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Lambrechtshäger gegen Windräder

Lambrechtshagen Lambrechtshäger gegen Windräder

Empörung auf Einwohnerversammlung über Pläne für zwei Anlagen / Widerstand gemeinsam mit Kritzmow

Lambrechtshagen. Nun auch die Lambrechtshäger: Nachdem sich die Kritzmower gegen die beiden geplanten Windräder in Groß Schwaß ausgesprochen haben, wollen sich auch die Bürger der Nachbargemeinde wehren. Am Freitag kamen rund 50 zu einer Einwohnerversammlung, um sich über das Projekt zu informieren. Dabei machten die Anwesenden klar: Kampflos wollen sie die Windräder nur wenige Meter jenseits der Gemeindegrenze nicht hinnehmen.

Die Firma M&M Erneuerbare Energie will in Groß Schwaß zwei fast 200 Meter hohe Windräder bauen. Ausgewiesen sind die Anlagen als Versuchsprojekt: Mit ihnen soll in Zusammenarbeit mit der Uni Rostock die Kopplung von Energie- und Wärmeproduktion getestet werden (die OZ berichtete). Doch genau diesen Pilotcharakter, der den Bau auch außerhalb von Windeignungsgebieten erlauben würde, zweifeln auch die Gegner des Projekts in Lambrechtshagen an.

Denn zum einen sind weder die Windräder noch die eingesetzte Wärmetechnologie neu. Lediglich die Kombination aus beidem soll erprobt werden. Und zum anderen sollen nur 15 Prozent der produzierten Energie in Wärme umgewandelt werden. Der Rest fließt als Strom ins Netz und soll so das Projekt finanzieren. „Warum baut man nicht eine kleine Anlage, die dann ausschließlich Wärme produziert?“, fragt ein Anwohner.

Empört ist auch Olaf Bleeck (60): „Es gibt einen Beschluss der Gemeinde, dass wir das nicht wollen. Und nun sollen die Windräder durch die Hintertür unter dem Deckmantel der Forschung doch gebaut werden. Das ist eine Frechheit.“

Auch Lambrechtshagens Bürgermeister Holger Kutschke (CDU) ist der Ärger über das Projekt anzumerken. „Unsere Gemeinde wird an der Planung nicht beteiligt, obwohl die Windräder gefühlt zwei Meter hinter der Gemeindegrenze entstehen sollen.“ Er kündigte an, den Bürgerprotest – etwa in Form einer Bürgerinitiative – unterstützen zu wollen. Gleichzeitig betonte er aber auch: „Es wird schwer sein, das Projekt noch zu kippen.“ Die Gemeinde habe eine Anwaltskanzlei beauftragt, um die rechtlichen Möglichkeiten auszuloten.

Fast eine Stunde wurde ausschließlich über die genehmigungsrechtlichen Fragen diskutiert. Erst dann stellte die erste Teilnehmerin eine Frage zu den Auswirkungen der Windräder, die nur wenige hundert Meter entfernt von der nächsten Wohnbebauung entstehen sollen, was auf einer von Bürgermeister Kutschke verteilten Karte deutlich wurde. Darauf sind Radien von 800 und 1000 Meter eingezeichnet, die sich mit der Straße Bauernreihe überschneiden. „Was bedeutet das konkret?“, fragte Birgit Runge (63), die für die Linkspartei in der Gemeindevertretung sitzt. Kutschke antwortete: „Stellen Sie sich mal in Stäbelow 500 Meter neben eine Windkraftanlage, dann wissen Sie es.“

Runge gibt das zu denken: „Wir brauchen alle Strom, aber keiner sagt, wo er herkommen soll. Ich denke schon, dass wir erneuerbare Energie brauchen, aber ich habe den Eindruck, dass hier der Bürger ausgetrickst werden soll.“

Hoffnung machte den Anwesenden der Verweis auf den Umweltschutz, der das Projekt möglicherweise noch stoppen könnte. „Die Fläche, auf der die Windräder gebaut werden sollen, liegt direkt am Waldrand.

Und in dem Waldstück gibt es mehrere Brutplätze des Roten Milan“, sagte Anwohner Matthias Wendt (54). Zum Schutz der seltenen Greifvögel habe etwa die Straße Bauernreihe einst nicht verlängert werden dürfen.

Investor will am Standort in Groß Schwaß eine Modellsituation schaffen

Die Firma M&M Erneuerbare Energie will nach eigenen Angaben eine Modellsituation schaffen und habe sich darum den Standort in Groß Schwaß ausgesucht. Er biete sich an, weil das Gasheizkraftwerk, die Abnehmer im Tannenweg und der Einspeisepunkt Schutow nahe beieinanderliegen. In der Region Rostock wurden laut Landesentwicklungsministerium seit 2011 acht Ausnahmegenehmigungen erteilt. Eine davon betrifft die Hansestadt.

Axel Büssem

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