Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Das Telegrafenamt: Bittersüße Einblicke in die Vergangenheit

Stadtmitte Das Telegrafenamt: Bittersüße Einblicke in die Vergangenheit

Das Gebäude am Rosengarten wurde erstmals für den Tag des offenen Denkmals Besuchern zugänglich gemacht / In wenigen Jahren soll das Haus restauriert werden

Voriger Artikel
Kirchen, Museen und Schlösser gewähren Einblicke
Nächster Artikel
Ministerin wird zur Märchentante

Welten prallen aufeinander: Mit ihrem Smartphone fotografiert Hannelore Eckert ein Telefon, das um 1900 gebaut wurde. Fotos (4): Johanna Hegermann

Stadtmitte. Auf einmal steht die Tür am alten Telegrafenamt offen. Das Gebäude zwischen der Buchbinder- und der Rungestraße wirkt verfallen. In großen Stücken blättert die beige Farbe von den Wänden. Es ist kühl. Es riecht nach Staub. „Seit Ende der 1990er Jahre steht das Gebäude wohl leer“, schätzt Denkmalpfleger Dyrck Dahms.

 

OZ-Bild

Das Interesse an der Geschichte ist extrem hoch. Das freut mich sehr.“Dyrck Dahms (53), Denkmalpfleger

Quelle:

Zahlreiche Rostocker nutzten die einmalige Chance einen Blick in das „Kaiserliche Telegrafenamt“ am Rosengarten zu werfen. Zum ersten Mal wurde es zum Tag des offenen Denkmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. „Eine bedrückende Atmosphäre“, sagt Gisela Freude aus Groß Klein. „Es ist sträflich, dass man es so verkommen lässt.“

Zuletzt hatte die Telekom hier eine Filiale. Davor war es ein Telegrafenamt und eine Poststelle mit großer Paketschalterhalle. „Das Gebäude wurde 1904 bis 1906 im neogotischen Stil erbaut“, erklärt der 53-jährige Dahms. „Es wurde mit einer Handwerksverliebtheit gebaut, die man heute auf dem Bau kaum noch sieht.“ Umso bitterer sei es zu sehen, wie sich der Zustand verschlechtert.

Den Zweiten Weltkrieg und das Bombardement 1942 hatte das Gebäude recht glimpflich überstanden. „Das Dach war beschädigt. Aber durch den damals modernen Bau aus Stahlbeton ist nicht so viel passiert“, sagt Dahms. Doch seitdem habe es mehrere Umbauten gegeben. „In den offenen Bereich wurden mehrere Wände eingezogen“, nennt er ein Beispiel.

In den 60er Jahren hat Gerhardt Hantusch ein Praktikum im Fernmeldeamt gemacht. Mittlerweile sammelt er Telefon-Apparate, die er heute mitgebracht hat. Sein erstes Modell stammt aus der Anfangszeit des Telegrafenamtes. „Ich habe es in den 70er Jahren auf einem Flohmarkt in Stettin entdeckt“, sagt der leidenschaftliche Sammler. Zuletzt durfte er 2008 einen Blick in die leeren Hallen des Hauses am Rosengarten werfen. „Es war eine Katastrophe.“

Denn seit Auszug des Kommunikationsunternehmens ist nichts in den Räumen geschehen. Das Gebäude ist fast vollkommen leer. Nicht alle Bereiche sind zugänglich. Mit Absperrband wird gezeigt, wie weit man gehen kann. „Vorsicht Baustelle. Stolpergefahr“, steht auf Warnschildern, die in den zwei Geschossen angebracht wurden.

„Es ist furchtbar, das hier so tot zu sehen“, sagt ein Besucher, der seinen Namen nicht nennt. Er hat damals als Techniker im Nachbargebäude gearbeitet. „Immer, wenn ich an den Fenstern vorbeiging, hat es überall laut geklickert. Da war Leben drin“, erinnert sich der Rostocker. Das Geräusch sei entstanden, wenn eingehende Anrufe mithilfe von Relais automatisch verbunden wurden.

Ob sich das alte Telegrafenamt jemals wieder der Öffentlichkeit zeigt, kann momentan niemand sagen. „Relativ zeitnah sollen hier unter anderem Wohnungen entstehen“, erklärt Dyrck Dahms. Er hofft, dass bei der Restaurierung der ursprüngliche Charakter des Gebäudes nachempfunden wird. „Vielleicht wird es dann doch einmal im Jahr geöffnet“, sagt er. Der Tag habe ihm gezeigt, dass zumindest das Interesse der Rostocker daran extrem hoch sei.

Johanna Hegermann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
OZ-Bild
mehr
Mehr aus Kultur

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
Von Discofox bis Hip-Hop

Tanzschulen in Doberan und Kröpelin freuen sich über regen Zulauf / Erstmals Kurse im Kornhaus