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100-Millionen-Theater: Stadt drückt sich vor Entscheidung

Stadtmitte 100-Millionen-Theater: Stadt drückt sich vor Entscheidung

OB bringt Bürgerentscheid ins Gespräch / Bürgerschaft uneins

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Empfang am Hofe des Prinzen – Ensemblemitglieder des Volkstheaters in der Rossini-Oper „Aschenputtel“.

Quelle: Foto: Thomas Häntzschel

Stadtmitte. Joachim Kümmritz will nicht länger warten: „Seit 25 Jahren diskutiert Rostock über ein neues Theater. Wir brauchen eine Entscheidung – und zwar jetzt“, fordert der Intendant des Volkstheaters. Doch genau davor scheint sich die Rostocker Politik mehr denn je zu drücken. Seit Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) Ende Juli verkünden musste, dass sich die kalkulierten Baukosten mit 102,8 Millionen Euro mehr als verdoppelt haben, herrscht beim Thema Neubau Schockstarre in den Amtsstuben und in der Bürgerschaft. Das Rathaus wartet auf ein Signal der Politik, die Politik auf eines aus dem Rathaus. So lange geschieht weiter nichts.

 

OZ-Bild

Wir wollen zunächst Alternativen prüfen

lassen.

Steffen Wandschneider

Fraktionschef SPD

250 Mitarbeiter

beschäftigt das

Rostocker Volkstheater

aktuell. Zur Belegschaft

zählen Sänger, Künstler und Schauspieler, aber

auch Handwerker

und Techniker.

Wir

brauchen eine Entscheidung – und zwar jetzt.

Joachim Kümmritz Intendant Volkstheater

Intendant: Nicht bis zum Jahresende warten

Vor allem das Volkstheater selbst hängt nun in der Luft: „Dass unsere Hütte in der KTV total kaputt ist, weiß doch mittlerweile jeder“, sagt Intendant Kümmritz. Der Zustand des Großen Hauses am Patriotischen Weg verschlechtere sich zusehends. So gehe es nicht weiter: „Rostock muss Farbe bekennen zum Thema Theater-Neubau. Anders geht es nicht mehr.“ Und dass die Stadt im Zweifel auch mehr als 100 Millionen Euro in die Hand nehmen muss – ja, das sei so: „Wenn die Hansestadt zu der Zielvereinbarung mit dem Land steht und weiterhin 250 Menschen am Volkstheater eine Zukunft geben will, dann werden wir um diese Summe nicht umhinkommen.“ Sollte die Bürgerschaft nicht so viel Geld ausgeben wollen und sich für die zweite, deutlich günstigere Variante eines „Bespieltheaters“

entscheiden, seien die Tage des Volkstheaters gezählt: „Dann muss Rostock es schließen. Alles andere hat keinen Sinn.“

Linke und Grüne wollen schnell entscheiden

Geht es nach den Grünen und den Linken in der Bürgerschaft, dann baut die Hansestadt in jedem Fall das neue Theater: „Natürlich wird das teuer. Aber wir zahlen jetzt den Preis dafür, dass wir jahrzehntelang nur geredet und nichts getan haben“, sagt Eva-Maria Kröger, Fraktionschefin der Linken. Rostock habe den Neubau über viele Jahre auf die lange Bank geschoben: „Und in dieser Zeit sind die Baukosten explodiert.“ Auch Kröger will möglichst noch in diesem Jahr einen Grundsatzbeschluss zum 100-Millionen-Euro-Bau fassen: „Denn die Kosten steigen ja weiter. Jeden Monat, den wir warten, wird es noch teurer.“

Dass die SPD die Halle 207 auf dem ehemaligen Neptun-Areal am Werftdreieck als Spielstätte für das Orchester ins Gespräch gebracht hat und der Oberbürgermeister sogar komplett neu über den Standort des Volkstheaters nachdenken will – das passt den Linken gar nicht: „Diese Standort-Debatte ist doch nur Verhinderungstaktik.“ Das sieht Uwe Flachsmeyer, Chef der Grünen in der Bürgerschaft, ganz genauso: „Die Standort-Diskussion ist unsinnig. Die haben wir vor Jahren geführt.“ Natürlich schreie auch er bei 100 Millionen Euro nicht sofort „Ja“, aber: „Was ist denn die Alternative? Gar kein Theater mehr aus Rostock?“ Die Stadtverwaltung sei nun am Zug: „Sie muss uns einen Vorschlag für den Neubau vorlegen. Etwas, worüber wir auch offiziell entscheiden können“, sagt Kröger.

SPD und CDU: Alternativen offen diskutieren

Doch eine Mehrheit im Stadtparlament wäre dann höchst ungewiss: „Ich sehe keine Finanzierungsgrundlage für 100 Millionen Euro. Wo soll das Geld herkommen?“, sagt CDU-Chef Daniel Peters. Solange das nicht geklärt sei, lehne er die Pläne kategorisch ab: „Und ich bin überzeugt, dass die große Mehrheit der Rostocker das genauso sieht.“ Ja, die Hansestadt müsse die Theater-Frage endlich klären, heißt es auch von SPD-Fraktionschef Steffen Wandschneider. „Aber ein Politiker, der bei 100 Millionen Euro keine Bauchschmerzen bekommt, sollte sich fragen, ob er in der Bürgerschaft richtig ist.“

Denn mit den reinen Baukosten sei es ja nicht getan: „Auf uns kommen für 40 Jahre jedes Jahr weitere 2,5 Millionen Euro an Abschreibungen zu. Und wie hoch sind eigentlich die Betriebskosten eines solchen Neubaus? Das ist alles nicht geklärt.“ Wandschneider will zudem Alternativen zu dem teuren Neubau prüfen: Wie viel würde eine Sanierung der bisherigen Spielstätte in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt kosten? Wie viel müsste die Stadt für ein reines Konzerthaus zahlen? Ließe sich das Theater im Stadthafen nicht besser nutzen? Kommt die Halle 207 als zweite Spielstätte infrage? „Da gibt es noch viel zu bereden.“

Bachmann rechnet mit Entscheidung Ende 2018

UFR-Fraktionschef Malte Philipp stimmt Intendant Kümmritz in einem Punkt zu: Es wurde genug geredet, die Bürgerschaft muss zügig entscheiden. Doch: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die UFR für einen 100-Millionen-Bau stimmen wird.“ Sybille Bachmann, Vorsitzende des Rostocker Bundes, hingegen geht davon aus, dass die Bürgerschaft frühestens Ende 2018 eine Entscheidung treffen kann: „Erstmals arbeiten die Stadtplaner am Quartiersblatt für den Bereich Bussebart. Das liegt bis Oktober vor. Dann können wir einen Hochbauwettbewerb starten, um auch die Gestaltung zu klären.“

Ihretwegen können die Gestalter dann zwei Standorte untersuchen – den Bussebart und das Gehlsdorfer Ufer. „Wenn wir das alles auf dem Tisch haben, können wir als Bürgerschaft auch sagen, was wir wollen – und wo wir es wollen.“ Aber das werde noch mehr als ein Jahr dauern.

OB fordert breite Debatte – auch in der Öffentlichkeit

Oberbürgermeister Methling gibt sich salomonisch: „Wir können die Zukunft mutig angehen. Denn Rostock hat in den vergangenen zwölf Jahren die Voraussetzungen geschaffen, zukünftig auch Projekte dieser Größenordnung angehen zu können“, sagt er zum 100-Millionen-Projekt. Doch entscheiden solle nicht allein die Bürgerschaft. Methling bringt – indirekt – bereits den nächsten Bürgerentscheid ins Spiel: „Angesichts einer solchen Großinvestition sollten alle Rostocker in einer breiten öffentlichen Debatte den Kurs ihrer Hansestadt direkt mitbestimmen.“ Schließlich könnten die 100 Millionen Euro nur ein Mal ausgegeben werden, und die Folgen der Entscheidung würde Rostock über Jahre beschäftigen.

Andreas Meyer

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