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Schutow Kollegen helfen bei Suche im Heuhaufen

Christine Heuer hat Blutkrebs und braucht einen Stammzellspender / Firma übernimmt Kosten für Registrierung

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Die Kollegen unterstützen Christine Heuer (Mitte) bei der Suche nach einem Stammzellspender und lassen sich typisieren.

Quelle: Ove Arscholl

Schutow. „Meine Zeit wird knapp“, sagt Christine Heuer. Die Rostockerin hat eine schwere Leukämie und braucht dringend eine Stammzellspende. Doch ihr „spezieller Heuhaufen“

 

OZ-Bild

Sylvia Horack geht es gut nach der Transplantation.

Quelle: privat

sei so groß, „trotz drei Jahren intensiver Suche wurde bisher kein passender Spender gefunden“. Nun hat sich die 49-Jährige mit einem Aufruf an ihre Kollegen der Rheinmetall Technical Publications GmbH gewandt: „Falls ihr es noch nicht seid, werdet Stammzellspender.“

Die Kollegen ließen sich nicht lange bitten. „Eine halbe Stunde nach Aushang haben sich schon zehn Mitarbeiter gemeldet“, freut sich Matthias Ziller, Chef der Rostocker Betriebsstätte, die 22 Kollegen zählt. Insgesamt sind alle 205 Mitarbeiter des Unternehmens aufgerufen. „Die Firma unterstützt das Ansinnen, spendet für jeden Kollegen, der sich typisieren lässt, die Registrierungskosten von je 40 Euro“, berichtet Ziller, der sich selbst im August letzten Jahres für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren ließ.

Vier Wochen zuvor hatte er die Leitung des Rostocker Betriebes übernommen, der Bedienungsanleitungen, Service- und Wartungshandbücher für verschiedene Technologien erstellt. Als er vom Schicksal seiner Mitarbeiterin erfuhr, habe er sofort reagiert. „Jede Geschichte braucht ein Gesicht“, erklärt der 39-Jährige. Mit der technischen Redakteurin habe er vereinbart, dass sie, je nach gesundheitlichem Befinden, zur Arbeit kommen oder auch pausieren kann.

Gerade verschlechtert sich der Zustand von Christine Heuer zusehends. „Ich merke, dass ich kaum noch belastungsfähig bin, ständig müde, schlapp, erschöpft“, erzählt die 49-Jährige. Im September 2010 wurde bei ihr Primäre Myelofibrose diagnostiziert, eine bösartige Erkrankung des Knochenmarks. „Vereinfacht gesagt, stellt mein Knochenmark die Blutproduktion ein“, erklärt sie. Keine fünf Jahre Lebenszeit prophezeiten ihr die Ärzte. Mehr noch: „Wahrscheinlich schaffen Sie die auch nicht und versterben vorher an den Folgen einer Akuten Myeloischen Leukämie. Wenn die ausbricht, haben Sie nur noch Tage, keine Wochen“, erinnert sich Christine Heuer an die schlimmen Worte des Arztes.

In den nächsten zwei Jahren verschlechterte sich ihr Zustand dramatisch. Erschöpfung, Fieberattacken, Schweißausbrüche... Immunsystem und Blutwerte stürzten ab. Und dann kam die Hiobsbotschaft:

„Übergang in eine akute Leukämie, die ersten Krebszellen waren im Blut“, sagt die Rostockerin. Ihre Überlebensprognose schrumpfte auf maximal sechs Monate. Als Sofortmaßnahme wurde ihr ein nagelneues Medikament verordnet und die weltweite Suche nach einem Spender gestartet. „So bekam ich drei Jahre Aufschub“, sagt sie heute. Doch nun lässt die Wirkung nach, ein bestimmter Blutwert ist erreicht, das Medikament muss abgesetzt werden — „und dann falle ich innerhalb kürzester Zeit wieder auf den Stand von 2012 zurück“, weiß die Blutkrebs-Patientin. „Wie gesagt, meine Zeit wird knapp. Helft mir zu leben“, wendet sich die zweifache Mutter nicht nur an ihre Kollegen.

Die DKMS unterstützt Christine Heuer mit einem Flyer und einem eigens für sie eingerichteten Spendenkonto. „Eine Stammzelltransplantation ist für die Patienten oft die einzige Überlebenschance“, sagt DKMS-Sprecherin Sonja Krohn. Mindestens 18 in der Datei registrierte Menschen spenden täglich Stammzellen. „So konnten seit 1991 schon mehr als 54 000 Mal Spender Leben retten“, so Krohn.

Auch Sylvia Horack aus Rostock hat ihren genetischen Zwilling gefunden. Vor zwei Wochen war die Stammzelltransplantation. „Alles ist super gelaufen, mir geht es gut, und in der nächsten Woche kann ich die Klinik vielleicht schon verlassen“, erzählt die 39-Jährige, für die unter dem Motto „Der Norden für Sylvi“ am 27. Februar in Rostock eine große Typisierungsaktion stattfand, bei der sich 1134 potenzielle Spender registrieren ließen. „Ich drücke Frau Heuer ganz fest die Daumen“, sagt Sylvi.

Registrieren lassen

Alle 15 Minuten erhält ein Mensch in Deutschland die niederschmetternde Diagnose Blutkrebs. Nur ein Drittel der Patienten findet innerhalb der Familie einen geeigneten Spender. Der Großteil benötigt einen nicht verwandten Spender. Die Wahrscheinlichkeit diesen zu finden, liegt bei 1 zu 20 000 bis 1 zu mehreren Millionen. Mit einem Wattestäbchen helfen — ein Registrierungsset kann unter www.dkms.de angefordert werden. Auch Geldspenden helfen: DKMS Spendenkonto, IBAN 64641500200000255556, BIC SOLADES1TUB, Kennwort: Christine

Von Doris Kesselring

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