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Kneipenwirtin schlägt „Martin Schulz“

Stadtmitte Kneipenwirtin schlägt „Martin Schulz“

Beim Planspiel „Demokratie live“ probieren sich Rostocks Schüler als Kommunalpolitiker aus

Stadtmitte. Was für eine vernichtende Niederlage: Martin Schulz patzt bei der Wahl. Und wie. Statt ihm ergreift Kneipenwirtin Elli – eine gestandene CDU-Frau – die Macht.

Die Blamage ist perfekt, denn für Schulz hat’s noch nicht mal zum Vize gereicht. Für die SPD aber kein Grund zur Panik: Der gescheiterte Martin ist nämlich nicht ihr vielumjubelter Kanzlerkandidat, sondern Schüler an Rostocks Käthe-Kollwitz-Gymnasium und heißt im echten Leben Leo Radloff. Im Planspiel „Demokratie live“ hat er sich Schulz’ Namen geschnappt und ist damit in den Wahlkampf gezogen.

Gut 20 junge Leute aus verschiedenen Schulen Rostocks ergründen seit gestern im Rathaus, wie Demokratie und Kommunalpolitik funktionieren. Nicht etwa mit staubtrockener Theorie, sondern mit Praxis, die Spaß bringt. „Die Politikverdrossenheit ist auch unter Jugendlichen groß. Wir wollen etwas dagegen unternehmen“, sagt Anna Gündüz, Vorstandsvorsitzende des Stadtschülerrates. Die Jenaplan-Schülerin hat das Planspiel in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung organisiert. Wo sonst die Bürgerschaftsausschüsse tagen, buhlen die Schüler um das Bürgermeisteramt von Wattenburg. Das fiktive Kaff ist Schauplatz ihres Rollenspiels. Das Drehbuch dazu schreiben die Schüler selbst: Fraktionen, Parteiprogramme, Biografien der Spitzenkandidaten – mit solchen Details füllen sie die Rahmenhandlung, die ihnen Robert Hein vorgibt, mit Leben. Hein ist quasi Regisseur des Politiktheaters, inszeniert es im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Rostocker Stadtschülerrates. „Mit dem Planspiel wollen wir zeigen, dass Demokratie vom Mitmachen lebt und dass Populismus keine Antworten auf Sachfragen liefert“, sagt der Politikberater. Im Wahlkampf geht’s zur Sache: Bei der TV-Talkrunde muss sich Schulz alias Leo Radloff von Paul Thaler (Paul Demke), einem seiner vier Kontrahenten, einiges gefallen lassen. „Sie reden sich Ihre Politik schön“, wirft ihm der dem UFR-Bürgermeisterkandidaten vor. Auch die Presse geht den fiktiven Schulz hart an: Das Wattenburgblatt kommentiert jede Geste, jedes Zögern, jedes noch so kleine Zittern in der Stimme live – via Kurznachrichtendienst Twitter (Hashtag #makewattenburggreatagain). „Gebt’s euch, aber seid fair dabei“, mahnt Spielleiter Robert Hein. Er ist begeistert davon, wie sehr die Schüler in ihren Rollen aufgehen. „Sie sind total engagiert, haben gute Ideen und machen das toll.“

Für den Fake-Schulz zahlt sich der Einsatz allerdings nicht aus: Er muss sich Elisabeth Kreimer alias Anna Gündüz geschlagen geben. Die ist heute erneut gefordert – beim zweiten Teil des Planspiels:

Am Vormittag versuchen Wattenburgs frisch gewählte Ratsmitglieder, konkrete Lösungen für kommunale Probleme wie Schulden, fehlende Bildungsangebote und eine zunehmend überalterte Dorfgemeinschaft zu finden.

Dass sich Rostocks Schüler freiwillig und sogar am Wochenende mit Politik befassen, verdiene großes Lob, meint Planspielleiter Robert Hein. Er hofft auf viele Nachahmer. Zum Wohle der Demokratie. „In Zeiten von zunehmendem Populismus dürfen wir uns nicht wegducken und Hasspredigern das Feld überlassen.“

Antje Bernstein

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