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Komödiantisches Spiel in alter Koserower Feldsteinkirche

Komödiantisches Spiel in alter Koserower Feldsteinkirche

Für die Veranstaltungsreihe „Klassik am Meer“ wird das evangelische Gotteshaus auf der Insel Usedom ab Mittwoch wieder zur Theaterbühne

Argan ist krank. Oder zumindest bildet er sich das ein. Allen Anordnungen der quacksalbernden Ärzte unterwirft er sich, egal wie absurd sie erscheinen. Ohne diese eingebildete Krankheit würde Argan, ein gutmütiger Hausvater sein. So aber wird er zum Tyrannen in seiner Familie, während Doktoren und Apotheker ihn übers Ohr hauen.

Mit der Komödie „Der eingebildete Kranke“ des französischen Dramatikers Molière (1622-1673) startet „Klassik am Meer“ in Koserow auf Usedom am Mittwoch in die 18. Spielsaison. In der evangelischen Kirche des Seebades werden an 23 Abenden bis in den September hinein verschiedene Klassiker der Weltliteratur interpretiert.

„Das Stück wurde vor 300 Jahren geschrieben. Es ist aber immer noch aktuell“, erklärt der künstlerische Leiter der Veranstaltungsreihe, Jürgen Kern. „Der Glaube an die Medizin ist auch heute groß, doch gleichzeitig betreibt die Pharmaindustrie ihre lukrativen Geschäfte mit der Gesundheit der Menschen“, so der Theatermann.

Seit 18 Jahren gehören die Aufführungen, bei denen klassische und moderne Weltliteratur dargeboten werden, zu Koserow. „Klassik am Meer ist ein Zugewinn für den Ort“, sagt der 76-Jährige. „Viele Seebäder locken mit Sonne, Strand und Meer – aber ein eigenes Ensemble, das können nicht viele andere bieten.“ Unter den Schauspielern sind unter anderen die an den Berliner Bühnen etablierten Mimen Peter Bause, Ulrich Müller-Hönow und Laurine Betz.

In „Der eingebildete Kranke“ spielt Peter Bause die Hauptrolle – den Argan. Dieser möchte mit einer List seiner habgierigen Frau und den Ärzten auf die Spur kommen. „Peter Bause besitzt das nötige komödiantische Talent, um das Publikum in seinen Bann zu ziehen“, ist Kern überzeugt. „Über sein Spiel können die Zuschauer sicherlich schmunzeln.“

Neben Molières Komödie können sich die Besucher unter anderem auch auf die Inszenierungen von Gotthold Ephraim Lessings (1729-1781) Werk „Emilia Galotti“ und Wilhelm Hauffs (1802-1827) „Das Wirtshaus im Spessart“ freuen. Außerdem werden beispielsweise Gedichte von Heinrich Heine (1797-1856) vorgetragen.

Als Theaterbühne dient jeweils von Donnerstag bis Sonnabend die etwa 760 Jahre alte Feldsteinkirche Koserows. 140 Plätze bietet das Gemäuer, in dem sonntags weiterhin Gottesdienste stattfinden.

„Als ich in meinem Urlaub vor 18 Jahren an dem Gotteshaus vorbeifuhr, dachte ich mir sofort, dass es ideal zum Theaterspielen ist“, erklärt Kern. Die Kirche ist klein und erscheint intim, sodass sie wie ein Kammertheater wirkt. „Die Atmosphäre und die Akustik sind zudem in dem Gemäuer sehr gut“, verdeutlicht der Schauspieler und Regisseur.

Die Idee – hier Theater zu spielen – stieß beim Evangelischen Pfarramt auf Zustimmung. Hugo von Hofmannsthals (1874-1929) „Jedermann“ war das erste Theaterstück, das in dieser Kirche aufgeführt wurde.

„Ich bin froh über die Offenheit und das Vertrauen der Pastorin Bettina Morkel“, sagt Kern. „Denn nicht jede Komödie eignet sich, um in einem derartigen Raum gespielt zu werden.“

Ann-Christin Schneider

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