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Einmaliges Projekt: Kunsthalle will die DDR-Kunst erforschen

Reutershagen Einmaliges Projekt: Kunsthalle will die DDR-Kunst erforschen

Land und Stadt fördern weltweit einmaliges Wissenschaftsprojekt in Rostock / Ausstellungsort lockt mehr Besucher denn je / Bis 2018 entsteht ein Millionen-Anbau

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Kultur oder Propaganda? Kunsthalle soll DDR-Kunst erforschen

Lothar Zitzmanns „Denkmal an die Kommunarden“ (1968) zählt zum sozialistischen Realismus.

Reutershagen. War die Kunst im Ostblock vom Staat gelenkt oder doch kritischer, als es der Partei lieb war? Genau dieser Frage sollen künftig Fachleute in der Rostocker Kunsthalle nachgehen. Denn aus dem Ausstellungsort am Schwanenteich soll eine internationale Forschungseinrichtung werden: Land, Stadt und Trägerverein wollen gemeinsam ein Kompetenzzentrum für den „sozialistischen Realismus“ aufbauen. Historiker und Kunstexperten sollen 25 Jahre nach der Wende die verkannte Stilrichtung, ihre Ausprägungen und Auswirkungen untersuchen.

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Land und Stadt fördern weltweit einmaliges Wissenschaftsprojekt in Rostock / Ausstellungsort lockt mehr Besucher denn je / Bis 2018 entsteht ein Millionen-Anbau

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Kulturhaus in Zahlen

70000 Gäste besuchten im Jahr 2015 die Ausstellungen in der Kunsthalle.

520 Gemälde , 6000 grafische Blätter und 200 Skulpturen gehören zur Sammlung der Kunsthalle.

200000 Euro pro Jahr soll die Einrichtung künftig für die Erforschung des sozialistischen Realimus erhalten.

Möglich wird das Forschungsprojekt durch zusätzliche Mittel aus dem Kultusministerium in Schwerin: Bisher erhält die Kunsthalle jedes Jahr 50000 Euro aus der Kulturförderung des Landes. „Wir werden diese Summe verdreifachen“, kündigt Minister Mathias Brodkorb (SPD) an. Die Stadt soll weitere 100000 Euro für das weltweit einmalige Projekt zahlen. Und zwar, wie das Land, jedes Jahr bis 2020. „Wir haben im Landeshaushalt zwei Millionen Euro mehr für die Kulturförderung geplant. Keine Einrichtung erhält einen größeren Zusatzbetrag als die Kunsthalle“, sagt Brodkorb. Und dafür gäbe es gute Gründe: „Das Museum hat sich mit überschaubaren Mitteln fantastisch entwickelt. Die Kunsthalle sorgt bundes- und weltweit für Aufsehen.“

Bester Beleg seien die Besucherzahlen: 70000 Menschen besuchten im Jahr 2015 die Ausstellungen in dem einzigen Kunsthallen-Neubau der DDR, sagt der Direktor der Einrichtung, Jörg- Uwe Neumann.

Im Jahr 2016 dürfte diese Bestmarke sogar noch übertroffen werden: „Wir haben noch nicht mal den März rum und haben bereits jetzt mehr als 30000 Gäste gezählt.“ Die Mischung sei aus Sicht des Ministers das Erfolgsrezept der Kunsthalle: Denn die Macher würden nicht nur der hohen Kunst und großen Namen, wie Christo, Rankin oder Wolfgang Joop, Raum geben, sondern auch Hobby- Künstlern — zum Beispiel bei der OZ-Aktion „Rostock kreativ“.

Noch in diesem Jahr soll an der Kunsthalle der Bau eines fast 1800 Quadratmeter großen Schaudepots beginnen. Das rund 4,5 Millionen Euro teure Vorhaben finanziert zum Großteil der Bund. „Bis zum Stadtjubiläum 2018 soll das Gebäude stehen“, kündigt Kunsthallen-Chef Neumann an. Ein großer Teil der neuen Räume ist der Kunst in der DDR, der Sowjetunion und der anderen „Bruderstaaten“ gewidmet — dem „sozialistischen Realismus“: „Die Kunsthalle ist auf diesem Gebiet bereits sehr profiliert, verfügt über eine große Sammlung aus dieser Stilrichtung“, sagt Brodkorb. Doch: Erforscht wurde die Kunst im Osten bisher kaum. „Ein Vierteljahrhundert nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion können wir uns einen neuen Blick auf diese Kunst leisten. In der DDR gab es nicht nur politisierte Propaganda-Werke“, sagt der Minister.

Neumann sieht das ganz ähnlich: „Die Szene hat sich zwischen Staatskultur und Regimekritik bewegt.“ Er will mit dem Geld von Stadt und Land auch nicht nur zusätzliche Werke anschaffen, sondern auch Kunsthistoriker einstellen, die die Epoche genauer beleuchten. „Und wir wollen untersuchen, ob die Kunstszene in den Ländern des alten Ostblocks denn heute wirklich frei ist.“ Jedes Jahr will das neue Kompetenzzentrum dafür einen Länderschwerpunkt setzen — auch mit Ausstellungen. „Wir knüpfen damit an die Ostseebiennale an, an die Ursprünge der Kunsthalle“, so Neumann.

Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) hat für das Projekt seine Unterstützung zugesagt — und bittet nun die Bürgerschaft, die zusätzlichen 100000 Euro pro Jahr ab 2017 freizugeben:

„Die Kunsthalle ist ein Leuchtturm für Rostock und ganz Mecklenburg-Vorpommern. Noch vor 15 Jahren wurde das Aus für die renommierte Einrichtung diskutiert.“

Von Andreas Meyer

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