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Mit großer Geste: Studenten der HMT gehen aus sich raus

Mit großer Geste: Studenten der HMT gehen aus sich raus

„Der Ritter vom Mirakel“ im diesjährigen Sommertheater ist an die italienische Commedia dell’arte angelehnt / politische Bezüge zur Gegenwart

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Schauspiel mit vollem Körpereinsatz: Die HMT-Studenten proben für das diesjährige Sommertheaterstück.

Quelle: Axel Büssem

Östliche Altstadt Es wird gehüpft, gejauchzt, geschrien und getanzt: Die Rede ist nicht etwa von einem Justin-Bieber-Konzert, sondern vom Sommertheater der Hochschule für Musik und Theater. Und die überbordenden Emotionen kommen nicht etwa aus dem Publikum, sondern von der Bühne. „Der Ritter vom Mirakel“ ist angelehnt an die italienische Commedia dell’arte – eine Art mittelalterliches Jahrmarktspektakel. Und dabei dürfen und sollen die Studenten mal so richtig die Sau rauslassen.

Zur Handlung: Der spanische Glücksritter Don Juan ist ein Meister im Verführen und Blenden. Er macht sich reiche Damen reihenweise zu Willen, um sich an ihnen zu bereichern, bis ihm sein ganzes auf Lug und Trug aufgebautes Kartenhaus um die Ohren fliegt.

Doch im Mittelpunkt der Inszenierung steht nicht nur die Handlung, sondern vor allem auch die Darstellung durch die Schauspielstudenten: Wie eine fahrende italienische Schauspieltruppe im Mittelalter sollen sie aus sich herausgehen, erklärt Regisseur Markus Wünsch, der das Stück des Spaniers Lope de Vega für die HMT adaptierte: „Die Comedia dell’arte ist gekennzeichnet durch die sehr freie Art zu spielen, die große Geste. Sie ist skurril, obszön und grotesk in der Darstellung der Sorgen und Nöte der Menschen und stereotyper menschlicher Charaktere.“

Für die Nachwuchsschauspieler war diese Form der Darstellung eine große Umstellung: „Ich fand es am Anfang schwierig. Das Stück hat eine eigene Sprache und einen besonderen Humor“, sagt Lola Wittstamm (24), die im Stück die Octavia spielt. „Man muss mit dem Publikum sprechen und sehr aufs Timing achten, denn das Stück hat auch ein eigenes Tempo und harte Brüche.“

Doga Gürer (23), Darsteller der Hauptfigur Luzman, musste sich erst an die Besonderheiten der Commedia herantasten. „Aber inzwischen ist es nah an dem dran, was auch meinem Humor entspricht.“ Er freue sich, dass einmal nicht das Dramatische im Vordergrund stehe, sondern der Spaß am Spielen. „Ich kann mich mit meiner Stimme und mit meinem Körper ausdrücken, ohne viel darüber nachzudenken“, sagt Gürer.

Der Zuschauer könnte jedoch trotz aller Spielfreude auf der Bühne auch ins Nachdenken kommen, denn Regisseur Wünsch sieht im Stück durchaus Parallelen zur politischen Gegenwart: „Luzman ist ein Populist, der alle begeistert – nach dem Motto: ,Ich bin toll, Ihr seid toll und die anderen sind an allem schuld.’ Er zimmert sich ein riesiges Lügengebäude zusammen, mit dem er alle blenden kann. Aber am Ende bricht alles zusammen“, erklärt Wünsch.

Auch Kapitalismuskritik kann er im „Ritter vom Mirakel“ erkennen: „Er ist ein gnadenloser Kapitalist und Ausbeuter – wirtschaftlich und in der Liebe.“ Ein Zitat Luzmans unterlege dies besonders: „Oben kann nicht unten sein und unten kann nicht oben sein.“ Dabei sehe sich der Ritter selbst natürlich oben. „Aber trotz der ernsten Bezüge erwartet das Publikum einen komödiantischen und kurzweiligen Abend“, verspricht der Regisseur.

„Der Ritter vom Mirakel“ – auch auf Tour

5 Mal wird „Der Ritter vom Mirakel“ im Innenhof der Hochschule für Musik und Theater im Katharinenstift gespielt. Premiere ist an diesem Freitag um 21 Uhr. Es folgen vier weitere Aufführungen, jeweils eine täglich bis zum 26. Juli. Der Eintritt kostet 11,50 Euro, ermäßigt 6 Euro, zuzüglich Abendkassenzuschlag.

Anschließend geht das Ensemble mit dem Stück auf eine besondere Tournee: Jeder der zehn Schauspieler hat ein Engagement in seiner Heimatstadt organisiert. Zwei Wochen lang sind die Studenten unterwegs und reisen dabei bis nach Basel – fast wie früher die Jahrmarktgaukler, die die Commedia dell’arte einst erfunden hatten.

Axel Büssem

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