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Straßenmusiker hat Drehorgel-Verbot

KÜHLUNGSBORN Straßenmusiker hat Drehorgel-Verbot

Zoltan Schwarz darf überall spielen, nur nicht im Ostseebad / Ordnungsamt: Instrument passt nicht in den Kurort

Kühlungsborn/Bad Doberan. Mit seiner Drehorgel zieht Zoltan Schwarz durch den Landkreis Rostock, spielt in Warnemünde, Heiligendamm und Bad Doberan. Nur in Kühlungsborn ist dem Straßenmusiker das Musizieren untersagt. Erst am Ostermontag wurde er vom Ordnungsamt wieder weggeschickt.

 

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Auf dem kleinen Kamp in Bad Doberan hat Zoltan Schwarz schon öfter seine Drehorgel erklingen lassen. In Kühlungsborn bekommt er für das Instrument keine Genehmigung.

Quelle: Anja Levien
OZ-Bild

Wenn Straßenmu- siker perma- nent auf einer Stelle spielen, nervt das irgendwann. Dann müssen wir einschreiten.“Gerhart Kukla, Leiter Bürgeramt Doberan

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Auf dem kleinen Kamp in Bad Doberan hat Zoltan Schwarz schon öfter seine Drehorgel erklingen lassen. In Kühlungsborn bekommt er für das Instrument keine Genehmigung.

Quelle: Anja Levien
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Wenn Straßenmu- siker perma- nent auf einer Stelle spielen, nervt das irgendwann. Dann müssen wir einschreiten.“Gerhart Kukla, Leiter Bürgeramt Doberan

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„Kühlungsborn macht mir das Leben schwer“, sagt er. Als er 2008 mit seinem Didgeridoo die Passanten unterhalten wollte, wurde ihm das wenig später untersagt, erzählt der 61-Jährige. „Das kommt nicht so gut an und passt nicht ins Tourismuskonzept, wurde mir gesagt“, erzählt der gebürtige Ungar. Also wechselte er zur Drehorgel. Doch auch mit diesem Instrument ist ihm das Spielen untersagt.

Für den Straßenmusiker unverständlich. „Andere dürfen spielen, sogar mit Verstärker“, sagt er. „Warum dürfen die spielen und ich nicht? Meine Drehorgel hat keinen Verstärker“, sagt er. Was ihn zudem wundert: Nur in Kühlungsborn brauche er eine Genehmigung zum Spielen. Die habe er schon länger nicht mehr beantragt, weil sein Musizieren immer abgelehnt wurde. In einem Schreiben von 2014, das der OZ vorliegt, begründet das Ordnungsamt die Ablehnung damit, dass „sein Instrument aufgrund der Töne und Lautstärke als nicht angenehm empfunden wurde.“ Eine mobile Drehorgel sei nicht vereinbar mit dem erhöhten Ruhebedürfnis der Bürger und Gäste im Ostseebad.

Erik Storch, Sachbearbeiter beim Ordnungsamt, bestätigt, dass Zoltan Schwarz am Ostermontag das Spielen untersagt wurde. „Er hatte keine Genehmigung“, sagt Storch. „Wir haben befunden, dass das Instrument so nicht zu dem Charakter eines Kurortes passt.“ Kurios: Beim Promenaden-Fest spielte schon öfter das Drehorgel-Orchester aus Mecklenburg-Vorpommern. „Das ist eine Festivität, bei der an einem Wochenende gespielt wird, nicht jeden Tag“, begründet Erik Storch, dass die Drehorgel dann ins Ortsbild passe. Mit Bezug auf das Untersagen für das Didgeridoo-Spiel sagt Storch, dass dieses Instrument nicht ortstypisch sei.

Jeder Straßenmusiker müsse beim Ordnungsamt vorspielen. In der Sondernutzungssatzung des Ostseebades sind die Straßenmusiker nicht festgeschrieben, anders als Parteien, die beispielsweise den Fußgängerbereich für Wahlwerbung nutzen können, ohne vorher eine Genehmigung zu beantragen. „Grundsätzlich bekommt jeder Straßenmusiker eine Genehmigung, es sei denn, das Instrument passt nicht in den Ort“, sagt Erik Storch. Die Genehmigung gelte meist für die Saison. Dass jemand mit Verstärker spielt, sei nicht erwünscht, „Wir versuchen das zu unterbinden. Bisher haben wir keinen Musiker mit Verstärker festgestellt“, sagt Erik Storch.

Die Spieler würden regelmäßig kontrolliert, im Sommer verstärkt. Würde sich der Musiker nicht an die Lärmschutzordnung halten und außerhalb der Zeiten 9 bis 13 und 15 bis 19 Uhr spielen, könne die Erlaubnis entzogen werden. Nach einer halben Stunde müssen die Musiker den Standort wechseln. Doch gerade das würde nicht immer passieren. „Es ist schon eine Zumutung, wenn längere Zeit gespielt wird“, sagt Bürgermeister Rainer Karl. „Alle wollen an der Seebrücke spielen, für die Gastronomen ist das nicht glücklich.“

Die Seebrücke sei der bevorzugte Standort, weiß auch Ulrich Langer. „Da ist am meisten Publikumsverkehr. Aber umliegende Gastgeber mit Gästen fühlen sich belästigt“, sagt der Geschäftsführer der Touristik-Service-Kühlungsborn. „Die Straßenmusiker ziehen definitiv nicht jede halbe Stunde weiter. Das ist belastend.“ Ob Harfe, Gitarre oder Didgeridoo — ob die Musik belästigend wirkt, hänge auch immer von Qualität und Niveau ab.

In Doberan brauchen Straßenmusiker erst mal keine Genehmigung, sagt Bürgeramtsleiter Gerhart Kukla, wenn sie sich sporadisch durch die Münsterstadt bewegen und den Standort immer mal wechseln. „Wenn die Straßenmusiker permanent an einer Stelle spielen, dann nervt das irgendwann, dann müssen wir einschreiten“, sagt Gerhart Kukla.

Von Anja Levien

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