Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 4 ° Regenschauer

Navigation:
Latchinian über Rostocker: Keine Hanseaten, eher Hansel

Stadtmitte Latchinian über Rostocker: Keine Hanseaten, eher Hansel

In einem Internet-Video beleidigt der Ex-Intendant des Theaters die Stadt

Stadtmitte. Auf dem Papier ist Sewan Latchinian immer noch am Rostocker Volkstheater angestellt. Denn die erste Runde im Rechtsstreit um seine fristlose Kündigung hatte der ehemalige Intendant vor dem Landgericht gewonnen. Dabei scheint der Theater-Mann an einer Rückkehr an die Warnow überhaupt keine Interesse mehr zu haben: In Internet kursiert jedenfalls ein Interview mit Latchinian, in dem er sich höchst abfällig über Politik und Gesellschaft in Rostock äußert. Die wohl beleidigendste Aussage: „Die Rostocker sind nicht wirklich wieder Hanseaten. Sie sind doch eher Hansels.“

Das Interview, das auf dem Videoportal YouTube zu sehen ist, hatte die Geschäftsführerin der Freien Volksbühne Berlin, Alice Ströver, mit Latchinian geführt. Der Ex- Chef des Volkstheaters beklagt sich in dem Gespräch über die aus seiner Sicht verfehlte Kulturpolitik im Land und in der Hansestadt: „Dieses Rostock ist ein Sonderfall im deutschsprachigen Raum. Es hätte zwei, drei Spielzeiten mindestens gebraucht, ehe es sich unter meiner Intendanz vielleicht hätte ändern können“, sagt er.

Dass die Rostocker „Hansels“ seien, würde vom Kultusminister ausgenutzt: „Da ist viel Erpressung gelaufen. Das ist alles kein guter Stil. Das ist politische Unkultur, keine Kulturpolitik.“ Er habe versucht, schlimme Entwicklungen aufzuhalten und über die Landesgrenzen hinweg bekannt zu machen: „Vielleicht sollte da der Bund auch mal draufschauen.“

Latchinian spricht auch über seine Zukunftspläne – und dabei ist nicht ein Mal von Rostock die Rede: „Vielleicht hat es mich vor einem Herzinfarkt bewahrt, dass ich zum zweiten Mal rausgeschmissen wurde.“ Er sei derzeit dabei, sich zu überlegen, was er in Zukunft machen wolle: „Vielleicht stehe ich an einer Wegscheide für mich persönlich, dass ich gar kein Theater mehr mache, sondern mich auf meine literarischen Talente konzentriere. Ich will seit Jahren einen Roman schreiben.“

In der Hansestadt kommen all diese Äußerungen überhaupt nicht gut an. Vor allem, dass der Ex-Intendant die Rostocker beleidigt, hat ein eindeutiges Echo ausgelöst: „Dass er die Politik angreift, damit kann ich umgehen. Aber die Einwohner allesamt als ,Hansels’ zu bezeichnen, ist arrogant und abstoßend“, sagt CDU-Chef Daniel Peters. Und weiter: „Erneut schadet Latchinian den Kulturschaffenden und den Theaterfreunden. Eine Rückkehr nach Rostock ist für mich ausgeschlossen.“ Das sieht Sybille Bachmann, Aufsichtsratschefin des Volkstheaters und Fraktionsvorsitzende des Rostocker Bunds, genau so: „Er wird nie mehr Intendant in Rostock sein. Es geht ihm im Rechtsstreit gegen das Theater nur ums Geld, um eine Abfindung.“ Im Interview spricht Latchinian zudem davon, dass er einen „Kulturkampf“ geführt habe: „Diesen Kulturkampf um das Vier-Sparten-Haus haben andere geschickter geführt. Nur dadurch existiert es noch. Das ist bestimmt nicht Latchinian zuzuschreiben. Genau darum haben sich echte Hanseaten gekümmert und nicht Hanseln. Wenn ein Intendant die Rostocker derartig beleidigt, dann sollte er der Stadt besser fernbleiben“, so Bachmann.

SPD-Fraktionschef Steffen Wandschneider sagt: „Wir sollten mit hanseatischer Gelassenheit auf diese Aussagen reagieren.“ Einzig die Grünen haben Verständnis für den Ex-Intendanten: „Eine faire Chance hatte Latchinian nie. Insofern sind manche Äußerungen aus normalem Frust verständlich. In der Tat haben sich viele hier nicht als kulturvoll erwiesen“, schreibt Fraktionschef Uwe Flachsmeyer.

Weder Latchinians Anwalt, der prominente Linken-Politiker Gregor Gysi, noch die Hansestadt Rostock äußerten sich zu den Aussagen. Denn der Rechtsstreit um die Kündigung ist noch nicht beigelegt.

Andreas Meyer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Greifswald

75 Prozent der Umfrage-Teilnehmer sprechen sich für Ernst Moritz Arndt als Patron der Uni aus

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Rostock

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
5:1-Derbysieg: Favorit PSV dreht nach der Pause auf

Nach einer ausgeglichenen ersten Hälfte gewinnen die Ribnitz-Damgartener gegen den TSV Wustrow am Ende noch deutlich