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Stilübungen in der Straßenbahn

Kröpeliner-Tor-Vorstadt Stilübungen in der Straßenbahn

Ungewöhnliche Lesung lockt Literaturfans / Eine Geschichte geschrieben in 100 Variationen

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Übersetzer Frank Heibert las in der Rostocker Straßenbahn aus dem Buch „Stilübungen“.

Quelle: Foto: Julia Grassmann

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Es ruckelt etwas und die Straßenbahn der Linie „Stilübungen der Weltliteratur“ setzt sich in Gang. Diese Sonderfahrt wird zur Bühne eines einmaligen Schauspiels in der Hansestadt. Die 75 Sitzplätze der Bahn sind fast vollständig belegt mit Literaturfans. Mitten in der Straßenbahn steht Frank Heibert. Der preisgekrönte Literaturübersetzer trägt Stücke aus seinem aktuellen Werk „Stilübungen“ vor und erinnert daran, was mit Sprache möglich ist.

In „Stilübungen“ geht es um eine einzige, kurze Geschichte: Eine triviale Rempelei in einem öffentlichen Transportmittel. Das Besondere ist, dass diese im Verlauf des Buches in über 100 stilistisch unterschiedlichen Varianten erzählt wird. Die Rempelei gibt es beispielsweise als Sonett, Komödie oder in verschiedenen Redewendungen. Der Ursprung des Buches liegt bei dem französischen Schriftsteller Raymond Queneau und erschien 1947.

Im vergangenen Jahr haben es sich die beiden Literaturübersetzer Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel zur Aufgabe gemacht, eine deutsche Neuübersetzung zu veröffentlichen. „Jede Stilübung hat ihre eigenen, festen Regeln, auf die man sich beim Übersetzen einstellen muss. Vor allem dürfen Queneaus Humor und Satire in den Übersetzungen nicht verloren gehen“, sagt Heibert. Dass die beiden Erfolg hatten, beweist die Auszeichnung mit dem diesjährigen Straelener Übersetzerpreis.

Zwei der Gäste an Bord der Straßenbahn sind die Freundinnen Ute Jordan und Kerstin Grimm. Sie sind vom Buch und Heiberts Performance begeistert. „Dass man aus einem einzigen Text so viel machen kann, ist der Wahnsinn“, sagen die beiden Rostockerinnen.

Heibert, der bereits in 20 Städten Lesungen gegeben hat, resümiert: „Für mich ist es immer wieder schön zu sehen, wie das Publikum nach und nach die unterschiedlichen Übungen und den Humor dahinter versteht und sich amüsiert. Stilübungen sind tolle Beispiele dafür, dass es manchmal eben auf das ,Wie’ anstatt das ,Was’ ankommt.“

Julia Grassmann

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