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Kleinkunst in den Wallanlagen verzaubert Publikum

Stadtmitte Kleinkunst in den Wallanlagen verzaubert Publikum

Rund 1000 Zuschauer sind zum ersten Kleinkunstspektakel gekommen / Vielerorts in dem Park haben Künstler Musik und Akrobatik präsentiert / Geschichte erzählt Rostocker Sage

Stadtmitte. So richtig weiß Timo Brennecke (28) nicht, was er sagen soll. „Was für ein schönes Feedback von Rostock“, sagt der künstlerische Leiter des ersten Kleinkunstspektakels der Fantasia AG sichtlich bewegt. Rund 1000 Besucher sind in die Wallanlagen gekommen, um Akrobatik und Poesie zu sehen. Mit so vielen haben die Veranstalter nicht gerechnet. Das Festival ist eine Kooperation mit dem Amt für Kultur, Denkmalpflege und Museen.

Schritt für Schritt schiebt sich das Publikum die schmalen Wege und engen Kurven entlang durch die Wallanlagen. Hinter fast jeder Ecke lauert eine Überraschung, ein Mann spielt Geige, die Trapez-Akrobaten an der nächsten Station warten schon auf die Gäste. Sobald sie sich vor der kleinen Bühne versammelt haben, werden sie ihre waghalsige Schau beginnen.

14 dieser Stationen haben die Organisatoren mit ihrem Team aufgebaut. Auf ihnen wird jeweils ein Teil einer Geschichte erzählt – eine alte Rostocker Sage namens „Düwelskuhl“, die sie aber mit anderen Märchen und Erzählungen angereichert haben, sagt Pädagogin Rebecca Stadtmüller (33) – in vielen Stunden in der Bibliothek.

In den Bäumen balanciert ein Seiltänzer, hoch oben über den Köpfen der Zuschauer, die sich den Berg hinauf bewegen. Er fällt, ein Schreck geht durch die Menge. Ein fieses Lachen des frechen Trolls, dann streckt er dem Publikum die Zunge raus und tänzelt weiter übers Seil.

„Wir wollen den Ort mit neuen Erinnerungen füllen“, sagt Rebecca Stadtmüller vom Circus Fantasia und erzählt, dass viele ihr gesagt hätten, lange nicht mehr in dem Park gewesen zu sein. „Die Wallanlagen haben ein Schmuddelimage“, sagt Thomas Werner von der Stadtverwaltung. An diesem Samstag sind die Wallanlagen kaum wiederzuerkennen. Immer mehr Zuschauer stoßen dazu, Schaulustige versammeln sich wiederum um die Zuschauer. Die Wallanlagen sind ein einziges Theater. In drei Gruppen führen „Reiseleiter“ durch die Geschichte, die sich um ein Schloss dreht, das einst in der Erde versunken war. In der Erzählung heißt es, dass es sich alle 1000 Jahre erhebt und die Bewohner die Parkanlage bespielen – so wie an diesem Samstag.

„Sehr mystisch“, beschreibt Anne Frambach (35), die mit ihrem Mann Tony (38) und den Kinder Till (2) und Annelie (6) vom Strand in die Wallanlagen gekommen ist.

Am Klostergarten endet die Reise durch mystische Welten schließlich – nach eineinhalb Stunden Spaziergang durch das Grün der Wallanlagen und durch eine liebevoll und detailreich erzählte Geschichte.

Auf die Frage, ob er zufrieden sei, sagt Timo Brennecke nur „Erwartungen übertroffen – mehr als das.“ Ob es im kommenden Jahr wieder ein Kleinkunstspektakel geben wird, mag Rebecca Stadtmüller noch nicht sagen. Aber Ideen habe sie schon viele, erzählt sie.

Philip Schülermann

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