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Zu laut, zu eintönig: Rostock prüft Tüv für Straßenmusiker

Stadtmitte Zu laut, zu eintönig: Rostock prüft Tüv für Straßenmusiker

Händler und Anwohner klagen über Dauerbeschallung / Ordnungssenator will Darbietungen beschränken / CDU fordert Qualitätskontrolle

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Es gibt Gesangsgruppen, die sorgen bei Händlern und Passanten in der Kröpeliner Straße für Unmut.

Quelle: Frank Söllner

Stadtmitte. Eigentlich hat die Hansestadt ein Herz für Straßenmusikanten. Michael Tryanowski, dem legendären Rostocker „Spielmann-Opa“, hat sie sogar ein Denkmal gesetzt.

Stört Sie die Straßenmusik? Diskutieren Sie mit auf www.facebook.com/ostseezeitung. Ein Video von den umstrittenen Gesangsgruppen in Rostock sehen Sie auf www.ostsee-zeitung.de

Doch: Nicht alle musikalischen Darbietungen kommen so gut an wie Tryanowskis Akkordeon-Spiel. Seit Wochen häufen sich im Rathaus Beschwerden über die qualitativ zweifelhaften Leistungen einiger Gesangsgruppen an der Kröpeliner Straße. Händler und Passanten sind genervt, sprechen von Lärmbelästigung. Verwaltung und Politik reagieren: Ordnungssenator Chris Müller (SPD) will die Straßenmusik einschränken. CDU-Chef Daniel Peters fordert sogar, dass all jene, die in der Innenstadt auftreten wollen, sich vorher einer Jury stellen müssen.

Vor allem eine Gruppe hat den Zorn der Anwohner auf sich gezogen: Melodie und Text ließen sich bei deren Auftritt nur schwerlich erkennen, sagt Diane Haupt. Sie ist Geschäftsfrau und Betreiberin eines Imbissstandes an der Breiten Straße. „Das grenzt an Lärmbelästigung. Acht, neun Stunden am Tag singen die. Über Geschmack lässt sich streiten, aber dieser Dauerlärm geht gar nicht.“ Die Stadt sollte Auftritte in der Fußgängerzone nur noch gegen Gebühr gestatten: „Das schreckt einige der zweifelhaften Musikanten sicher ab.“

„Zu viel ist zu viel“, sagt auch Dieter Osterthun, Chef des Restaurants Portola im Rostocker Hof, mit Blick auf die Straßenmusik. „Ein bisschen Unterhaltung gehört in einer Fußgängerzone ja dazu.

Sonst können die Leute ja gleich im Internet einkaufen.“ Osterthun stört sich ebenfalls vor allem an den „singenden Großfamilien“. Die seien sehr laut. „Natürlich ist das nervig für die Menschen, die ihre Büros an der Kröpeliner Straße haben.“

Peter Magdanz, Geschäftsführer des Citykreises, einem Zusammenschluss der Innenstadt-Händler, sagt, dass er immer wieder Klagen von Mitgliedern über die Dauerbeschallung bekomme. „Die Lautstärke ist das Problem – und die Qualität.“ Da müsse die Stadt etwas machen. „Wir könnten uns zum Beispiel vorstellen, dass es Zonen an der Kröpi gibt, in denen Straßenmusik nicht mehr erlaubt wird.“ Welche das sein könnten, lässt er offen.

Ordnungssenator Müller hat die Botschaft der Händler verstanden: „Wenn die Musik laut und das Repertoire schmal ist, wird es für die unfreiwilligen Zuhörer echt anstrengend.“ Er arbeitet an veränderten „Spielregeln“ für die Straßenmusik: „Grundsätzlich freuen wir uns ja über Spiel und Darbietungen in der Innenstadt. Aber die Erfahrung der jüngeren Vergangenheit hat gezeigt, dass die Vielzahl der Musiker und auch einige Instrumente zu einer Belästigung der Anwohner und Geschäftsleute geführt haben.“

Deshalb will Müller etwa die Spielzeiten einschränken: Musik soll in den Fußgängerzonen nur noch von 9 bis 12 und von 15 bis 20 Uhr gestattet sein. Und: „Auftritte von mehr als vier Musikern sollen einer generellen Erlaubnispflicht unterliegen.“ Elektronische Verstärker sind schon jetzt verboten, Müller will diesen Passus der Sondernutzungssatzung nun auch um „sehr laute Trommeln oder ähnlich laute Rhythmusinstrumente“ ergänzen. Damit aber nicht genug: Die Auftritte sollen künftig maximal 20 Minuten dauern. Danach müssen die Musiker ebenso lange Pause machen – und sie müssen umziehen. „Das Stadtamt prüft jetzt, wie schnell wir diese Regeln umsetzen können“, sagt Müller.

Der Rostocker CDU geht das nicht weit genug. Parteichef Daniel Peters spricht von „fast schreienden Darbietungen“ der umstrittenen Gesangsgruppen. „Das Repertoire, das sich meist nur auf wenige Stücke begrenzt, ist mangelhaft und wird täglich und seit Monaten immer und immer wieder gespielt.“ Und weiter: „Es gibt viele Straßenmusikanten, die ihr Handwerk verstehen und bei denen es Spaß

macht zu lauschen. Aber es gibt auch einige, die diese Tradition missbrauchen und Rostock damit ein schlechtes Image geben.“

In München habe die Stadt deshalb vor Jahren schon einen „Tüv“ für Straßenmusiker eingeführt: Die Musikanten müssen vor einem Gremium aus Experten vorspielen, bevor sie in die Fußgängerzonen dürfen.

„Ich könnte mir vorstellen, dass wir eine solche Jury aus Kultur- und Ordnungsamt, Musikexperten und Ortsbeirat auch in Rostock einführen.“

Andreas Meyer

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