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Kuckuck am Eisbrecher: „Stephan Jantzen“ beschlagnahmt

Stadthafen Kuckuck am Eisbrecher: „Stephan Jantzen“ beschlagnahmt

Großer Schuldenberg aufgelaufen / Stadt treibt als Gläubiger Zwangsversteigerung des Schiffes voran / Verein Technische Flotte übernimmt Sicherung

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Eisbrecher „Stephan Jantzen“ ist beschlagnahmt

Der Eisbrecher ist innen und außen verwahrlost.“ Michael Egelkraut, Verein Technische Flotte

Stadthafen. Stolz liegt Deutschlands größter, 2005 außer Dienst gestellter Eisbrecher „Stephan Jantzen“ im Rostocker Stadthafen. Das Schiff ist ein beliebtes Fotomotiv, ein Touristenmagnet an der sonst eher verwaisten Kaikante. Doch am Eisbrecher klebt der „Kuckuck“, der Obergerichtsvollzieher des Amtsgerichtes Rostock hat das Schiff beschlagnahmt und ein Zutrittsverbot ausgesprochen. Das geschah am 24. Februar. Zuvor hatte die Hansestadt die Reißleine gezogen. Liegeplatz- und Schiffssicherungskosten waren jahrelang nicht bezahlt worden, weil sich zwei Parteien vor Gericht um das Eigentum am Eisbrecher streiten.

Im November 2015 hatte das Amtsgericht Heidelberg letztlich dem Amerikaner Paolo Zampolli das Schiff zugesprochen. Eine Entscheidung, gegen die Widersacher Kai Gunther Lehmann aus Heidelberg Berufung eingelegt hat. Auf eine Fortsetzung des jahrelangen Hickhacks der angeblichen Schiffsbesitzer hat die Stadtverwaltung keine Lust mehr. „Wir haben beide Parteien mehrfach angeschrieben, die Kosten zu begleichen“, sagt Hafenkapitän Gisbert Ruhnke. Nun seien zu viel Schulden aufgelaufen, „wir mussten handeln“.

Als Hauptgläubigerin strebt die Stadt an, die Außenstände über eine Zwangsversteigerung einzutreiben. Über die Höhe macht der Hafenkapitän keine Angaben.

Bei einer Schiffsbegehung gleich nach der Beschlagnahme wurde festgestellt, dass der Eisbrecher nicht wie erforderlich gesichert, kein Wachbuch geschrieben wurde und Wassereinträge im Schiffsinneren zu verzeichnen waren. Anlass genug für die Stadt, die Sicherung des Schiffes, für die bis dato die Societät maritim zuständig war, neu auszuschreiben.

Ab 1. März hat nun der Verein Technische Flotte Rostock die Bewachung übernommen. Der Verein hatte bis 2012 die „Stephan Jantzen“ betrieben und sich 2014 ein neues Vereinsschiff, den Schlepper „Petersdorf“, zugelegt, der direkt am Bug des Eisbrechers seinen Liegeplatz hat. „Wir machen täglich zwei Kontrollen auf der Jantzen“, sagt Vereinsvorsitzender Michael Egelkraut. Der Sicherungsauftrag laufe zunächst bis 31. August. „Mit Verlängerungsoption bis Jahresende“, erklärt Egelkraut. Bis dahin solle das Schiff einer Verwertung zugeführt werden. Ob dies Verschrottung bedeutet, vermag niemand zu sagen. Den Schrottwert beziffert Egelkraut auf etwa 200000 Euro, abzüglich Verschleppungskosten und Asbestent-

sorgung.

„Der Eisbrecher ist innen und außen völlig verwahrlost“, berichtet Egelkraut. Der Reparaturstau sei sehr, sehr hoch. Kleinere Reparatur- und Sanierungsarbeiten habe seine ehrenamtliche Wachcrew schon vorgenommen, zum Beispiel dafür gesorgt, dass wieder Licht an Bord ist und die Pumpen arbeiten. Um den Eisbrecher für Besucher wieder flottzumachen, ohne dass er wieder fährt, müsste etwa eine halbe Million Euro investiert werden — „grob gerechnet“, sagt Egelkraut. Sein Verein könne dies nicht leisten. Das Betreiben als „funktionstüchtiges, nicht fahrbereites Vorführmodell im Stadthafen“ indes könne er sich schon für den Verein vorstellen. „Ein Konzept haben wir in der Schublade“, sagt Egelkraut. Doch zuvor müsse die Stadt darüber befinden, wie viel maritimes Erbe sie sich leisten kann und will.

Das Schicksal des Eisbrechers liegt weiter in Gerichtshand. Solange kein gültiges Urteil im Eigentümerstreit gefällt sei, gebe es keinen Versteigerungstermin, erläutert Amtsgerichtsdirektor Olaf Ulbrich. Hafenkapitän Ruhnke hofft auf eine vernünftige Lösung: „Wenn das Schiff hierbleiben könnte, wäre das schön für Rostock.“

Verwertungsfirma des Bundes verkaufte Eisbrecher

Der Eisbrecher „Stephan Jantzen“ wurde 1967 in Leningrad gebaut und nach dem Warnemünder Lotsenkapitän Stephan Jantzen (1827 bis 1913) benannt. Bis 1990 gehörte das Schiff zur Bagger-, Bugsier- und Bergungsreederei der DDR, danach bis 2005 zum Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund. Die Verwertungsgesellschaft des Bundes verkaufte das Schiff. Für 430 000 Euro erwarb es die griechische Reederei Beta Mar Limited. 2006 kaufte der New Yorker Immobilienhändler Paolo Zampolli es mit seiner Firma King Ice Inc. für 450 000 Euro. Seit August 2009 liegt der Eisbrecher im Stadthafen. Seit 2012 streiten Zampolli und Kai Gunther Lehmann um das Schiff.

Von Doris Kesselring

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