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Blasorchester: Musiker als Botschafter

Marienehe Blasorchester: Musiker als Botschafter

Musiker vermissen jedoch Anerkennung aus Rathaus / Verein vor 25 Jahren aus Betriebsorchestern gegründet

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Acht bis zehn große Auftritte hat das Blasorchester noch im Schnitt pro Jahr.

Quelle: Ove Arscholl

Marienehe. Auch mit 78 Jahren geht ihm nicht die Puste aus. Horst Dietrich spielt Trompete im „Blasorchester Hansestadt Rostock“ und ist hier der dienstälteste Musiker.

Jubiläumskonzert: Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Musikvereins „Blasorchester Hansestadt Rostock“ gibt es am Sonntag, dem 19. Juni, ein Jubiläumskonzert im Kurhausgarten des Ostseebades

Warnemünde. Von 15.30 bis 17 Uhr spielen das Blasorchester, die Rostocker Bordmusikanten und das Blechbläserquartett auf. Moderiert wird das Nachmittagskonzert von Juliane Rothe und Günther Labrenz.

Wir waren die ersten Botschafter der Hansestadt in Bremen und dann überall in Deutschland.“

Günther Labrenz (78), Manager des Orchesters

„Ach, ich mach das schon mein ganzes Leben, bin von Anfang an dabei“, sagt er. Und meint damit nicht nur die vergangenen 25 Jahre im Blasorchester. Schon zuvor hat er im Stabsmusikkorps der Volksmarine gespielt.

Als nach der Wende alle Betriebsorchester aufgelöst und abgewickelt wurden, war es Dietrichs Musikdirektor Walter Hoffmann, der die aktivsten Musiker aus seinem Musikkorps und den Orchestern der Handelsflotte, des Fischkombinates und der Warnowwerft sowie des Jugendblasorchesters Rostock um sich scharte, und mit ihnen 1991 das Blasorchester Hansestadt Rostock gründete.

Günther Labrenz war dabei. „Wir wollten die norddeutsche und maritime Blasmusik erhalten“, sagt der 78-Jährige, der heute das Orchester managt. Er selbst hat mal Tenorhorn geblasen im Bergbauorchester. „Das war 1952“, erzählt er. Dann wurde er Sänger, war 1958 im Opernchor in Köthen und gelangte über die Theaterbühnen von Dessau und Stralsund schließlich nach Rostock. „Aber am Theater war kein Geld zu verdienen“, denkt er zurück. Als Umschlagarbeiter fing er 1963 im Seehafen an, qualifizierte sich weiter und hat dann das Orchester der Handelsflotte mit aufgebaut und gefördert. „Mitgespielt habe ich nicht“, sagt Labrenz.

Er erinnert sich noch an das Treffen 1990 mit Walter Hoffmann, als der Funke, ein Rostocker Blasorchester zu schaffen, zu glimmen begann. Der Musikverein „Blasorchester Hansestadt Rostock“ wurde 1991 gegründet. Mit hoher künstlerischer Qualität waren die Musiker schon bald in Funk und Fernsehen gefragt. Die ersten Live-Auftritte in Mecklenburg-Vorpommern hatte das Orchester 1992 bei einem Konzert im Volkstheater und einem Kurkonzert in Kühlungsborn. „Wir waren die ersten Botschafter der Hansestadt in Bremen und dann überall in Deutschland“, sagt Labrenz, „in anderen Bundesländern mehr gefragt als vor der eigenen Haustür.“ Zwei CDs „Grüße von der Waterkant“ hat das Orchester eingespielt.

Mit norddeutscher, maritimer Blasmusik und nicht zuletzt mit ihrem Orchesternamen haben die Musiker kräftig die Werbetrommel gerührt für die Hansestadt Rostock. Umso mehr ärgert es den Manager, dass die Leistungen des Musikvereins offenbar nicht ins Rathaus vordringen. „Auf die Anerkennung der Stadtvertreter warten wir seit 25 Jahren“, sagt Labrenz. „Das Bekenntnis fehlt einfach.“

Ob Hanse Sail, Schiffstaufen und Portpartys, Kur-, Hafen- und Promenadenkonzerte, die 45 Blasmusiker aus Rostock sorgen für Stimmung. Zur Eröffnung der Iga 2003 in Rostock haben sie alle 22 Nationalhymnen intoniert. Rund 60 Einsätze pro Jahr hatte das große Orchester in Hoch-Zeiten zu bestreiten. Dazu kamen viele Auftritte der kleineren Bläserformationen des Vereins – so werden die Bordmusikanten gern zu Geschäftseröffnungen und Schiffsreisen gebucht. Blechbläserquartette in verschiedenen Besetzungen erfreuen auf Messen, Märkten und Familienfeiern, die kleine Marschmusikbesetzung begleitet Festumzüge nicht nur zur Laternenzeit.

Inzwischen ist es etwas ruhiger geworden. Acht bis zehn große Auftritte hat das große Blasorchester im Schnitt pro Jahr. Dazu kommen viele kleine „Mucken“ bei Schiffsbegrüßungen, touristischen Festen und bei der „Musideel“ – „da gestalten wir im Dezember schon die 60. mit“, erzählt Günther Labrenz stolz. Das Blasorchester ist zu einer festen Größe im Musikleben der Stadt geworden. Das Repertoire reicht von traditioneller Blasmusik über Musical-Melodien, Nationalhymnen bis hin zu Swing und Pop.

Ab 2006 ging dem Verein an einigen Instrumenten doch die Puste aus – der Generationswechsel machte zu schaffen. Inzwischen ist Nachwuchs da: Der Jüngste ist mit 21 Jahren Oliver Lang aus Paderborn.

Er spielt Schlagzeug und studiert in Rostock Medizin. „Ich bin hier der Vereinsarzt“, sagt er lachend zu den älteren Kollegen.

Alterspräsident mit 79 Jahren ist Klaus Finck, der künstlerische Leiter des Orchesters. Der erzählt froh: „Wir sind heute international aufgestellt.“ Ein Trompeter komme aus Polen, eine Flötistin aus Spanien. Laura Villacorta lacht, sie stammt aus Sevilla und arbeitet nun in Rostock beim Unternehmen Centogene. Seit drei Monaten flötet die 27-Jährige im Blasorchester. „Ich war lange raus“, sagt die Spanierin, „aber die Leute sind alle so nett, es macht Spaß.“ Einmal pro Woche treffen sich die Musiker zur Probe in Marienehe im Fischereihafen. Am Sonntag blasen sie zum Jubiläumskonzert.

Doris Kesselring

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