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Straßenmusiker in der Stadt: Wirbel um neue Leise-Regelung

Stadtmitte Straßenmusiker in der Stadt: Wirbel um neue Leise-Regelung

Ortsbeiräte halten Regeln für überzogen / HMT-Rektorin: Studenten brauchen Straßenbühne

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Viele Menschen verdienen mit der Straßenmusik ihren Lebensunterhalt. Nach der neuen Verordnung sind einige Instrumente verboten – das Akkordeon aber nicht .

Quelle: Katharina Ahlers (3), Philip Schülermann

Stadtmitte. Ortsbeiräte, Citymanagement und Rostocker reagieren zwiegespalten auf die Bestimmungen der Stadt, Straßenmusik stark einzugrenzen. Wegen des Lärms sind zum Beispiel Blechblasinstrumente, Saxofone, Schlagzeuge und Klaviere sowie Gruppen ab fünf Personen generell verboten.

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Ortsbeiräte halten Regeln für überzogen / HMT-Rektorin: Studenten brauchen Straßenbühne

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Die neue Regelung der Straßenmusik in Kürze

4 Personen darf eine Gruppe von Musikern umfassen. Die Regelung gilt am Neuen Markt, Kröpeliner Straße, Kröpeliner-Tor-Vorplatz und an der Seepromenade und Am Strom in Warnemünde täglich von 9 bis 12 Uhr und von 15 bis 20 Uhr.Verboten sind jetzt unter anderem Blechblasinstrumente. Ausnahmen bedürfen einer Sondergenehmigung.

Betroffen sind unter anderem der bekannte Rigaer Juris Rutkovskis, der in Warnemünde und in der Kröpeliner Straße oft mit Akkordeon und Posaune zu hören ist, eine Polka-Gruppe, die regelmäßig zahlreiche Zuschauer um sich schart. Auch eine Gruppe Osteuropäer mit Posaunen fürchtet nun Ärger: Sie verstößt sowohl gegen die Instrumenten- als auch gegen die Gruppenbestimmung.

Die neue Regelung ist auch ärgerlich für Studenten. „Da unsere Studierenden im Sommer auf der Kröpeliner Straße musizieren, um ihre knappen finanziellen Mittel aufzubessern, ist es für sie sehr schade“, sagt Susanne Winnacker, Rektorin der Hochschule für Musik und Theater (HMT).

„Musikinstrumente pauschal zu verbieten, wohin soll das führen“, fragt Werner Simowitsch (Linke), Ortsbeiratsvorsitzender in der Stadtmitte, der sich dafür einsetzt, dass dieser Paragraf aus der „Allgemeinverfügung zur Regelung der Straßenmusik in der Hansestadt Rostock“ gestrichen wird. Auch aus der Kröpeliner-Tor-Vorstadt kommt Widerstand: Der Ortsbeirat möchte gegen die neue Bestimmung Widerspruch einlegen. „Das ist eine große Unterstellung, Straßenmusik pauschal als störend einzustufen“, sagt die Vorsitzende Anette Niemeyer (Aufbruch 09). „Auch die beliebten Shanty-Chöre funktionieren so nicht mehr .“Dem stimmt Stefan Nadolny (Linke) zu. „Eine Allgemeinverfügung für die gesamte Stadt ist ganz schön harter Tobak“, sagt er. „Die Verhältnismäßigkeit ist infrage zu stellen.“ In der KTV gebe es keine bekannten Probleme mit Straßenmusik. „Die Einschränkungen sind daher für uns als Kulturzentrum nicht hinnehmbar.“ Einzelne Instrumente zu verbieten hält auch Peter Magdanz als Citymanager nicht für sinnvoll: „Ein gut gespieltes Saxophon ist doch nicht zu laut.“ Besser wäre, so Magdanz, objektiv die Lautstärke zu messen. „Das kann jedes Smartphone.“

Auch Passanten in der Rostocker Innenstadt halten wenig von den neuen Regelungen. „Man sieht hier doch ständig Straßenmusiker in der Fußgängerzone“, sagt Studentin Nina Carstensen. „Mich stören sie überhaupt nicht – im Gegenteil. Straßenmusiker gehören zum Stadtbild von Rostock.“

Der Wismarer Rudi Wittig spaziert gern durch die Kröpeliner Straße. „Im Dezember werde ich die Weihnachtsmusik in der Fußgängerzone vermissen“, sagt er. „Ich höre mir gern Blechblasinstrumente an und kann diese Einschränkungen nicht nachvollziehen.“

Es gibt allerdings auch Verständnis für die Einschränkungen. „Den ganzen Tag über würde ich die Musik auch nicht hören wollen“, gesteht die Rostockerin Ute Paap. Als Passantin hört sie sich die Musik gern an. „Das klingt doch sehr schön. Ich bleibe gern stehen und gebe auch mal etwas Geld“, erzählt die 73-Jährige. „Wem es nicht gefällt, der muss ja nichts geben. Aber es gibt Künstler, die davon leben müssen. Für die ist die Bestimmung schlimm.“

Susanne Winnacker von der HMT hat bis September an der Kröpeliner Straße gewohnt. „Ich kann alle Anwohner, die sich darüber beschwert haben, sehr gut verstehen“, sagt sie. „Natürlich geht damit auch etwas verloren, das sicherlich die Passanten und vor allem die Touristen zu schätzen wussten.“ Dessen ist sich der verantwortliche Senator Chris Müller (SPD) bewusst. „Straßenmusik ist ein wichtiger Bestandteil urbanen Lebensgefühls“, sagt er. Die Maßnahmen sind aus seiner Sicht aber trotzdem nötig gewesen. Dass etwas passieren musste, sieht auch Citymanager Magdanz so: Die Musik habe Überhand genommen. „Es gab massive Beschwerden.“

Eine Möglichkeit bleibt den Musikern noch: Sie können sich beim zuständigen Amt eine Sondergenehmigung holen. Bei Verstößen droht die Stadt mit Platzverweisen und Bußgeldern.

Katharina Ahlers und Philip Schülermann

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