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Lärm bremst Hafen-Expansion aus

Krummendorf Lärm bremst Hafen-Expansion aus

Neues Gutachten zeigt bei Erweiterung Probleme vor allem im Bereich Krummendorf

Krummendorf. Seit Jahrzehnten sind zwei Gebiete rund um Krummendorf und Peez als Flächen für eine Hafenerweiterung vorgesehen. Seit 2005 wird intensiv untersucht. Gutachter kommen jetzt zum Ergebnis, dass es speziell im Bereich Krummendorf erhebliche Probleme gebe, erklärt Gerd Schäde vom Regionalen Planungsverband. Die Bürgerinitiative aus dem Ortsteil sieht sich in ihrer Kritik bestätigt. Der Hafen benötigt nach eigenen Angaben die Flächen jedoch, um Unternehmen Angebote machen zu können „Wir gucken vorsichtig optimistisch in die Zukunft“, sagt Manfred Rißmann von der Bürgerinitiative. Das neue Gutachten hätte gezeigt, dass es mehr „Raumwiderstände“ als erwartet gebe, räumt Gerd Schäde ein. Lärm durch eine Industrieansiedlung erweise sich als Hindernis. „Zurzeit sieht es so aus, als ob dort nachts nicht gearbeitet werden dürfte.“ Er könne sich nicht vorstellen, dass es ein Interesse bei den Planern gebe, „40 Häuser zu schleifen“, stellt Manfred Rißmann fest. Zumal der mögliche Lärm ja auch Tausende Bewohner in Schmarl und Groß Klein betreffen könnte. Zudem würden die Vorgaben von Wasser- und Küstenschutz kaum einzuhalten sein.

Planung kann vier Jahre dauern Der Planungsverband will sich jetzt ein halbes Jahr Zeit nehmen, um das neue Gutachten zu bewerten. Dann soll entschieden werden, ob die gesamten 121 Hektar rund um Krummendorf, wie vorgesehen, von einer Vorbehalts- zu einer Vorrangfläche für die Hafenerweiterung gemacht werden. Das Planungsverfahren inklusive Beteiligung von Betroffenen würde sich vier Jahre hinziehen. Im Vorfeld könnte die Stadt jedoch schon ihren Flächennutzungsplan ändern. „Die Bagger rollen so bald noch nicht“, sagt Gerd Schäde.

Auch Manfred Rißmann glaubt nicht, dass der Hafen in den nächsten Jahrzehnten dichter an sein Haus heranrückt. Aber: „Nach meiner Einschätzung wird man dabei bleiben, unser Gebiet als langfristig geeignet für den Hafen festlegen zu wollen und versuchen, ein überwiegendes öffentliches Interesse zu konstruieren, um die Hafenerweiterung West zu erreichen.“

Peezer Bach wird verlegt

Anders sieht die Lage im Erweiterungsgebiet Ost aus, also in Peez, wo viele Eigentümer auf dem Rückzug sind. Hier heißt der „Raumwiderstand“ Natur. Naturschutzverbände hatten stets Widerstand angekündigt. Gerd Schäde geht jedoch davon aus, dass die Planungen zur Hafenerweiterung schnell vorangetrieben werden. „Eine Endabwägung ist möglich.“ In einem ersten Schritt würden der Peezer Bach nach Norden und auch die Spülfelder verlegt. Manfred Rißmann erwartet insgesamt einen weiteren Aufkauf von Flächen und anhaltende Verunsicherung der Bewohner. Eine einvernehmliche Lösung rechnet er nicht.

Die Geschäftsführer der Hafenentwicklungsgesellschaft Hero, Gernot Tesch und Jens A. Scharner, betonen, dass sie zusätzliche Flächen brauchen, sehen aber den Konflikt: „Unsere Interessen verhalten sich natürlich konträr zu den Interessen von potenziellen Mietern oder Eigentümern“, sagt Scharner. „Es gibt Platz zum Wohnen, zum Arbeiten und zum Erholen. Das sollte in der Region Rostock möglich sein.“ Der Hafenbereich sei ein Platz für industrielle Aktivitäten, und es sollte sich ausschließen, dass es dort Wohnbebauung gibt.

Strategische Flächenvorsorge „Es geht um strategische Flächenvorsorge für die nächsten 50 Jahre, für die nächsten Hafendirektoren, für die nächsten Generationen“, betont Gernot Tesch. Große Flächen um den Hafen seien schon zu DDR-Zeiten perspektivisch für eine Erweiterung vorgesehen gewesen. „Betrachtet man das ganze Land, sind Flächen, die in den Häfen Rostock, Wismar, Stralsund oder Sassnitz angeboten werden, natürlich die besten Gewerbegebiete des Landes. Mit diesem Pfund muss man wuchern.“ Das Verkaufsargument heißt für die Hero-Chefs „Lage am seetüchtigen Wasser“. Gegenwärtig würden innerhalb des Hafens die letzten Flächen erschlossen.

Für Jens A. Scharner geht es um einen Abwägungsprozess. „Was ist machbar in welchen Entwicklungschritten? Die Ängste, die da immer mitschwingen – es gibt einen Plan und dann fängt der Bagger an – das passiert nicht.“ Klar sei für Gernot Tesch aber auch, dass der Hafen interessierten Unternehmen von der Größenordnung Liebherr oder EEW keine Flächen nahe der Kaikante mehr anbieten kann.

Thomas Niebuhr

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