zur Stadtentwicklung leisten müssen, wissen wir. Und wir sind auch bereit unser Opfer dafür zu bringen – indem wir auch auf Anlagen und Kleingärten verzichten.“ Die Dimension ist aber das Problem – und die Kommunikation der Stadt: „Das Telefon bei uns stand heute nicht still. Wir brauchen von der Stadt klare Ansagen – wie viele Gärten sollen genau weg und wann sollen sie weg.“ Erst vor zehn Tage habe Seifert mit Vertretern des Amtes für Stadtentwicklung zusammengesessen. „Da hätten man uns vorwarnen können.“ Für den 24. Oktober habe die Rathaus-Spitze den Kleingartenverband nun zum Krisengespräch eingeladen.

Die meisten Kleingärten in der Hansestadt befinden sich auf Land, das der Stadt, der Hafengesellschaft Hero oder der Kirche gehört. „Dennoch ist es für die Eigentümer nicht so leicht, die Verträge von heute auf morgen zu kündigen“, sagt Seifert. In jedem Fall müssten die Kleingärtner entschädigt werden. Nach OZ-Informationen will die Stadt eine „Ablöse“ 40 Prozent über dem Marktwert zahlen.

Rostocks Pläne für „GroßBiestow“ sorgen auch im sozialen Netzwerk Facebook für Diskussionen. Die Leser reagieren unterschiedlich auf die Idee.

Saskia Leesch: Die Pläne sind schon interessant, jedoch ziemlich unfair gegenüber den Gartenbesitzern. Es sollten andere Lösungen gefunden werden, es gibt mehr als genug freie Flächen für den Wohnungsbau.

Maria Eggert: Es ist nicht nur ein Garten, sondern für viele auch ein Rückzugsort Dann gibt es ja bald gar keine Gärten mehr. Sehr traurig.

Dagmar Kurbjuhn: Ja, schade um die Gärten, aber vielleicht planen sie ja auch einen schönen Park. Aber endlich kommt mehr Wohnraum für diese tolle Stadt.

Andreas Böckler: Diese Zentralisierung ist nicht der richtige Weg.

Benjamin Schwarz: Sehr schön! Hoffentlich entspannt sich dann der Wohnungsmarkt in Rostock bald.

Brit Donatin-Ritter: Bis da etwas passiert, gehen Jahre ins Land, also keine Angst. Oder ist das Werftdreieck schon bebaut?

Gerold Schwarz: Rostock wird von diesem Vorschlag nur profitieren.

Victoria Meißner: Ich finde es wunderbar zu sehen, wie diese Stadt an Attraktivität gewinnt. Ihr könnt stolz sein, in Rostock zu wohnen, liebe Rostocker. Ich hoffe, es verschlägt mich auch bald zu euch, dazu müssen aber eure Löhne noch angemessen werden.

Andreas Meyer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel

Heute entscheidet die Bürgerschaft, ob das Tochterunternehmen Sophi gegründet werden darf / OZ zeigt, was dafür und dagegen spricht

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Rostock
Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
Oceansport: Rekordbeteiligung beim 7. Ostseecup

SV Breitling lädt ein zum Wellenreiten von Kühlungsborn bis Warnemünde