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Landgang für die Poeler Kogge

Gehlsdorf Landgang für die Poeler Kogge

Das Holzschiff wird in der Tamsen Werft gereinigt, kalfatert und gestrichen / Verein investiert 35000 Euro

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Poeler Kogge „Wissemara“ auf Landgang

Die „Wissemara“ wird auf einer Holzplattform aus dem Wasser gehoben und an Land gezogen.

Gehlsdorf. Werfttermin für die Poeler Kogge „Wissemara“. Am Sonnabend ist sie noch mit einer illustren Geburtstagsrunde in See gestochen, am Sonntagabend hat sie dann im Werftbecken von Tamsen maritim in Gehlsdorf festgemacht.

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Das Holzschiff wird in der Tamsen Werft gereinigt, kalfatert und gestrichen / Verein investiert 35000 Euro

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„Ein Holzschiff braucht besondere Pflege“, sagt Joachim Müller vom Förderverein, „deshalb muss die Kogge alle zwei Jahre ins Dock.“ Wie sieht der Unterwasserbereich aus? Wie sehr haben Algen, Muscheln, Dreck der Beplankung zugesetzt? Wo dringt Wasser zwischen den hölzernen Klinkern ein? „Dort müssen wir kalfatern“, erklärt Müller, „die Nähte zwischen den Planken mit Hanf abdichten.“

Doch bevor es so weit ist, muss das Schiff in Position gebracht werden. Auf einem speziellen Wagen im Wasserbecken, der später mit einem Hebewerk nach oben gehievt und dann mit der 270 Tonnen schweren Kogge an Land gezogen wird. Zuerst müssen die Rostocker Baltic-Taucher ins Wasser.

Norman Rindler taucht mit Holzkeilen und Hammer bewaffnet ab. An jeweils vier Stellen auf jeder Schiffsseite muss er die Keile passgenau zwischen Rumpf und die auf dem Lift vorbereiteten Pallungen treiben. Auf dem Helm trägt er Kamera, im Helm eine Art Telefon. „Zur Sicherheit, aber auch um Arbeitsabfolgen zu besprechen“, sagt Kollege Jens Dümmer, der auf dem Bildschirm an Land das Geschehen verfolgt. Rindler benötigt kleinere Holzstücke, die der dritte Baltic-Mann, Stephan Speckin, nach unten abseilt. Nach drei Stunden steht die Pallung unter Wasser. „Sieht gut aus“, lobt Dümmer. Der Taucher steigt in den Käfig und wird per Kran an Land gehoben.

Die ehrenamtliche Crew um Kapitän Peter Samulewitz (65) beobachtet den Fortgang. Sie hat das Schiff am Vormittag abgetakelt. Nun müssen noch die Wismarsche Wetterfahne und das Baltenkreuz vom 32 Meter hohen Mast abmontiert werden. Zwei Männer steigen in den Korb, schrauben und hämmern erfolgreich in luftiger Höhe.

Dann werden alle Verbindungen zum Beckenrand gekappt – Landgang und Stromkabel kommen weg. Jetzt übernimmt Edwin Sohn, Projektleiter der Tamsen-Werft, das Kommando. „Es ist schwierig, so ein Schiff zu docken“, sagt Sohn. Die verklinkerte Außenhaut muss sicher abgestützt werden. Die Kogge darf nicht kippen.

Das rund 32 Meter lange und fast neun Meter breite Schiff ist ein Nachbau einer hanseatischen Kogge aus dem 14. Jahrhundert. Nach dem Fund eines gut erhaltenen Wracks 1997 vor der Insel Poel hatten die Wismarer die Idee des Nachbaus. Unter Leitung des 2000 gegründeten Fördervereins „Poeler Kogge“ wurde das Schiff von 2000 bis 2006 errichtet. Am 9. August 2006 ging die Crew auf Jungfernfahrt zur Hanse Sail nach Rostock. Seitdem startet die „Wissemara“ von ihrem Liegeplatz im Alten Hafen in Wismar regelmäßig zu Segeltörns auf Ost- und Nordsee. Alle zwei Jahre muss sie zur Instandsetzung in die Werft. Jetzt ist es wieder so weit.

Mit Walki Talki rennt Projektleiter Sohn an den Winden des Synchron-Lifts entlang. Zwei Kollegen an Bord werfen die Befestigungsleinen. Ganz langsam wird die Kogge auf einer mit Schienen versehenen Holzplattform angehoben.

Käpt’n Samulewitz schaut genau hin. „Deutlich weniger Muschelbewuchs als vor zwei Jahren“, stellt er fest. „Nur Schlick und Schlamm, das lässt sich gut abkärchern.“ Rüdiger Haase hüpft schon auf die Plattform. Mit Messer und Hammer prüft er die Außenritzen. Er hat das Schiff mitgebaut, kennt die Schwachstellen, die ab heute kalfatert werden müssen.

Die Plattform ist oben. Ein Kranwagen spannt sich vor die Kogge und zieht sie langsam vor die Werfthalle auf den Waschplatz. Es nieselt unentwegt. „In den nächsten Tagen brauchen wir trockenes Wetter“, sagt Müller. Nach der Reinigung müssen drei neue Holzanstriche und ein Antifoulinganstrich aufgebracht werden.

Spätestens am 21. Oktober soll die „Wissemara“ das Dock wieder verlassen. 35000 Euro investiert der Verein in die Überholung der Poeler Kogge.

„Wissemara“

Das bislang größte Schiffswrack der Hansezeit wurde 1997 in der Wismarbucht vor Timmendorf auf der Insel Poel entdeckt. Die 1999 erfolgreiche Bergung des Wracks und folgende Untersuchungen zeigten, dass das Schiff um 1354 aus geschlagenem Kiefernholz gebaut worden ist. Das Wrack diente als Grundlage für den Nachbau der Poeler Kogge, mit dem 2000 begonnen wurde. 2006 wurde das Schiff fertiggestellt und ist als eines der größten europäischen Repliken einer Kogge im Wismarer Hafen zu sehen. Die Kogge wurde in nordischer Klinkerbautradition aus Kiefernholz gebaut und hat 2,60 Meter Tiefgang. Die Segelfläche beträgt 276 Quadratmeter. Im Mai 2004 wurde das Schiff per Stapelhub ins Wasser gesetzt und auf den Namen „Wissemara“ getauft, in Anlehnung an den urkundlich, westlich von Wismar belegten Bach „aqua wissemara“.

Doris Kesselring

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