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Auflagen: Amt vergrault Straßenkünstler Ingo Bingo

Kühlungsborn Auflagen: Amt vergrault Straßenkünstler Ingo Bingo

Nach Streit mit Ordnungsamt verlässt Artist Ingo Pötschke Kühlungsborn / Urlauber setzen sich für Rückkehr ein / Bürgermeister möchte Gespräch suchen

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Ich kenne die Beschwerden. Ein paar Dinge sind nicht ganz richtig gelaufen. Ich wäre froh, wenn wir das bereinigen könnten.“ Bürgermeister Rainer Karl

Kühlungsborn. Kindertränen und entsetzte Eltern auf dem Baltic-Platz in Kühlungsborn West: Der bei Urlaubern beliebte Unterhaltungskünstler Ingo Bingo hat seinen Abschied aus dem Ostseebad verkündet. Der Grund: Ärger mit dem Ordnungsamt. Zum einen musste er für seine Auftritte 2016 erstmals eine Gebühr von insgesamt 210 Euro entrichten, zum anderen durften seine Shows nur noch bis 19 Uhr stattfinden – danach ist laut Vertrag Ruhezeit. Bürgermeister Rainer Karl will jetzt das Gespräch mit dem Straßenkünstler suchen.

 

OZ-Bild

Fast zehn Jahre erfreute Ingo Bingo als Straßenkünstler im Ostseebad Kühlungsborn Urlauber und Einheimische. Vor allem die Kinder liebten ihn.

Quelle: privat

Eigentlich wollte der Straßenkünstler aus Ludwigsfelde (Brandenburg) bis Ende August drei Veranstaltungen pro Woche in Kühlungsborn geben. Doch dazu kommt es nun nicht mehr – obwohl Ingo Pötschke, der seit fast zehn Jahren unter seinem Künstlernamen Ingo Bingo die Kinder in Kühlungsborn mit seinen artistischen Stunts begeistert, die Gebühr bereits bezahlt hat. „Auftritte nach 19 Uhr wurden verboten“, sagt Ingo Pötschke. „Für meine Shows ist aber die Zeit zwischen 19 und 21 Uhr wichtig. Da kommen viele Familien vom Strand und erwarten gute Unterhaltung.“ Davon gebe es zu wenig in Kühlungsborn West. Über die strengen Zeitvorgaben sei er vorher nicht informiert gewesen. Als Ingo Bingo tritt er nun lieber in anderen Ostseebädern auf.

Seine Fans zeigen für diese Entscheidung Verständnis. Sie finden die Gängelung durch das Amt ungerecht und setzen sich für den Künstler ein. Auch der Ostsee-Urlauber Dirk Hanke hat eine Beschwerde, die der OSTSEE-ZEITUNG vorliegt, an die Stadt geschickt und darin den Umgang mit dem Künstler kritisiert. „Nach der letzten Vorstellung haben die Kinder geweint“, beschreibt Dirk Hanke aus Hürtgenwald (Nordrhein-Westfalen) den emotionalen Abschied. „Viele der Kinder sind mit der Show von Ingo Bingo groß geworden.“ Die Kunststücke des Straßenkünstlers gehörten zu Kühlungsborn wie Ostsee, Strand und Promenade. „Ingo ist eine der Hauptattraktionen. Auch für meine eigenen Kinder.“ Daher sei das Vorgehen der Behörde unverständlich. Ähnlich sieht dies auch Sven Stoffels aus dem Kreis Düren (NRW). „Meine Kinder fahren nicht in den Ostseeurlaub, sie besuchen Ingo Bingo in Kühlungsborn“, sagt er. „Er ist für Kinder ein kulturelles Highlight. Gerade für Familien ist er ein Grund, nach 19 Uhr noch mal die Ferienwohnung zu verlassen.“ Es sei traurig, wie Kühlungsborn mit seinen Straßenkünstlern umgehe. „Wir kommen seit acht Jahren nach Kühlungsborn“, sagt Stoffels.

„Sein Fernbleiben ist für das Ostseebad ein großer Verlust.“

Ingo Pötschke sieht in seinem persönlichen Fall ein größeres Problem. „Ob Straßenmusiker oder Artist, vor unserer künstlerischen Leistung hat man in Kühlungsborn keinen Respekt“, sagt Pötschke. In anderen Ostseebädern sei dies anders. „In Zingst freut man sich, wenn sich vor dem Hotel eine große Traube bildet.“ Die Urlauber würden Fotos und Videos von seinen Auftritten machen und an Freunde verschicken. Dies sei sogar gutes Standortmarketing für die Badeorte.

Rainer Karl, der als Bürgermeister von Kühlungsborn seinen Dienst nach Krankheit gerade erst wieder angetreten hat, möchte das Problem mit einem persönlichen Gespräch lösen. „Ich kenne die Beschwerden“, sagt er. „Ein paar Dinge sind nicht ganz richtig gelaufen. Daher wäre ich froh, wenn wir das bereinigen könnten.“ Auch seine eigenen Kinder hätten die Auftritte von Ingo Bingo immer geschätzt. „Seine Show ist eine tolle Veranstaltung. Und auch für die abendlichen Auftritte lässt sich ein Kompromiss finden. Man muss darüber aber sprechen und nicht einfach abhauen, wenn man beleidigt ist.“

Karl hofft, dass Ingo Bingo bald nach Kühlungsborn zurückkehrt. Doch noch lässt Ingo Pötschke seine Zukunft im Ostseebad offen. „Im Prinzip bin ich dem Amt für das strikte Vorgehen sogar dankbar“, sagt der Straßenkünstler. „Ich werde das Booking ab dem nächsten Jahr professionalisieren.“ Die Kurverwaltung könne ihn dann direkt buchen. Dafür gäbe es dann nur eine Bedingung. „Meine Shows müssen für alle Kinder und Eltern kostenlos zugänglich sein.“

Kay Steinke

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