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Polizist verhilft traumatisierten Kindern zu tollen Ferien

Östliche Altstadt Polizist verhilft traumatisierten Kindern zu tollen Ferien

Gunnar Hinrichs organisiert mit dem Verein „Traum-Camp 4 Kids“ Freizeitwochen für Mädchen und Jungen mit schlimmen Erlebnissen / Projekt wird durch Spenden finanziert

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Kinder zwischen sechs und 16 Jahren werden in den Traum-Camps von geschulten Ehrenamtlern aufgefangen und betreut.

Quelle: Gunnar Hinrichs

Östliche Altstadt. Der Vater verprügelt die Mutter, Kinder müssen zuschauen oder bekommen selbst Schläge. Immer wieder wurde Gunnar Hinrichs als Streifenpolizist zu Einsätzen häuslicher Gewalt gerufen. Mit ungutem Gefühl habe er oft den Ort verlassen. „Die Maßnahmen der Polizei sind begrenzt“, sagt der 44-Jährige. „Wir gehen, und das Jugendamt übernimmt. Es gibt kein Feedback, wie es den betroffenen Kindern geht“, sagt der dreifache Vater und wurde aktiv.

OZ-Bild

Gunnar Hinrichs organisiert mit dem Verein „Traum-Camp 4 Kids“ Freizeitwochen für Mädchen und Jungen mit schlimmen Erlebnissen / Projekt wird durch Spenden finanziert

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Wenn er nach Hause kommt, warten die Töchter Jona (16) und Lieke (6) sowie Sohn Folke (13) auf ihn. In der Östlichen Altstadt hat sich die Familie ein gemütliches Nest gebaut. Und genau hier quält den Polizeihauptkommissar immer wieder die Frage: „Was kann ich den traumatisierten Kindern Gutes tun?“ Lebenspartnerin Caroline van Rhijn stützt seine Gedanken. Die Kreativtherapeutin hat selbst häufig mit dieser Klientel zu tun.

Gemeinsam tüftelt das Elternpaar an einem Konzept. „Ein Ferien-Camp für Kinder und Jugendliche mit jeglichen Traumatisierungen, das waren unsere Vorstellungen“, erzählt Hinrichs. Eine Idee ploppt hoch, die er Jahre zuvor mit dem Bundesvorsitzenden der Deutschen Kinderhilfe, dem Polizeidirektor a.D., Rainer Becker, besprochen hatte. Da ging es um Kinder, die nach schweren Verkehrsunfällen stark belastet waren. Das Vorhaben verlief im Sande, doch die Idee entwickelte er nun weiter.

„Traum-Camp 4 Kids“ heißt das neue Projekt, das für Minderjährige mit jeglichen Belastungsstörungen offen sein soll. In Rainer Becker fand Hinrichs einen Fürsprecher. Unterm Dach der Deutschen Kinderhilfe wurden 2014 und 2015 die ersten Ferienwochen für Kinder mit schlimmen Erlebnissen organisiert, im Landhaus Zarfzow (bei Neubukow) und im Schullandheim Sassen (bei Greifswald). „Wir waren der Spendenverwalter“, so Becker, „die Macher waren Hinrichs und sein Team“. Der Rostocker Polizist findet Unterstützung bei der Uni, der Europäischen Fachhochschule, in der Fachberatungsstelle für sexualisierte Gewalt und bei Opferschutzverbänden. Psychologen und Ärzte vermitteln aus ihrer Praxis Kinder und Jugendliche für das Projekt: Kinder, die ein Elternteil durch Krankheit verloren, körperlicher Gewalt oder sexuellem Missbrauch ausgesetzt waren. Mit einem hoch motivierten Team aus Polizisten, Therapeuten, Studenten ermöglichen Hinrichs und seine Frau ihnen eine unbeschwerte Ferienwoche. Ausschließlich durch Spenden finanziert.

„Das Baby kann nun laufen“, sagt Becker und zieht sich mit der Kinderhilfe zurück. Das Projekt „Traum-Camp 4 Kids“ sei mit dem Namen Hinrichs verbunden, habe in der Region Rostock Fuß gefasst und bei Spendern Anklang gefunden. Insofern sei es Zeit, den „Ableger“ in die Selbstständigkeit zu entlassen. „Mit gutem Gewissen“, denn Hinrichs habe im Januar einen eigenen Verein „Traum-Camp 4 Kids“

gegründet, mit dem das Projekt eine sichere Zukunft habe.

Die dritte Camp-Auflage steht bevor: Vom 31. Juli bis 6. August in Sassen und vom 14. bis 20 . August in Zarfzow. Je 15 Mädchen und Jungen zwischen sechs und 16 Jahren werden hier von jeweils acht gut geschulten Ehrenamtlern betreut. Die Kinder werden Segelschiffe besichtigen, an einem Trickfilm oder Hörspiel mit heimischen Sendern mitwirken. Es gibt Sport- und Kreativangebote. „Auch Nachtwanderung und Schnitzeljagd werden nicht fehlen“, verrät Hinrichs, der sich selbst „wie ein Kind aufs Ferienlager“ freut und in einer dienstfreien und einer Urlaubswoche dabei sein wird. Rund 5000 Euro kalkuliert er für ein Camp. „Wir sind auf Spenden angewiesen, ob Geld, Manpower, Sachspenden oder Fahrzeuge, wir freuen uns über jeden Beitrag.“ Derzeit laufen schon die Planungen für 2017.

„Der Bedarf ist groß“, sagt der Initiator. Sein Wunsch ist ein drittes Camp im Herbst. Seine Motivation: „Das sind die Kinder, die im Camp ihre Erlebnisse vergessen und einfach Kinder sein können.“

Spenden helfen betroffenen Kindern

Rund 3400 Kinder und Jugendliche waren in MV 2015 laut Statistik von körperlicher oder psychischer Gewalt in der Familie betroffen. In Traum-

Camps sollen Betroffene diese Übergriffe für einen Moment vergessen. Spenden für die Initiative Traum-Camp 4 Kids: IBAN: DE53 1203 0000 1020 3760 32; BIC: BYLADEM1001, Deutsche Kreditbank Berlin;

Verwendungszweck „Traum-Camp 4 Kids“

• Info: www.traum-camp.de

Doris Kesselring

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