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Kunst ohne elitären Anstrich

Warnemünde Kunst ohne elitären Anstrich

Rostocks erste Privatgalerie feiert am 31. Juli ihr 30-jähriges Jubiläum / Kunden kommen aus ganz Deutschland

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Ulrike und Peter Möller mit Enkelkind Mette. Die Neunjährige zeigt eine von ihr geschaffene Collage.

Quelle: Thomas Sternberg

Warnemünde. Alle sechs Wochen gibt es neue Kunst in der Galerie Möller Am Strom 68. Und das schon seit 30 Jahren: Am 31. Juli feiern Ulrike-Sabine und Peter Möller nun das Jubiläum ihres Kunst-Hauses am Alten Strom.

In Warnemünde gibt es inzwischen nur noch eine Handvoll Geschäfte und Kneipen, die es 30 Jahre und länger gibt. Dass sich gerade das Geschäft mit der Kunst behauptet hat, ist das Verdienst der beiden Möllers.

„Es macht Spaß, es ist spannend, ich bin immer noch neugierig“, benennt Ulrike-Sabine Möller ihre Motivation und so eine Ursache für den Erfolg. Eine andere ist, dass sie in Partnerschaft mit den Künstlern hochwertige Arbeiten anbieten kann, die auch gekauft werden. Bei der Auswahl hat sie fast immer ein glückliches Händchen. „Wir sitzen alle in einem Boot, Kunst will auch verkauft werden“, sagt sie. Bei der gesamten Galeriearbeit seien ihr die Künstler am Wichtigsten, betont Ulrike Möller.

Sowohl der regelmäßige Wechsel der Kunstwerke im Sechs-Wochen-Rhythmus, der wohl deutschlandweit einmalig ist, als auch die Genre-Treue sind typisch für Galerie Möller. „Das Profil der Galerie hat sich nicht geändert: Malerei, Grafiken, Objekte, Plastiken und Schmuck – ich habe alle gleichberechtigt behandelt“, sagt Ulrike Möller. Was sich in einer Wohnung gut vertrage, vertrage sich auch in einer Galerie, ist sie überzeugt. Die Künstler schätzen ihre Arbeit, bewerben sich zahlreich, laufen ihr gewissermaßen die Tür ein. „Ich fange im August an, das Ausstellungsprogramm für 2017 zu erarbeiten, es gibt wieder ganz viele Bewerbungen“, erzählt die Galeristin und Kunstwissenschaftlerin.

Die Kunden kommen aus der Region, aber auch in Hamburg, Berlin oder Kassel gibt es Stammkunden. Eine Kundin aus Kassel habe ihr kürzlich gesagt, warum sie ihre Bilder in Warnemünde kaufe, erzählt Ulrike Möller. „Sie verkaufen Kunst so unspektakulär.“

Spektakulär war bestimmt die Gründung der Galerie. Ulrike Möller hatte im Verband der Künstler in Magdeburg gearbeitet. Mit dem Angebot, die „Galerie am Boulevard“ zu übernehmen, gingen sie und ihr Mann in die Hansestadt. Da das Angebot platzte, machte sie sich daran, ihrem Traum von einer eigenen Galerie Leben einzuhauchen. Ihre Beharrlichkeit bei Ämtern und Behörden zahlte sich aus. Sie bekam einen Gewerberaum zugewiesen. Es waren die Räume der ehemaligen Schneiderei Dethloff am Alten Strom. Der Rat der Stadt wollte dort eigentlich eine Waffelbäckerei unterbringen. Am 31. Juli 1986 eröffnete dort aber die 33. Galerie des Staatlichen Kunsthandels der DDR mit „Collagen Rostocker Künstler“ und Schmuck von Renata Ahrens aus Bad Doberan.

Mit der Wende kam die Privatisierung und der zähe Kampf mit der Treuhand um das Haus. Die Eigentümerin hatte es dem Kunsthandel verkauft und damit war es im Bestand der Treuhand. Die wollte einen guten Erlös sehen. Für das abrissreife Haus mit 170 Quadratmetern musste die Familie Möller einen hohen Kredit aufnehmen. Es wurde dann abgerissen, ein Neubau entstand, und 1995 konnte die Wiedereröffnung in Warnemünde gefeiert werden. Im selben Jahr gab es gleich einen Tiefschlag: Jugendliche hatten hinter dem Haus gelagertes Material angesteckt. Im hinteren Bereich des Hauses gab es größere Schäden. „Wie durch ein Wunder ist der Kunst nichts passiert“, erinnert sich die Galeristin.

Sie – oder besser ihr Sittich „Josy“ – wurde vor drei Jahren bundesweit bekannt. Das Veterinäramt wollte durchsetzen, dass „Josy“, der tagsüber in einem Käfig in der Galerie wohnt, einen größeren Käfig bekommt. Der zulässige Grenzwert war um wenige Raum-Zentimeter unterschritten.

Möllers wollen 2026 das 40. Galeriejubiläum feiern. „Der Beruf ist doch einfach schön, alle müssen sich Bilder kaufen, zu uns kommen sie“, sagt Ulrike Möller. Sie und ihr Mann freuen sich jetzt erst mal auf die Jubiläumsparty am 31. Juli. Ab 16 Uhr kommen die Gäste. Es wird Musik, aber keine Reden geben.

Alle sechs Wochen gibt es neue Kunst

6 Wochen liegen zwischen den Ausstellungseröffnungen. Sie sind stets donnerstags um 19 Uhr. Zu den Eröffnungen gehören Live-Musik und eine kunstwissenschaftliche Einführung.

700 Künstler haben seit der Eröffnung der Galerie Möller am 31. Juli 1986 in den Räumen am Alten Strom ausgestellt.

100 Künstler aus allen Genres umfasst das Werk-Angebot der Galerie. Auch außerhalb gibt es Ausstellungen und Veranstaltungen.

420 Ausstellungen hat es seit 1986 gegeben. Neben Personalausstellungen gab es thematische Reihen, wie „Kunst aus Schweden“, „Vielseitige Künstler“, „Kunst aus Lateinamerika“.

Thomas Sternberg

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