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Liebhaberstücke auf dem Prüfstand

Stadtmitte Liebhaberstücke auf dem Prüfstand

Im Kulturhistorischen Museum haben Experten Bilder, Postkarten und Porzellan von Rostockern begutachtet

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Gero-Gunther Geisler zeigt Dörte Mulsow einen Porzellan-Hund.

Stadtmitte. Hermann Blonk wartet gespannt im Kulturhistorischen Museum vor dem Büro von Kuratorin Annelen Karge. Vor zwei weiteren Türen stehen einige weitere und warten.

OZ-Bild

Im Kulturhistorischen Museum haben Experten Bilder, Postkarten und Porzellan von Rostockern begutachtet

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Er hat ein Kännchen dabei und eine kleine Schale. Andere haben Bilder dabei, fest verschnürt mit Tuch und Paketband. An diesem Nachmittag ist Kunstbegutachtung im Museum. Sie alle warten, damit Experten ihnen etwas über ihre Raritäten erzählen.

Nun ist Hermann Blonk an der Reihe und holt das Zinn-Kännchen auf seiner Tasche. „Das habe ich auf dem Flohmarkt gefunden“, erzählt der 76-Jährige aus Kröpelin. Warum er hier ist? „Nur Unwissenheit schadet“, sagt er und lächelt. Er möchte wissen, wie alt das Stück ist und was die Zeichen auf ihm zu sagen haben. Und wofür die kleine Kanne einst benutzt wurde, kann Hermann Blonk auch nur erahnen.

„Für Tee oder Wasser wird sie nicht gewesen sein“, sagt Annelen Karge. „Dafür ist die Öffnung zu klein. Sie war wohl eher für Öl.“ „Stimmt“, sagt Blonk und beugt sich über den Tisch.

Die meisten Leute sind hier, um Susanne Knuth Bilder zu zeigen. Die Schlange ist lang, alle Stühle sind belegt. Vor der Tür von Steffen Stuth wartet niemand. Er ist der Experte für Münzen und Leiter des Museums. Aber er erzählt: „Es haben hier auch schon Leute ganz seltene Münzen gezeigt – aus dem Mittelalter oder den Chinesischen Kaiserzeiten. Was die Rostocker alles mitbringen, ist auch für die erfahrenen spannend. Besonders die „kriminalistische Arbeit“ sei aufregend, findet Kuratorin Karge. Sie untersucht jedes Detail der Mitbringsel mit einer Lupe, dreht sie im Licht hin und her.

Dann macht sie Fotos, um später in Ruhe zu forschen. „Dann melde ich mich bei Ihnen“, verspricht sie Blonk.

Was Hilde Kühl dabei hat, hätte sie unmöglich in das Obergeschoss tragen können. Stattdessen hat sie Fotos dabei. Sie zeigen Schränke. „Ganz alte Möbel von meinen Urgroßeltern“, erzählt sie. Sie habe noch eine Rechnung – datiert auf 1846. „Sie ist zerfetzt und ziemlich vergilbt.“ Ob sie zu den Möbeln gehört, lässt sich an diesem Nachmittag nicht klären.

Bei dem Andrang im Museum bleibt den Gutachtern nur eine kurze Zeit. Eine wichtige Frage: Kommt das Bild, das Porzellan oder die Münze aus der Familie? Dann bekommen die Stücke einen größeren Wert und eine Aura, erzählt Annelene Karge. Und natürlich lasse sich die Geschichte leichter nachvollziehen, wenn sie lückenlos sei.

Zwischen den Büros von Annelen Karge und Steffen Stuth hat Dörte Mulsow ihr Reich. Sie blättert in einem Markenlexikon, um herauszufinden, woher die außergewöhnliche Kanne von Gero und Silke Geisler aus Lütten Klein kommt. Anhand des Dekors geht sie der Geschichte auf den Grund. Der Stempel ist kaum zu noch erkennen. Von Villeroy & Boch könnte er sein. „Der Händler hat gesagt, man habe damit Buttermilch transportiert“, sagt Gero Geisler. „Ich sage spontan um 1900“, schätzt die Expertin. „Das ist wirklich eine außergewöhnliche Form“, sagt sie und denkt nach. Der Zweck wirft Fragen auf.

Gemeinsam diskutieren sie die Details der Kanne. Aber warum Buttermilch? Man könnte darin doch alles mögliche transportieren, fragen sich Mulsow und Ehepaar Geisler. Ganz klären lassen sich weder Ursprung noch Zweck. Aber die Kanne hat die wissenschaftliche Neugier von Dörte Mulsow geweckt. Auch sie will der Herkunft weiter auf den Grund gehen und sich dann melden. Wer weiß, welche spannende Geschichte sie zu erzählen hat.

Bis um 18 Uhr geht die alljährliche Begutachtung. Einige der Besitzer unbekannter oder gar ungeahnt wertvoller Raritäten werden dann lange auf ein Gespräch gewartet haben. Werte werden nicht geschätzt und darum gehe es auch nicht, sagt Stuth. „Natürlich können wir eine Tendenz zeigen“, sagt er und dreht den Daumen nach oben und unten. Aber es gehe hier um die Geschichte und ein spannendes Gespräch zwischen Besitzern und Wissenschaftlern. Für Hermann Blonk hat sich der Besuch gelohnt. Er ist der Aufklärung der Geschichten seiner Schale und des Kännchens nähergekommen. Aber einigen Fragen wird er noch auf den Grund gehen müssen.

Philip Schülermann

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