Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
LKA alarmiert: Fanatiker in Rostocker Moschee?

Südstadt LKA alarmiert: Fanatiker in Rostocker Moschee?

Mitglieder der Islamischen Gemeinde warnen vor extremistischen Tendenzen einer Minderheit / Behörden nehmen Hinweise ernst / Salafisten weiten Koran-Verteilungen aus

Voriger Artikel
Feuerwehr-Eskorte schützt Enten
Nächster Artikel
Erzieher schlagen Kita-Pause vor

Wachsende Gemeinde: Bei den Freitagsgebeten müssen viele Muslime vor der Rostocker Moschee beten. Der Platz reicht nicht aus.

Quelle: Ove Arscholl

Südstadt. Versuchen radikale Muslime in der Rostocker Moschee neue Anhänger zu rekrutieren? Gewinnt in der friedliebenden Gemeinde eine extremistische Minderheit die Oberhand? Davor jedenfalls warnt ein Mitglied der islamischen Gemeinde in einem Brief an Medien und Behörden in Rostock. Der Autor will anonym bleiben, sein Name ist der OZ aber bekannt. Und: Seine Hinweise scheinen zumindest teilweise wahr zu sein. Die Sicherheitsbehörden nehmen das Schreiben jedenfalls ernst: Nach OZ-Informationen geht mittlerweile sogar das Landeskriminalamt den Behauptungen nach. Auch Maher Fakhouri, der Vorsitzende der Gemeinde, bestätigt: „Es gibt Diskussionen in der Gemeinde über die Ausrichtung“.

 

OZ-Bild

Wir prüfen jeden Verdacht auf mögliche extremistischeAktivitäten im Land.“Synke Kern, Sprecherin des LKA

Wachsende Glaubensgemeinschaft in Rostock

700 Muslime gehören laut Schätzungen des Vorstandes der islamischen Gemeinde an.

350 Gläubige kommen zu den Freitagsgebeten in das Gotteshaus an der Schlesinger-Straße.

Der Brief, der nun für Aufregung sorgt, ist komplett auf Englisch verfasst. Der Verfasser schreibt, dass er selbst Muslim und ernsthaft besorgt über die Entwicklung in der Gemeinde sei. Er fühle sich verantwortlich, alle Rostocker vor einer möglicherweise gefährlichen Entwicklungen zu warnen. Seine Wortwahl ist drastisch: Seit etwa einem halben Jahr sei die provisorische Moschee an der Schlesinger- Straße „besetzt“ von einer Gruppe ultra-konservativer Muslime aus der Hansestadt und aus Güstrow. Die Männer würden auch außerhalb der Gebetszeiten die Moschee nutzen. Und: Die Gruppe von fünf, sechs Personen würde versuchen, ihre eigenen Imame zu installieren. Zudem würden die radikalen Kräfte versuchen, die Kontrolle über die Gemeinde zu erlangen – und auch über das Geld, dass bereits für einen Moschee-Neubau gespart wurde. Die Gruppe würde – im Gegensatz zu mehr als 600 friedliebenden Muslimen – einen „Propaganda-Krieg“ führen und die Moschee zu einem Ort des „Hasses, der Provokationen und der Politik“ machen – „anstatt in Frieden zu beten“. Etliche Mitglieder würden den gemeinschaftlichen Gebeten bereits fernbleiben – vor allem Familien mit Kindern.

Maher Fakhouri hingegen stellt die Situation in der Gemeinde nicht so drastisch dar – aber: „Ja, bei uns prallen derzeit unterschiedliche Schulen des Islam und Ansichten auf einander.“ Auch er selbst sei in einigen Kreisen umstritten und es gäbe Bestrebungen, ihn als Vorsitzenden abzulösen. „Wir versuchen, mit Neuwahlen die Situation zu beruhigen.“

Von „Extremisten“ will Fakhouri nicht sprechen: „Wir haben in der Gemeinschaft liberale Muslime, aber auch konservative Gruppen.“ Bedrohliche Tendenzen könne er jedenfalls bisher nicht erkennen. Die islamische Gemeinde in der Hansestadt ist in den vergangenen Monaten stark gewachsen: Vor der Flüchtlingskrise hätten der Gemeinschaft gerade mal 350 Gläubige angehört, schätzt Fakhouri.

Mittlerweile seien es mehr als 700. Längst reicht der Platz in der provisorischen Moschee nicht mehr aus: Ein Neubau ist geplant. Doch die Gemeinde hat erst 100000 Euro angespart. Sie braucht 1,2 Millionen Euro.

Die Sicherheitsbehörden halten sich mit Aussagen zur Situation in der muslimischen Gemeinde zurück, wollen aus taktischen Gründen lieber schweigen. Nur so viel sagt Synke Kern, Sprecherin des Landeskriminalamtes, dann doch: „Verdachtslagen werden regelmäßig geprüft, damit einhergehend auch Formen der Radikalisierung oder möglicher extremistischer Aktivitäten. In diesem Zusammenhang stehen islamistische Bestrebungen im besonderen polizeilichen Fokus.“ Eine generelle Überwachung von Moscheen finde nicht statt, aber: „Der Verfassungsschutz in MV beobachtet islamistische und insbesondere salafistische Bestrebungen. Sofern von einer Moschee oder dem sie tragenden Moscheeverein solche Bestrebungen zurechenbar ausgehen, kann auch die Moschee beobachtet werden“, erklärt Marion Schlender, Sprecherin des CDU-geführten Innenministeriums in Schwerin, vielsagend.

Dass Salafisten in Rostock Fuß fassen wollen, gilt mittlerweile als sicher: Ein Güstrower Bürger hat seit dem 1. März und bis zum 7. November für jeden Sonnabend eine Sondernutzungserlaubnis für die Kröpeliner Straße beantragt – um dort Korane an Passanten zu verteilen. „Da keine Anhaltungspunkte für strafrechtlich relelvante Taten vorlagen, mussten wir das genehmigen“, sagt Stadtsprecherin Kerstin Kanaa. Das Rathaus habe die Polizei informiert. Und die versichert: „Wir werden diese Aktionen begleiten“, so Sprecherin Dörte Lembke.

Andreas Meyer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel

Bildungs- und Kulturminister Mathias Brodkorb (SPD) stellt sich den Fragen der OZ-Laboranten

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Rostock

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Benjamin Barz ? Ostsee-Zeitung Hilfe Aktion Wohltaetigkeit Teaser der den User auf die Seite "Helfen bringt Freude" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Helfen bringt Freude“ 2015-11-30 de Aktion Helfen bringt Freude Seit 27 Jahren engagieren sich unsere Leser zusammen mit der OZ für sozial schwache Familien, Kinder sowie gemeinnützige Projekte in Mecklenburg-Vorpommern. Wie Sie in diesem Jahr helfen können, erfahren Sie hier.
Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Beilagen
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
Ribnitzer feiern verdienten Sieg zum Jahresabschluss

MV-Liga-Handballer bezwingen HC Vorpommern-Greifswald mit 36:31