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Skandalmusik für Jugendliche

Rostock-Reutershagen/Kröpeliner-Tor-Vorstadt Skandalmusik für Jugendliche

Bei den 11. „Konzerte für Teens“ gab es Ungewöhnliches von Strawinsky / Parallel laufen die Schultheatertage

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Mit Maschinenpistolen in der „Super Hero High“ bei den Schultheatertagen: Alexa Vogel (v.l.), Isabel Weiss und Raik Schwarz.

Quelle: Jens Wagner

Rostock-Reutershagen/Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Skandalaufführung in der Ospa-Arena. Rund 3000 Schüler aus Rostock und Sanitz sind gestern mit einem besonderen Stück an die klassische Musik herangeführt worden. Beim 11. „Konzert für Teens“ — eine Veranstaltung des Volkstheaters in Kooperation mit Schulen — gab die Norddeutsche Philharmonie passend zur Jahreszeit „Le Sacre du Printemps“ („Das Frühlingsopfer“) von Igor Strawinsky. Bei der Uraufführung 1913 in Paris ein echter Skandal, weil das Publikum von einer für ein Ballett geschriebenen Musik etwas anderes erwartet hatte. „Sein Stück ist sehr rhythmisch, beginnt ungewöhnlich mit einem Fagott“, benannte Dirigent Manfred Hermann Lehner gestern einige Beispiele für den Normenbruch.

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Bei den 11. „Konzerte für Teens“ gab es Ungewöhnliches von Strawinsky / Parallel laufen die Schultheatertage

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Lehner trieb sein Orchester zu rhythmischen Höchstleistungen an. Zwischendrin berichtete er den Schülern, wie das Pariser Publikum einst reagiert habe auf die ungewöhnliche Aufführung: Ein Teil der Zuschauer sei in hysterisches Lachen verfallen, andere gingen aufeinander los. „Aber heute wird das sicher nicht passieren“, sagte Lehner.

Stimmt, die Sechst- bis Zwölftklässler blieben brav auf ihren Plätzen sitzen, lauschten und staunten — vor allem auch über die Darbietung der Tanzcompagnie, die erstmals bei den „Konzerten für Teens“

dabei gewesen ist. Choreografin Katja Taranu hat ihre Tänzer jedoch nicht in Ballett-Tütüs gesteckt. Sie durften sich in weißen Hosen und beigefarbenen Oberteilen grazil auf einer Fläche vor dem Orchester bewegen. „Die sind richtig toll gewesen. Ich finde, durch die Tanzeinlage ist es noch spannender gewesen“, sagte Joe Sharma (17) von der Hundertwasser-Gesamtschule, der schon seit einigen Jahren mit seiner Klasse zur Klassik geht. Und Lea Manzke (12), Sechstklässlerin an der Regionalen Schule Sanitz, schaute besonders aufmerksam auf die Tanzeinlagen. „Da ich selbst tanze.“

Jedes Jahr organisiert das Theater mit Musiklehrern wie Jenny Curland die Veranstaltung an zwei Tagen. Drei Aufführungen des gleichen Stücks bringen Musiker und Dirigent (und dieses Jahr auch die Tänzer) pro Tag über die Bühne. „Das ist immer besser als der trockene Musikunterricht“, sagt die 43-jährige Curland, die seit Anfang an sämtliche Anmeldungen von Schulen koordiniert.

Statt einfach nur das Skandalstück von Strawinsky spielen zu lassen, erklärte Dirigent Lehner immer wieder Hintergründe, ordnete das in die damalige Zeit ein und ließ die von ihm genannten Musikinstrumente ein paar Solotöne geben. Der gebürtige Bayer ist prädestiniert für die Aufgabe, jungen Leuten alte Musik näher zu bringen. Er lebt diese Musik, kennt Anekdoten und setzt sie gezielt ein, statt trocken ein paar Infos runterzurasseln. Dabei bleibt er stets publikumsnah und orientiert sich an seiner Zielgruppe. Auch gestern kam seine Art bestens bei den Schülern an. „Der macht das richtig gut. Er hat das alles so jugendgerecht erklärt. Richtig interessant“, befand Eva Linares (17) von der Hundertwasserschule.

Parallel zu den „Konzerten für Teens“ findet im Volkstheater eine zweite auf Schüler gemünzte Veranstaltung statt: die 21. Schultheatertage. Jungen und Mädchen führen eigene Stücke auf oder geben Erzählungen frei wieder. Nach den jeweiligen Aufführungen der Kinder aus Schwerin und Rostock gibt es Nachgespräche über die Stücke. Gestern beeindruckten die Acht- bis Zehntklässler der Rostocker Krusensternschule mit „Super Hero High“: Nachdem sie uranverseuchten Milchreis gegessen hatten, mutierten sie zu Nachwuchshelden und besuchten die titelgebende Superheldenschule, wo sie gegen das Böse kämpfen mussten.

Eine Jury sucht nun die besten Stücke für die Schultheatertage auf Bundesebene heraus.

Klassik für Jugend

2006 fand „Konzerte für Teens“ erstmals statt. Nach mehreren Standortwechseln gibt es die Aufführungen der Norddeutschen Philharmonie nun in der Ospa-Arena. An zwei Tagen hintereinander erleben Fünft- bis Zwölftklässler die Welt der klassischen Musik. Es gibt pro Tag drei Aufführungen — mit dem selben Stück.

6000 Schüler erleben die Konzerte, die auch von Erklärungen des Dirigenten Manfred Hermann Lehner leben. Schulen werden zur Anmeldung angeschrieben.

Von Claudia Tupeit

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