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Neuer Theater-Chef arbeitet am „Plan B“

Kröpeliner-Tor-Vorstadt Neuer Theater-Chef arbeitet am „Plan B“

Joachim Kümmritz fordert schnellen Neubau für Volkstheater / Sparkurs beim Orchester statt beim Schauspiel?

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Hat trotz aller Probleme am Volkstheater gut lachen: Joachim Kümmritz, seit 1. August neuer Intendant in Rostock.

Quelle: Ove Arscholl

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Das Haus marode, die Mitarbeiter komplett verunsichert und dazu noch strikte Sparvorgaben aus dem Rathaus: Joachim Kümmritz weiß, dass ihn viele Kollegen um seinen neuen Job nicht beneiden. Seit 1. August ist der gebürtige Berliner der neue Intendant des Rostocker Volkstheaters. Doch trotz all der Probleme lacht Kümmritz – gern und viel.

Denn: „Mit schwierigen Situationen kenne ich mich aus.“ Und: Er hat einen Plan, wie er das Volkstheater nach Jahren des Niedergangs wieder auf Erfolgskurs führen will. Das bloße Umsetzen der Sparkonzepte seiner Vorgänger gehört nicht dazu – jedenfalls nicht Eins zu Eins.

Hintergrund: Im Januar hatte die Bürgerschaft das sogenannte „Hybridmodell“ auf den Weg gebracht – maßgeblich verfasst vom damaligen kaufmännischen Geschäftsführer des Theaters, Stefan Rosinski.

Kern des Ganzen: Das Volkstheater soll zwar vier Sparten behalten, sich aber „gesund schrumpfen“. Vor allem beim Schauspiel soll gekürzt werden – auf nur noch vier feste Ensemble-Mitglieder. Wer Kümmritz’ bisherige Arbeit kennt, der weiß auch, dass ihm das gar nicht schmecken dürfte. Mehrfach hatte er schon im Vorfeld angekündigt, nicht nur „Vollstrecker“ sein zu wollen. Der neue Intendant arbeitet an einem „Plan B“ zum umstrittenen „Hybridmodell“.

Wie genau der aussehen wird, lässt er aber noch offen. In wenigen Tagen wird er sich aber ein erstes Mal in die Karten schauen lassen müssen – weil das Land dann einen Zwischenbericht zu den Sparbemühungen samt Ausblick verlangt. „Die Beschlüsse zum Theater und das Konzept lassen Spielraum, um andere Vorschläge und alternative Ideen einbringen zu können“, deutet Kümmritz vielsagend an. Und: „Das Orchester wurde bislang von allen Sparvorschlägen ausgeklammert.“ Angeblich, weil der Haustarifvertrag mit Musikern nichts anderes zulasse. Dabei sind sie einer der mit Abstand größten Kostenfaktoren im Volkstheater. Kümmritz sagt nur: „Auch Haustarifverträge sind nicht endlos.“ Noch OZ-Informationen endet der Vertrag 2017. Was der neue Intendant dann plant – noch ist das sein Geheimnis.

In einem anderen Punkt macht der neue Intendant aber bereits Druck im Rathaus: Der Neubau für das Volkstheater müsse endlich konsequent angegangen werden. Das Gerede müsse ein Ende haben, stattdessen sollten so schnell wie möglich die Bagger rollen. Denn das bisherige Haus am Patriotischen Weg sei marode – „um es mal vorsichtig auszudrücken. Das sind hier doch keine Zustände.“ Mit dem Eigenbetrieb KOE, der die Federführung für den Theater-Neubau hat, habe Kümmritz schon gesprochen: „Wir haben einen ersten Anforderungskatalog abgestimmt.“ Er weiß, dass er keinen „Ideal-Bau“

bekommen wird: „Die Werkstätten werden nicht in das neue Haus passen. Das ist schade, aber nicht anders zu machen.“ Er hoffe, dass die Politik schnell den Weg für den Bau freimache. „Bis Januar werde ich mich aber um die akuten Baustellen kümmern müssen.“ Und zu den zählen vor allem die Vorbereitungen für die neue Spielzeit.

Denn die Planungen liegen weit hinter dem Zeitplan zurück. Noch vor seiner Entlassung war Kümmritz’ Vorgänger, Sewan Latchinian, wochenlang krank. „Das ist alles suboptimal gelaufen. Die Termine für die Premieren stehen, aber wir basteln noch immer an den Mannschaften – ausgerechnet mitten in der Ferienzeit“, erklärt Ralph Reichel, der neue Schauspieldirektor. „Ein Künstler ist direkt von einer Fahrradtour aus Dänemark zu den Proben gekommen. Der hatte nicht mal passende Kleidung dabei.“ Die Umstände seien besonders, aber auch lustig – „und sie beweisen, was für ein gutes Team wir hier haben“, ergänzt Kümmritz. Alle Mitarbeiter würden mitziehen, er sei „fair und freundlich“ empfangen worden. „Das ist bewundernswert.“

Obwohl das Programm für die neue Saison größtenteils noch von seinen Vorgängern geschrieben wurde, will Kümmritz spätestens in der zweiten Hälfte eigene Akzente setzen: „Wir nehmen ,Wallenstein’ aus dem Programm. Ich halte das Stück zu dieser Zeit nicht für richtig. Und dass zehn Aufführungen von ,Carmen’ in zwei Monaten geplant sind, werden wir auch noch ändern. Das halte ich für unglücklich.“

Theater sei sein Leben, sagt Kümmritz. „Wir wollen Produktionen mit Anspruch auf die Bühne bringen – aber auch Stücke, die zur Stadt und ihren Menschen passen.“ Ein wichtiger Baustein dabei seien Kooperationen – vor allem mit der Hochschule für Musik und Theater. „Mein Wunsch ist, dass wir uns stärker austauschen, die Studenten ins Theater einbinden und das Theater ins Studium“, sagt Reichel.

Aber auch mit dem Literatur- und dem Peter-Weiss-Haus, den „Freigeistern“ und den freien Theatern wollen er und Kümmritz reden.

Werdegang und Herausforderungen

23 Jahre lang war Joachim Kümmritz Intendant des Mecklenburgischen Staatstheaters in Schwerin. Der neue Chef des Rostocker Volkstheaters wurde 1949 in Berlin geboren. Bevor es ihn in die

Kultur zog, hatte er eine Lehre zum Facharbeiter für Regelungstechnik und ein Ökonomie-Studium absolviert.

73 Stellen sieht der Personalplan des Volkstheaters laut „Hybridmodell“ für das Orchester vor. Zum Vergleich: In der Schauspielsparte sollen nur noch vier feste Ensemble-Mitglieder beschäftigt werden.

18 Millionen Euro wollen Land und Stadt dem Theater ab 2020 nur pro Jahr zur Verfügung stellen.

Andreas Meyer

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