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Warnemünde Geschulter Blick für tausende Gesichter

Olaf Hobrlant hat sich als Schnellzeichner selbstständig gemacht und sammelt besondere Erfahrungen

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Olaf Hobrlant hat als Schnellzeichner auch für sich und sein Gesicht den richtigen Strich.

Quelle: Foto: Michael Schissler

Warnemünde. Gemalt hat Olaf Hobrlant schon immer, auch als er noch Klempner war: „Da habe ich dann schon einmal das Porträt von ungeliebten Bauleitern einmal an die Wand geworfen.“ Das war zu einer Zeit, als der Dresdner das Malen noch „als Ventil, um Frust abzulassen“, sah.

Das hat sich mittlerweile geändert, denn Hobrlant hat sich vom Klempner zum Künstler entwickelt. „Mithilfe der Bundesagentur für Arbeit“, erzählt er. „Ich bin der Beweis, dass es mit einer Ich-AG klappen kann.“ Den im Nachhinein erfolgreichen Versuch startete er im Jahr 2004, „mit Geschäftskonzept“ und damals noch mit einem Partner. „Wir waren als Alleinunterhalter unterwegs.“ In den Pausen malte Olaf Hobrlant immer wieder mal einige Gäste und wurde bald gefragt, ob er nicht bei Veranstaltungen als Schnellzeichner auftreten wolle. Er wollte und macht es bis heute.

„Meistens werde ich für Betriebs- und Familienfeiern gebucht“, sagt er. Dabei komme er herum. „Ich bin in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein unterwegs“, sagt Olaf Hobrlant und kann dabei immer wieder neue Entwicklungen in der Gesellschaft beobachten. „Die Mitnehmermentalität wächst zusehends“, sagt er – und das mache auch seine Arbeit zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. „Die Leute wollen ihr Bild – und ich male ohne Unterlass.“

Dennoch macht es Hobrlant, der 1959 in Dresden geboren wurde und seit 1964 im Norden ist, Freude. Zumal er ja als Schnellzeichner auch die Schule auf der Straße mitgemacht hat. „Das sollte jeder Schnellzeichner machen“, sagt er. Oft war er auch in Warnemünde unterwegs, „da hat man es schon mit zappeligen Kindern zu tun und mit Leuten, die verlangen, dass diese Kinder auch noch geschminkt gemalt werden“, was ganz unmöglich sei.

Mit der Arbeit auf der Straße hat er im Jahr 2011 aufgehört. „Das hat sich nicht mehr gelohnt.“ Denn bei den Menschen sitze das Geld nicht mehr so locker, „und für vier bis fünf Kunden lohnt es sich nicht, zehn Stunden auf der Straße zu sitzen.“ In diesem Geschäft seien nun auch die Mitbewerber aus Georgien immer stärker geworden, die die Passanten aktiv angehen. Das lehnt Hobrlant ab: „Gute Zeichner sprechen niemanden an.“ Er wartet darauf, dass er angesprochen wird. „Ich male auch für Kaufhäuser und für Autohäuser, und bisweilen sind die Wünsche der Auftraggeber schon speziell.“ Für einen Reiseveranstalter sollte er einmal 200 Gäste zeichnen: „Für ein Bild brauche ich drei Minuten“, erläutert der Schnellzeichner dazu, der Veranstalter habe darin kein Problem gesehen.

Ansonsten ist er mit seinem Aufträgen zufrieden: „Gern bin ich bei der Hochzeit von Andrea Sparmann gewesen“, sagt Olaf Hobrlant, der – bei gleich welcher Veranstaltung – immer einen besonderen Blick für die Menschen entwickeln muss. „Es gibt Leute, die sehen nach gar nichts aus, und es gibt Leute, die sehen schon wie eine Karikatur aus.“ Bedient werden müssen aber beide. Vorsicht sei bei älteren Frauen geboten, „die sich lieber schön dargestellt sehen“, die Jüngeren gingen damit noch lockerer um.

Etwa 20 Aufträge hat Hobrlant im Jahr, „das können durchaus noch mehr werden“, sagt er. „Ich habe Kapazitäten.“ Und nun denkt er auch daran, vielleicht einen Comic zu zeichnen, in einer ersten Kostprobe hat er die Geschichte der Band Spill, zu deren Gründungsmitgliedern Olaf Hobrlant zählt, gezeichnet. „Ich kann mir auch durchaus vorstellen, eine Graphic Novel zu machen.“

Michael Schißler

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