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Kommunale Waldbesitzer fordern mehr Unterstützung

Warnemünde Kommunale Waldbesitzer fordern mehr Unterstützung

Fachausschuss tagt in Rostock / Leistungen würden bisher nicht honoriert

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Forstamtsleiter Jörg Harmuth an der großen Holztafel in Hinrichshagen, die seit April auf Rostocks Stadtwald hinweist.

Quelle: Foto: Ove Arscholl

Warnemünde. Elf Millionen Hektar Wald gibt es in Deutschland und rund ein Fünftel davon gehört den Städten und Gemeinden. Die verdienen zwar Geld mit dem Holzverkauf, doch oft ist die Bewirtschaftung durch viele zusätzliche Aufgaben ein Zuschussgeschäft. Bisher gratis erbrachte Dienstleistungen möchten die kommunalen Spitzenverbände künftig honoriert haben. Das ist eine der zentralen Forderungen in Richtung der zukünftigen Bundesregierung, die gestern bei einer Tagung in Warnemünde gestellt wurde.

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Fachausschuss tagt in Rostock / Leistungen würden bisher nicht honoriert

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Zum ersten Mal trifft sich der Forstausschuss „Deutscher Kommunalwald“ in Rostock, organisiert sind dort Vertreter des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, des Deutschen Landkreistages sowie des Deutschen Städtetages. „Der freie Zutritt in den Wald wird als selbstverständlich angesehen, doch bei den Kosten wird der Waldbesitzer allein gelassen“, sagt der Vorsitzende Winfried Manns vom Städte- und Gemeindebund (DStGB). Leistungen, die für Sport, Freizeit, Erholung und Gesundheit erbracht würden, hätten einen großen ökonomischen Wert, sie tauchten aber in keiner Bilanz auf.

Ute Kreienmeier, Referatsleiterin beim DStGB, erinnerte daran dass der Staatsforst mit rund 150 Hektar pro Jahr durch die Landeshaushalte gestützt werde, in kommunalen Wäldern kommen durchschnittlich gerade mal vier Euro an Förderung an. In vielen Gemeinden hätte sich der Waldbesitz zum Zuschussgeschäft entwickelt. „Der Holzverkauf reicht nicht immer aus“, sagte Winfried Manns.

Eine konkrete Summe, wie hoch eine Förderung durch Bund und Länder sein könnte, wollte er nicht nennen. Manns versteht das Ganze eher als grundsätzlichen Appell.

Im vergangenen Jahr zahlte jeder Rostocker pro Jahr 3,97 Euro für seinen Wald aus der Stadtkasse, rechnete Forstamtsleiter Jörg Harmuth im letzten Waldbericht vor. Mit annähernd 6000 Hektar besitzt Rostock den fünftgrößten Stadtwald in Deutschland – nach Berlin, Brilon im Sauerland, Augsburg und Baden-Baden. Der Wald sei seit Jahren mehr Ökodienstleister als Wirtschaftsbetrieb. „Die Stadt tut eine ganze Menge dafür“, um die Rostocker Heide als Erholungsraum erlebbar zu machen. „Der Wunsch, Wald für alle wird bei uns seit Jahren gelebt.“ Genau das verursache jedoch zusätzliche Kosten.

Rostocks Umweltsenator Holger Matthäus (Bündnis 90/Grüne) würde sich wünschen, dass beispielsweise der Bau von Wegen im Stadtwald stärker gefördert würde. Matthäus verweist auch auf die Klimafunktion des Waldes als Sauerstoffproduzent und Wasserspeicher. Sollte es jemals zu einem festgelegten Kohlendioxid-Handel kommen, würde sich Matthäus wünschen, dass die Waldbesitzer für die Leistungen ihrer Bäume angemessen finanziell beteiligt würden. Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) bringt einen bundesweiten „Waldwasserpfennig“ ins Gespräch, um Leistungen der Waldbesitzer zu finanzieren.

Schließlich kämen im Land inzwischen 30 Prozent des Trinkwasser aus Reservoirs in den Wäldern.

Till Backhaus verwies darauf, dass das Land schon jetzt die kommunalen Waldbesitzer unterstütze. Große Bereitschaft zusätzliches Geld in die Hand zu nehmen, zeigte der Minister gestern jedoch nicht.

Auch wenn Till Backhaus die Forderung der Kommunen durchaus unterstützt. „Die Gratisleistungen des Waldes müssen stärker berücksichtigt werden.“ Seine Funktion für Fitness und Gesundheit könne gar nicht hoch genug bewertet werden.

Die Leistungen der kommunalen Waldbesitzer seien auch im Bonner Bundeslandwirtschaftsministerium erkannt worden, sagte Axel Heider, der dort die Abteilung Forstwirtschaft leitet. „Gebraucht werden Millionenbeträge.“ Die Frage sei allerdings, ob sich die neue Bundesregierung beteiligt. Seit 1975 regelt das Bundeswaldgesetz das freie Betretungsrecht. An den Waldeingängen Kassenhäuschen aufzustellen, um so die Kosten für die Waldnutzung einzuspielen, das wollte gestern niemand. Immerhin besuchen 55 Millionen Menschen in Deutschland mindestens einmal im Jahr einen Wald.

Rostock bewirtschaftet fast 6000 Hektar Wald

3,97 Euro zahlte 2016 jeder Rostocker über die Stadtkasse für den Wald, rechnet Forstamtsleiter Jörg Harmuth vor. Aktuell bewirtschaftet er mit 21 Mitarbeitern eine Fläche von 5974 Hektar. 48 Prozent des Waldes besteht aus Nadel-, 52 Prozent aus Laubbäumen. Bis zu 16000 Festmeter Holz werden jährlich geschlagen. Das Stadtforstamt steigerte 2016 die Erlöse im Holzverkauf von geplanten 310000 auf 511000 Euro. 87 Kilometer Hauptwege stehen Radfahrern und Fußgängern zur Verfügung.

Thomas Niebuhr

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