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Gesprühte Kunst soll Schmierfinken abhalten

Gesprühte Kunst soll Schmierfinken abhalten

Entfernen, Ignorieren oder von einem Maler neu gestalten lassen: Die Rostocker haben mehrere Ideen, illegalen Graffiti etwas entgegenzusetzen

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Auch die Warnowquerung ließ ihr Patentier, den Fischotter, am Werkstattgebäude von Künstler Christian Hölzer verewigen. Fotos (2): Ove Arscholl

Kröpeliner-Tor-Vorstadt Von einem Tag auf den anderen sind sie da: illegale Graffiti. An Häuserwänden, Mauern oder Unterführungen prangen dann neue bunte Schriftzüge und Symbole. 763 Fälle wurden allein im vergangenen Jahr von der Rostocker Polizei erfasst. Und auch für das laufende Jahr erwartet sie ähnlich hohe Zahlen. „Besonders betroffen sind nach Einschätzung der Ermittler die KTV und seit Jahresbeginn auch der Stadtteil Evershagen“, sagt Polizei-Sprecherin Yvonne Hanske. Doch, was hilft gegen die Schmierfinken?

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Entfernen, Ignorieren oder von einem Maler neu gestalten lassen: Die Rostocker haben mehrere Ideen, illegalen Graffiti etwas entgegenzusetzen

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Die Meinung der Rostocker ist gespalten. „Wir haben positive Erfahrungen gemacht, die Graffiti möglichst schnell zu entfernen“, sagt Nico Seefeldt vom Eigenbetrieb Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung (KOE). Für die Beseitigung der Schmierereien gibt der KOE pro Jahr einen Versicherungsschaden von rund 20 000 Euro an.

Hans-Joachim Toscher vom Ortsbeirat Kröpeliner-Tor-Vorstadt (KTV) geht als Hauseigentümer einen ähnlichen Weg – doch weder Versicherung noch Polizei bittet er um Unterstützung. „Ich mach das einfach selbst weg“, sagt Toscher bestimmt. „Die Versicherungen haben eine hohe Selbstbeteiligung, und die Anzeigen verlaufen meist im Sande“, sagt er resigniert. Tatsächlich lag die Aufklärungsquote 2015 nur bei etwa 14 Prozent.

Doch gerade private Eigentümer, die nicht in Rostock wohnen, würden oftmals gar nicht mehr reagieren. „Vor allem in der KTV haben einige Eigentümer aufgegeben und ignorieren die Schmierereien“, sagt Marlen Schmidt, die Koordinatorin des kommunalen Präventionsrates. „Hier müssten die Bewohner bei ihren Vermietern für saubere Fassaden kämpfen“, sagt Schmidt. Tatsächlich scheinen jedoch auch viele Anwohner zu akzeptieren, dass die KTV ein Szeneviertel ist und dass Graffiti scheinbar dazugehören. „Aber es ist und bleibt Sachbeschädigung“, betont die Koordinatorin.

Doch auf bunte Wände müssen die Rostocker ohnehin nicht verzichten. Denn anstatt die Fassaden einfarbig zu malern, lassen einige Eigentümer die Schmierereien mit Kunstwerken überdecken. „Die Möglichkeit wird immer häufiger wahrgenommen“, sagt der freischaffende Künstler Karl-Michael Constien. In den vergangenen Jahren hätte das Interesse an solchen Auftragsarbeiten zugenommen. So sind von dem 35-Jährigen auch Arbeiten an den Wänden der KTV zu finden. Mit dieser Methode wird an den sogenannten Ehrenkodex der Sprayer appelliert. „Ich bin sicher, dass die Graffiti-Vandalen Respekt vor Auftragsmalereien haben“, erläutert Constien. Auch Marlen Schmidt vom Präventionsrat hat bereits positive Rückmeldungen von Hauseigentümern bekommen. „Tatsächlich scheint es sich zu lohnen“, so Schmidt. Die Vermieter würden davon berichten, so längere Zeit Ruhe vor neuen Schmierereien zu haben.

Das KOE will nicht auf diese Taktik setzen. „Für viele unserer Liegenschaften kommt so etwas nicht infrage“, betont Sprecher Seefeldt. Denn zu den Liegenschaften des KOE würden unter anderem denkmalgeschützte Gebäude gehören. „Dort muss der Charakter der Fassaden erhalten bleiben.“ Auch KTV-Ortsbeiratsmitglied Toscher bezweifelt, dass solche Auftragsarbeiten ein „Allheilmittel“ seien.

„Es ist eine Möglichkeit, aber solche Künstler wollen auch bezahlt werden und eine Garantie, dass es nicht wieder besprüht wird, gibt es nicht“, so Toscher.

Constien räumt ein, dass auch solch ein Ehrenkodex gebrochen werden könne. Doch er bleibt von der Idee überzeugt, den Schmierereien Kunst entgegenzusetzen. „Präventiv hilft es auch, wenn Jugendliche und Künstler in bestimmten Bereichen sprühen dürfen“, so der 35-Jährige. Denn mit Graffiti versuchen sich einige Sprayer, auch künstlerisch auszudrücken. Doch die bestehenden Freiflächen seien nicht ausreichend und nicht bekannt genug. Momentan ist nur eine Sporthalle in Groß Klein, in der Alten Warnemünder Chaussee, und die zwei benachbarten Hallen in der Walter-Butzek-Straße in Dierkow offiziell zum Besprühen freigegeben.

Mit solchen Freiflächen könne man wieder motivieren, legal zur Spraydose zu greifen. Constien ist der Meinung, dass auch in der Stadtmitte Wände freigegeben werden, die gut sichtbar sind. „Das wäre eine coole Aktion. Da könnte sich die Graffiti-Kultur in Rostock legal und repräsentativ austoben“, erklärt der Künstler.

Johanna Hegermann

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