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Moby Dick strandet in Warnemünde

Rostock Moby Dick strandet in Warnemünde

Am Sonntag öffnet die 8. Sandwelt am Pier 7 in Warnemünde. Bis dahin können Skulpteure bei der Arbeit beobachtet werden.

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Mit ihrem Freund Donatas Mockus arbeitet Inese Valtere-Ulande an einer der Sandskulpturen am Pier 7. Auf der 8. Warnemünder Sandwelt werden in diesem Jahr Szenen und Motive aus der Geschichte Moby Dick gezeigt.

Quelle: Johanna Hegermann

Rostock. Mit aufgerissenem Maul durchbricht der weiße Wal die Oberfläche. Mächtige Wellen umspülen den Koloss Moby Dick. Im Wasser schwimmen viele kleine Fische und ständig werden es mehr. Zumindest, wenn Ainars Zigniks aus Lettland mit ruhigen routinierten Bewegungen mit dem Spachtel neue aus dem Sand herausarbeitet. Denn der Künstler arbeitet an einer von fünf großen Sandskulpturen für die 8. Warnemünder Sandwelt. In diesem Jahr dreht sich alles bei der Open-Air-Ausstellung am Pier 7 um Herman Melvilles weltberühmtes Werk „Moby Dick“.

DCX-Bild

Am Sonntag öffnet die 8. Sandwelt am Pier 7 in Warnemünde. Bis dahin können Skulpteure bei der Arbeit beobachtet werden.

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Insgesamt werden 300 Tonnen Sand für die Skulpturen genutzt. Der Sand stammt jedoch nicht vom Warnemünder Strand, sondern wurde aus einer Grube im brandenburgischen Niederlehme zur Ostsee geliefert. „Es ist nicht so ein feiner Strandsand, sondern ein ungebrochenes eckiges Korn“, erklärt der künstlerische Leiter Othmar Schiffer-Belz. In der Hand hält er den befeuchteten Sand und drückt ihn fest zusammen. Er lässt wieder los und der Sand behält zunächst die Form. „Die nassen Sandkörner verzahnen sich gut und halten zusammen“, erklärt Schiffer-Belz. Doch selbst wenn ein gut trainierter Mensch den Sand zusammendrücke, reiche es nicht aus, damit er auch über Monate die Form behalte. Daher wird für die bis zu sechs Meter breiten und drei Meter hohen Kunstwerke der Sand in eine Holzkonstruktion gebracht und mit schwerer Maschine festgedrückt. Die Künstler arbeiten dann mit Spachteln, Pinseln und Pusterohr ihre Ideen aus den „Sandklötzen“. „Es ist kein Lehm oder Ton, man kann den Sand nicht modellieren“, sagt der 69-Jährige. Daher müssten die Skulpteure vorsichtig sein. Wenn etwas abbreche, könne es nicht mehr gerettet werden.

Diese Sorgen kennt auch Wiaczeslaw Borecki aus Polen. Gerade das Wetter sei für die Open-Air- Ausstellung entscheidend. Bei so kalten Temperaturen wie momentan gebe es die Gefahr, dass die Oberfläche des nassen Sandes gefriere. „Dann ist es möglich, dass diese Schicht einfach abfällt“, sagt der Skulpteur besorgt. Dies sei vor einigen Jahren auch bei der Sandausstellung auf Rügen passiert. Etwas dagegen unternehmen könne man nicht. Die Arbeitsplätze würden schließlich schon mit Planen vor den Witterungen geschützt werden. „Jetzt kann man nur noch hoffen“, so Borecki. „Es ist ein Kampf zwischen Mensch und Natur, bei dem keiner gewinnen kann. Eine wirklich traurige Geschichte“, sagt Inese Valtere-Ulande aus Lettland über die Geschichte von „Moby Dick“. Gemeinsam mit ihrem Freund Donatas Mockus arbeiten sie an einem riesigen Buch, davor zeigen sie eine Szene im Schiff. Und das Porträt des Autors stellen sie dar. Für diese Komposition sei es gut, dass sie zu zweit arbeiten. „Auch wenn es nicht immer so leicht ist. Wir streiten uns schon mal über die Linien, die der andere gesetzt hat“, sagt sie lachend.

Gemeinsam haben die beiden bereits an dem großen Wal bei Karls Erlebnis-Dorf gearbeitet. Hier mit Eis anstatt mit Sand. Denn auch bei der 14. Eiswelt hat sich alles um den weißen Wal gedreht. „Moby Dick ist sehr bekannt. Wenn man nicht die Geschichte gelesen hat, kennt man zumindest den Wal“, sagt Othmar Schiffer-Belz, der künstlerische Leiter der Sandwelt und auch der Erfinder der Eiswelt in Karls Erlebnis-Dorf. Doch die Sand-Figuren sind keine Kopien der Eisskulpturen. „Wir zeigen hier immer Originale“, sagt Schiffer-Belz. Es gebe nur das Thema, das frei interpretiert werden könne. Mit ihren Skizzen hätten sich die Skulpteure beim künstlerischen Leiter beworben. Auf Schautafeln vor den Werken können sich Besucher genau diese ersten Entwürfe anschauen. Bis zum Eröffnungstag am 23. April können sie täglich den Künstlern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen. Wilfried Voß ist mit seiner Familie extra aus dem Wendland nach Warnemünde gefahren, um sich das anzugucken. „Meine Frau hat gestern davon gehört, dann mussten wir gleich herkommen“, sagt Voß. Die Fahrt habe sich gelohnt. „Das ist wirklich cool.“

Johanna Hegermann

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